Der Bewerbungs-Flirt

Corinna Horeis

Corinna Horeis Diplom-
Kauffrau und Personal­beraterin

Bewerben ist wie Flirten. Gemäß des deutschen Duden wird beim Flirten durch ein bestimmtes Verhalten, durch Gesten, Blicke oder Äußerungen Zuneigung bekundet und versucht, eine Beziehung aufzubauen. Im (Be-)Werbungsprozess geht es auch um die aufzubauende Spannung zwischen Unternehmen und Bewerber. Das prickelnde Gefühl, die sprühenden Funken sollen in einem Bewerbungsgespräch genauso erzeugt werden wie bei einem Flirt an der Bar. Flirten ist eine Form der Bewerbung, der Werbung für sich selbst und der Werbung um die Gunst des Anderen.
Warum ist das Flirt-Feeling im Bewerbungsprozess so wichtig? Hierzu ein paar Fakten: Bewerber warten durchschnittlich 30 Tage auf eine Antwort nach Versendung der Bewerbungsunterlagen. 
30 Tage sind eindeutig zu lang, um ein wahres Interesse zu bekunden. Oder würden Sie 30 Tage warten wollen, bis Ihr Flirtpartner eine Antwort auf Ihre Anfrage zu einem Rendezvous zurücksendet? Sollte die erwartete Antwort erst nach 30 Tagen eintreffen, bekäme das nun bekundete Interesse doch einen Anschein von zweiter Wahl. Im besten Fall hätte sich der (Be-)Werber in der Zwischenzeit bereits eine Alternative gesucht.
Bewerber, die nach langem Warten eine Antwort erhalten, können sich wirklich wertgeschätzt fühlen, denn 30 bis 40 Prozent der Bewerber erhalten gar keine Antwort. Das Angebot wurde schlichtweg ignoriert. Selbst wenn der Kandidat nicht interessant für diese Position oder das Unternehmen ist, verdient er eine zeitnahe und ehrliche Rückmeldung. Die Verhaltensweise des Unternehmens beeinflusst maßgeblich das Image auf dem Arbeitsmarkt. Und das liegt zwischen respektlos und fair.
Zurück zu unserem Flirt. Sie als vorbildlicher Arbeitgeber haben Ihr Interesse bezügliches eines Bewerbers unmittelbar kundgetan und den Kandidaten zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Das erste Date. Hierfür haben Sie sich intensiv vorbereitet, ein passendes Outfit gewählt und zeigen sich von der besten Seite. Die Vorzüge des Unternehmens werden herausgestellt, und auf den Bewerber wird aufmerksam eingegangen. Die Persönlichkeit und die Kompetenzen sollen möglichst in Erfahrung gebracht werden. Analog zu einem Flirt soll der Bewerber von der Besonderheit des Unternehmens und dessen Kultur überzeugt werden. Das Buhlen um die Gunst eines Partners findet auch im Bewerbungsprozess statt. Das erste Date soll zeigen, wie sexy der Arbeitgeber ist.
Wir gehen davon aus, dass die Gesprächspartner mit leichtem Herzklopfen, Kribbeln im Bauch und leuchtenden Augen nach dem Gespräch auseinandergehen. Wie setzt sich unser Prozess fort, wenn dieser Kandidat absolut überzeugt hat? Im Flirt-Szenario können es die Partner kaum abwarten, wieder voneinander zu hören. Warum nicht auch im Geschäftsleben? Der attraktive Arbeitergeber teilt dem Bewerber innerhalb eines kurzen Zeitraums – nicht länger als drei bis fünf Tage – sein hohes Interesse für die vertragliche Vereinigung mit, ein eventuelles zweites Gespräch wird vereinbart oder der Vertragsentwurf vorbereitet. Der Spannungsbogen zwischen Unternehmen und potenziellem Arbeitgeber sollte konstant hochgehalten werden, denn nur dann ist der Auswahlprozess für beide Seiten fesselnd, schnell und transparent. Fangen Sie an zu flirten, um Mitarbeiter zu gewinnen.


Fragen an die Autorin? corinna@horeis-consult.de