Kolumne MahnsMeinung – Eine coronale Wort- und Zeitreise

Foto: TutechIm B&P-Interview: Martin Mahn hat Innovationen stets im Blick. Foto: B&P

Von Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH

Seit Beginn des Jahres gibt es eigentlich nur noch ein Thema. Bisher konnte ich widerstehen. Aber dann hat es mich doch gejuckt. Mal Corona minus Virus googeln. Und so nehme ich Sie heute mit auf eine quasi-etymologische Reise durch nicht-pandemische Welten, in denen sich Corona dennoch tummelt. Als kleinen Ersatz für den Sommerurlaub, der wahrscheinlich auch bei Ihnen coroniert (corona-terminiert) wurde.

Regelhaft haben derartige Bezeichnungen ihren Ursprung im Lateinischen. Corona steht hier für Krone oder Kranz. Die fiesen Coronaviridae haben auch einen, weshalb sie so heißen. Ach und übrigens – sie sind grundsätzlich nicht neu, sondern wurden schon in den 1960er-Jahren entdeckt. Viel, viel älter sind allerdings die Coronae – denn das waren bereits in der Antike als Auszeichnung verliehene Kränze aus Blumen oder Zweigen. Da sei beispielhaft nur an den Lorbeerkranz der römischen Imperatoren, die Corona triumphalis, verwiesen (das heutige SARS-CoV-2 ist leider auch sehr triumphalis). Und wie das so ist, diese große Corona hat auch eine kleine Schwester – die Corolla – ein kleiner Kranz, der gern auch mal vergoldet (inaurata) oder versilbert (inargentata) daherkam. Aber um die geht es ja heute nicht.

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Kurz zurück zur Gegenwart: Nun haben wir ja alle gelernt, dass Isolation vor Infektion schützt. Paradox geradezu, dass Corona im Lateinischen (und damit wieder in der Vergangenheit) aber auch noch eine ganz andere Bedeutung hatte. Als Corona wurde auch eine angesehene Gruppe von Personen, eine Versammlung, oder einfach eine Menschenmenge bezeichnet. Oha: Bist Du in der Corona, kriegst Du Corona. Ich glaub, mich tritt ein Pferd. Übrigens: Wenn es tritt, dann mit seinem Os- coronale – dem Kronbein, einem Knochen des mittleren Zehenabschnittes bei Huftieren. Da bleibt mir glatt der Mund vor Staunen offen stehen. Auch in diesem sitzt Corona – und das bereits seit tausenden von Jahren: Corona – die Zahnkrone, koronal – im Bereich der Zahnkrone gelegen. So manche zahnmedizinische Diagnose ist aber heute doppeldeutig: Ein koronales Leck kann sowohl ein Loch im oberen Zahnbereich als auch in der Mund-Nasen-Maske bedeuten. Bleiben wir in der Medizin. Wie nennt die Anatomie die Frontalebenen der Vorderansicht des Menschen? Natürlich: Coronal-Ebenen. Und die Frontalschnitte in der Radiologie? Koronarschnitte. Aus der tomographischen Untersuchung in dieser Ebene ergeben sich so die koronalen Schichtungen, mit denen der Patient scheibchenweise von vorne nach hinten betrachtet werden kann. Merke: Corona war schon immer mit dem Menschen verbunden.