Deshalb sind neue Gewerbegebiete wichtig!

„Wir müssen unsere Chancen heute nutzen“
WLH-Geschäftsführer Wilfried Seyer appelliert an die Politik, weiterhin Wirtschaftsflächen im Landkreis Harburg auszuweisen.

Foto: Wolfgang Becker

WLH-Geschäftsführer Wilfried Seyer, hier vor dem ISI Zentrum für Gründung, Business und Innovation in Buchholz, arbeitet seit 16 Jahren erfolgreich daran, die Zahl der Arbeitsplätze und Unternehmen im Landkreis Harburg zu erhöhen.

Der alte Streit um die Frage Natur und Tourismus oder Wirtschaftsstandort ist nicht vom Tisch. Noch immer wird die Bereitstellung von Flächen für neue und bestehende Unternehmen im Landkreis Harburg eher restriktiv gehalten. In der Folge können Nachfragen aus der Wirtschaft nicht bedient werden – was Wilfried Seyer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg GmbH, sehr bedauert: „Jeder Mensch weiß, dass ein Arbeitsplatz eine umfangreiche Wertschöpfungskette auslöst, von der insbesondere die Kommune am Standort profitiert. Wir brauchen die politische Bereitschaft, Wirtschaftsflächen auszuweisen, denn sonst bleiben wir hinter unseren Möglichkeiten.“

Das Schreckgespenst vom ausufernden Flächenverbrauch entkräftet der WLH-Chef mit einem überzeugenden Vergleich: „Seit Bestehen der WLH haben wir rund 80 Hektar Gewerbefläche entwickelt und bis heute Platz für 121 Unternehmen geschaffen, in denen etwa 2000 Menschen arbeiten. Das ist gerademal Dreiviertel der Fläche eines einzigen traditionellen Bauernhofes.“ Seyer sieht die Entwicklung auch vor dem Hintergrund zur Nähe Hamburgs: „Wir sind hier immer noch abhängig von der Wirtschaft in der Hansestadt – und halten den Pendlerrekord.“ Sein Wunsch an die Entscheider in den Kommunen: „Wir müssen das Thema strategisch angehen und eine langfristige Flächenplanung für die Region aufsetzen.“

Die derzeitige Situation auf dem Markt gibt ihm Recht: „Wir haben nach wie vor eine sehr gute Ansiedlungsnachfrage. Besonders kritisch ist die Situation bei einem Flächenbedarf ab Hektargröße.“ Diese Flächen sind im Landkreis Harburg heute kaum noch verfügbar. Es sind aber gerade diese größeren Unternehmen, die eine Vielfalt von Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen bieten, eine gute Gewerbesteuererwartung haben und neue Chancen auch für die bestehenden regionalen Firmen als Zulieferer oder Dienstleister  eröffnen.

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Grundsätzlich begrüßt es Seyer, dass die Nachbarn in den Landkreisen Lüneburg, Rotenburg, Stade und im Heidekreis neue Flächen für Wirtschaftsgebiete ausweisen. Es hilft, die Nachfrage zu bedienen und die Unternehmen an den Wirtschaftsraum im Süden Hamburgs zu binden. „Es ist nur schade für den Landkreis Harburg, der häufig die 1A-Wunschlage für die Firmen darstellt, eine hervorragende Infrastruktur vorhält und diese finanziell unterhalten muss“, so Seyer weiter.

Tatsächlich entstehen östlich von Lüneburg neue Flächen. Und nicht nur dort – auch an der A1 bei Elsdorf ist eine große Industriefläche ausgewiesen. Und im Landkreis Stade ist ebenfalls Fläche zu haben – in Ottenbeck bei Stade. Sind das die Ausweichorte, die von Unternehmen genutzt werden, die künftig in Hamburg und im Landkreis Harburg nicht mehr fündig werden?

Die Lage bei den Großflächen ist in der gesamten engeren Metropolregion Hamburg inklusive der Hansestadt  angespannt, Seyer musste schon mehrfach Firmen abweisen. Die internationalen Entwickler vergleichen inzwischen den Hamburger Raum mit den Regionen München und Stuttgart, in denen Großflächen seit langem kaum noch verfügbar sind. Aber auch für kleinere Flächen stehen die Nachbarn des Landkreises Harburg bereit – zum Beispiel rund um Buxtehude.

Vor diesem Hintergrund fordert der WLH-Chef nun eine neue Sicht auf das Thema Landschaft versus Wirtschaft. „Ich finde es einfach bedauerlich, wenn wir interessierten Unternehmen keinen Platz anbieten können und wenn wir dadurch Fertigung verlieren. Es ist von Vorteil, dass Rade/Mienenbüttel einen Logistikstandort bietet, der inzwischen gut funktioniert. Aber für verarbeitendes Gewerbe und Großhandel haben wir eben kaum noch Fläche.“ Und: „Seit 16 Jahren arbeiten wir an dem Paradigmenwechsel. Tourismus, Wohnen und Arbeiten schließen sich nicht gegenseitig aus. Das beste Beispiel dafür sind unsere Gewerbegebiete in Salzhausen und Egestorf mit ihrer gelungenen Einbindung in Natur und Landschaft, nah am Ort.“

Bei den Entwicklungen wird die WLH beraten von der Leuphana Universität (Lüneburg) und der Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Es dauert aber sicherlich eine ganze Generation, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass der idyllische Landkreis Harburg zwischen Elbmarsch und Lüneburger Heide auch ein wichtiger Wirtschaftsstandort in der Metropolregion Hamburg ist. Laut Seyer fehlen im Landkreis Harburg im statistischen Vergleich mit dem Land Niedersachsen rund 24 000 Arbeitsplätze . . .

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Web: www.wlh.eu