„Im Grunde geht es immer um eine Anbieter-Kunden-Beziehung“

Foto: BASFIDas vollständige Interview mit Dr. Melanie Leonhard erscheint am 27. September in Business & People – sowohl in der Print-Ausgabe als auch Online und www.business-people-magazin.de || Foto: BASFI

Über die Auswirkung der Digitalisierung in den Unternehmen.

Dr. Melanie Leonhard, Hamburg Senatorin für Arbeit, Soziales, Familien und Integration, im Interview mit B&P Redakteur Wolfgang Becker über die Auswirkung der Digitalisierung in den Unternehmen.

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Wolfgang Becker: Wir haben einerseits diesen massiven Fachkräftemangel quer durch alle Branchen und andererseits das Thema Digitalisierung, von dem viele Unternehmen noch nicht so recht wissen, wie es sich auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Wie schätzen Sie die Auswirkungen der Digitalisierung ein?

Dr. Melanie Leonhard: Ich gehöre nicht zu denen, die meinen, durch die Digitalisierung werden wir künftig immer weniger Menschen brauchen, die arbeiten oder einen Beruf haben, den sie mit ihrer Hände Arbeit bewältigen. Egal wo ich unterwegs bin: Im Zusammenhang mit Digitalisierung geht es in den Unternehmen immer darum, wie sie ihre Prozesse optimieren oder die Kommunikation verbessern – also: Wie können wir technologischen Wandel nutzen, um Arbeit besser, noch effizienter oder näher am Menschen gestalten. Und weil wir die Digitalisierung auch nicht aufhalten können oder wollen, bin ich zugleich optimistisch, dass wir uns ihre Entwicklungen zunutze machen können.

Wolfgang Becker: Es gibt noch eine höhere Ebene, die dazu führt, dass traditionelle Geschäftsmodelle von außen überrollt und quasi abgeschafft werden. Ist dieses Bewusstsein in den Unternehmen vorhanden?

Dr. Melanie Leonhard: Es geht nicht nur darum, was wir tun, sondern auch darum, wie wir es tun. Die Veränderung von Prozessen birgt auch die Chance, Arbeitsbedingungen zu verbessern. Andererseits tun sich durch zunehmende Vernetzung neue Geschäftsmodelle auf. Seit Unternehmen wie Amazon auf dem Markt erschienen, wurden nach und nach eine ganze Reihe von Großlagerhäusern eingerichtet, die die gehandelten Waren vorhalten. Mittlerweile gibt es Online-Versandhäuser, die nicht mal mehr Lagerhäuser haben. Die stehen mit ganz vielen Herstellern und Fachhändlern rund um die Welt in Kontakt und schicken eine Auslieferungsnachricht, wenn die Ware verkauft wurde – die Lieferung erfolgt also direkt vom Hersteller zum Endkunden. Jetzt können wir darüber nachdenken, ob es künftig überhaupt noch Lagerhäuser geben muss, aber als Unternehmer in diesem Umfeld muss ich doch die Frage stellen, wie ich mir diese Entwicklung zunutze machen kann, wo da mein Platz ist, und ob ich nicht der lokale Anbieter sein kann, der genau dieses Modell vor Ort anbietet. Im Grunde geht es immer um eine Anbieter-Kunden-Beziehung.

Wolfgang Becker: Wie weit ist es vor diesem Hintergrund für Sie als Senatorin überhaupt möglich zukunftsorientiert an den richtigen Stellschrauben zu drehen? Beispiel Fachkräfte: Wer heute noch gesucht wird, ist vielleicht morgen schon überflüssig. Wie gehen Sie da vor?

Dr. Melanie Leonhard: Das ist die Schlüsselfrage: Wie erkenne ich, welche Kompetenzen morgen noch gefragt sind? Zurzeit ist die Hauptaufgabe, das Potenzial an Fachkräften in den Unternehmen – wie haben in Hamburg eine Million Arbeitsverhältnisse – in die Lage zu versetzen, möglichst lange im Job bleiben zu können. Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, sich auch nach einem vielleicht schon längeren Berufsleben noch einmal weiter zu qualifizieren. Dafür müssen wir Angebote schaffen. Und zwar heute schon.

Das vollständige Interview erscheint am 27. September in Business & People – sowohl in der Print-Ausgabe als auch Online und www.business-people-magazin.de