Austausch im digitalen Raum

Das Archäologische Museum Hamburg und die neuen Medien.

Dr. Michael Merkel

Von Dr. Michael Merkel, Sammlungsleiter und
IT-Koordinator am AMH in Harburg. Foto: Benjamin Hüllenkremer

Die Möglichkeiten der Präsentation unserer Kultur befinden sich aktuell im Umbruch: Die Veröffentlichung eigener Bestände auf digitalen Plattformen wie Europeana, Deutsche Digitale Bibliothek und auch das Google Cultural Institute sorgen für eine überregionale Streuung und eine gewisse Nachhaltigkeit von Information. Bei der Vermittlung archäologischer Themen gewinnt das „Digital Storytelling“ zunehmend an Bedeutung. Neben klassischen Ausstellungen, gedruckten Publikationen und Internetseiten nutzen viele Museen Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram, aber auch Ausstellungs-Guides, um mit ihrem Publikum einen kontinuierlichen Kontakt und Dialog zu pflegen.Um dem digitalen Wandel gerecht zu werden, wird es für Museen immer wichtiger, die neuen Medien in ihre Marketingstrategie und Online-Kommunikation einzubinden. Die Nutzung von Facebook & Co. findet mittlerweile zum größten Teil über mobile Geräte wie Tablets und Smartphones statt. In der Museumslandschaft werden daher vermehrt Strategien entwickelt, um auch den digitalen Nutzer zu erreichen. Hierbei geht es nicht vorrangig um Werbung, sondern um Austausch und Wissensvermittlung im digitalen Raum.

Mit dem Projekt »Museumswissen on Demand« haben die Kulturbehörde Hamburg und das in Harburg ansässige Archäologische Museum Hamburg (AMH/Helmsmuseum) seit 2012 deshalb die Nutzung von multimedialen und mobilen Technologien in enger Verbindung mit Social Media vorangetrieben. Eines der Ziele des Projekts war es, eine Online-Community aus archäologisch interessierten, kulturaffinen Nutzern und Besuchern aufzubauen, die vor allem durch das AMH in Zusammenarbeit mit der Kulturhafen GbR vorangetrieben wird. Der Schwerpunkt liegt auf den Sozialen Medien, doch auch andere Kanäle wie der Blog des AMH (www.blog.amh.de) werden derzeit erfolgreich betrieben.

Innerhalb der Sozialen Medien hat sich der Podcast als ein weiterer digitaler Kanal in den vergangenen zehn Jahren etablieren können. Daher hat sich das AMH – als erstes archäologisches Museum – zusammen mit der Kulturhafen GbR mit dem Thema beschäftigt und den Hafenradio-Podcast (www.hafenradio.org) ins Leben gerufen. Seit einem Jahr sendet das Hafenradio nun regelmäßig Gespräche und Interviews zu musealen, historischen und archäologischen Themen.

Das AMH ist noch einen Schritt weitergegangen und stellt den Nutzern digitaler Medien die musealen Inhalte des Hauses auch direkt zur Verfügung. Dafür wurden zwei mobile Apps entwickelt, die sowohl im Museum als auch im Stadtgebiet nutzbar sind und sogar zu Hause auf dem Sofa Spaß machen.

Zunächst hat das Museum den „AMH-Guide“ an den Start gebracht. Dieser digitale Guide durch die Ausstellung bietet eine klassische Objektdatenbank inklusive einer Kartendarstellung des zugehörigen Fundortes. Der Benutzer kann Objekte als Favoriten markieren und sich den Objekttext als personalisierten Katalog nach Hause mailen. Darüber hinaus wurde eigens für Kinder ein animiertes Hörbuch produziert. Ein interaktives Spiel vermittelt das Prinzip einer Ausgrabung. Zusätzlich entstand die App „Fundpunkte“, ein City-Guide, der spannende Plätze wie etwa Orte mit Street-art, Parkanlagen und auch archäologische Fundstellen im Stadtgebiet ortsbasiert vorstellt und illustriert.

Der digitale Wandel ist in der Welt der Archäologie und der Museen in vollem Gange und bietet große Chancen, über die klassische Ausstellung hinaus Geschichten und Geschichte digital zu erzählen. Bei aller Begeisterung für die vielfältigen Möglichkeiten, die die neuen Technologien bereithalten, darf allerdings nicht übersehen werden, dass viele Fragen, wie zum Beispiel die Urheber- und Nutzungsrechte von Fotos, noch offen sind.