Business Angels Netzwerk Elbe-Weser: „Wir brauchen mehr Mitglieder!“

Foto: Wolfgang BeckerSie freuen sich über weitere Unterstützer mit Angels-Ambitionen: Karl-Ludwig Willemsen (von links), Wilfried Seyer und Wolfgang Grothmann bilden den Vorstand der Business Angels Netzwerk Elbe-Weser. Foto: Wolfgang Becker

Viele Bewerber, zu wenig Engel: Das Business Angels Netzwerk Elbe-Weser hofft auf Unterstützung weiterer erfahrener Unternehmer mit Investment-Neigung

Einst war Karl-Ludwig Willemsen Vorstandschef der „Nordsee“-Kette und damit Herr über mehr als 400 maritime Schnellrestaurants sowie mehr als 6000 Mitarbeiter, heute interessieren den mittlerweile 75-Jährigen neue Geschäftsideen, mutige Gründer und sich daraus ergebende Investment-Chancen ebenso wie die Möglichkeit, langjährige Erfahrungen und profundes Wissen an die nächste Generation von Unternehmern weiterzugeben. Willemsen ist Business Angel und zweiter Vorsitzender des Business Angels Netzwerk Elbe-Weser – kurz BANEW. Bundesweit ist dieses Netzwerk eines der jüngsten in ganz Deutschland. Zum Vorstand zählen neben Willemsen der Vorsitzende Wilfried Seyer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg GmbH (WLH), und Schatzmeister Wolfgang Grothmann, ehemaliger Topmanager aus dem IT-Bereich eines weltweit aktiven Großkonzerns.

Für das Gespräch mit B&P im Buchholzer ISI-Zentrum für Gründung, Business & Innovation haben die drei Business Angels ihre Vorstandssitzung unterbrochen. Auf dem Tisch liegen Berge von Papier – darunter auch neue Bewerbungen von Jungunternehmern, die sich die Unterstützung und das finanzielle Engagement erfahrender Partner wünschen. Das Netzwerk deckt die Landkreise Harburg, Stade und Rotenburg/Wümme sowie den Heidekreis ab, doch wer eine gute Geschäftsidee hat und in München zu Hause ist, könnte am Ende auch einen Investor vom Schlage Willemsens für sich interessieren.

Der 75-Jährige war früher international für den Unilever-Konzern aktiv, wurde dann im Zuge eines Management-buy-outs zum Vorstandschef der „Nordsee“-Kette und machte sich danach selbstständig – in der Lebensmittelbranche. Seit 15 Jahren unterstützt er ehrenamtlich junge Unternehmen als Wirtschaftssenior. Seit einem Jahr gehört er den Business Angels an – denn die bieten auch die Chance, sich finanziell zu beteiligen: „Der Reiz liegt für mich in der Weitergabe des Wissens an die jüngere Generation. Das ist ein starker Grund, Business Angel zu werden. Ich habe jedoch gelernt: Guter Rat allein ist prima, reicht aber oft nicht aus. Gerade in der Startphase von Unternehmen helfen Banken in der Regel nicht. Da sind Investoren gefordert. Ich bin deshalb auch daran interessiert, als Finanzier aufzutreten.“

Ein Engagement nicht ohne Risiko, wie Willemsen einräumt, aber: „Es geht um High-risk-Investments, die auf drei bis fünf Jahre angelegt sind. Eine vergleichsweise kurze Rücklaufzeit – mit dann hoffentlich guter Rendite.“ Da nicht nur Geld, sondern auch Wissen fließt, sind die Business Angels bis zu einem gewissen Grad mitverantwortlich für den Erfolg. Seyer: „Wir wollen Unternehmen in der Fläche unterstützen, aber unseren Mitgliedern auch Gelegenheit geben, in interessante Ideen zu investieren.“

Typischerweise handelt es sich dabei um Unternehmer, die vor einem nächsten Schritt stehen, aber mangels Geld nicht weitermachen können. So wie der Erfinder eines innovativen Dreirads, der zwar das Interesse der großen Hersteller weckt, zunächst aber mal einen Prototyp bauen muss. Da werden dann schnell 50 000 oder 100 000 Euro fällig. Bis zu 300 000 Euro ist etwa der Rahmen, in dem sich Business Angels finanziell engagieren (einzeln oder zu mehreren).

Seyer: „Als wir uns 2013 auf Gut Appel im Kreis Rotenburg gründeten, hatte ich die Sorge, dass ich zwar schnell Angels finden würde, denen aber eventuell zu wenig Bewerber anzubieten hätte. Doch es ist genau entgegengesetzt gekommen: Wir hatten bislang 33 Bewerbungen auf dem Tisch, sind aber nur 23 Business Angels. Kurz: Uns fehlen noch erfahrene Unternehmer, die sich nach Erreichen des Ruhestands engagieren wollen.“ Willemsen: „Wir brauchen mehr Mitglieder! Dann können mehr Branchenerfahrungen abgedeckt werden, und die Chance für ein Investment vergrößert sich für die Bewerber.“

Drei Matching-Veranstaltungen haben Seyer, Willemsen und Grothmann bisher auf die Beine gestellt und jeweils drei bis vier zuvor ausgewählte Bewerber präsentiert. Seyer: „Bei jeder Veranstaltung kam eine Finanzierung zu Stande – darunter auch für das Unternehmen Adaptronics, das dann allerdings einen anderen Weg einschlug und aufgekauft wurde. Von unserer Seite her hätte die Weiterfinanzierung bestanden.“ Junge Unternehmen, die sich mit einem Kurzprofil bewerben wollen, finden die entsprechenden Unterlagen auf der Homepage. Wer sich ein Bild von der Arbeit der Business Angels machen möchte, darf gern Kontakt zu BANEW aufnehmen. wb

Web: www.banew.de

Kontakt: 0 41 81-02 360, info@banev.de