Harburg-Center – Hängepartie 4.0 oder Wendepunkt?

Harburg-CenterUm dieses Haus geht es: Das Harburg-Center im Harburger Ring 6 steht bis auf die Lotto-Annahmestelle seit vielen Jahren weitgehend leer und verfällt zusehends – ein Schandfleck mit zugenagelten Eingängen, kaputten Scheiben und einem völlig desolaten Innenleben. Jetzt ist das Ende besiegelt. Foto: Wolfgang Becker

Diese Schrottimmobilie mitten in der Innenstadt ärgert die Harburger seit mehr als zehn Jahren – Ist die Stadt dafür zum Teil selbst verantwortlich?

Seit Jahren ist der Immobilienmarkt das Ventil für die anhaltende Niedrigzinsphase. Es scheint, als werde auf jeder freien Fläche gebaut. Alte Gebäude weichen neuen, Brachflächen verwandeln sich in Wohnlandschaften. Kurz: Alles ist in Bewegung. Fast alles. Wäre da nicht die wohl berühmteste Stillstandsimmobilie im Bezirk Harburg – das Harburg-Center am Ring. Seit etwa einem Dutzend Jahren passiert hier nichts. Mitten in der Innenstand, noch dazu an exponierter Stelle modert der fünfstöckige Backsteinbau vor sich hin, weil der Besitzer, der ehemalige FDP-Politiker Hans-Dieter Lindberg, bislang alles Machbare unversucht gelassen hat, durch den Verkauf endlich einen Neustart, sprich Abriss und Neubau, herbeizuführen. So war der Stand bis Ende November. Einen Tag vor Redaktionsschluss dann die überraschende Mitteilung: Es ist ein Investor gefunden – Lindberg sei bereit, sich von seinem noch etwa 29 Jahre geltenden Erbbaurecht zu verabschieden und den Weg für einen Neubau freizumachen. Sollte es tatsächlich zum Notartermin und zur Unterschrift kommen, könnten bereits im Februar die Bagger anrollen und die Schrottimmobilie zusammenschieben, so der Harburger Immobilien-Experte Heinrich Wilke, geschäftsführender Gesellschafter der Imentas Immobilienpartner GmbH.

EBV wollte kaufen


Diese Nachricht klingt aus Harburger Sicht ungewohnt gut, denn in der Vergangenheit hatte es zahllose Anläufe gegeben, die regelmäßig daran scheiterten, dass Lindbergs Verhandlungs- und Gesprächspartner entnervt aufgaben. Das bestätigt unter anderem Bezirksamtsleiter Thomas Völsch. Doch die Lex Lindberg, in deren Folge Harburg seit vielen Jahren mit einem Schandfleck in der Stadt lebt, hat noch einen anderen Aspekt.

Parallel zu den Kontakten von Imentas hatte sich im Februar der Eisenbahnbauverein Harburg (EBV) mit der Stadt in Verbindung gesetzt. Vorstandschef Joachim Bode: „Wir interessierten uns für den Kauf des Grundstücks, wollten dort Wohnungen und vielleicht eine Seniorenbegegnungsstätte bauen. Zunächst führten wir Gespräche mit dem Bezirksamt, dann mit Herrn Lindberg, denn der besitzt ja das Erbbaurecht. Wir bauen allerdings nur, wenn wir auch Grundeigentümer sind, also kaufen können.“