Durchblick in Flüchtlingsfragen

Fotos: Peter BarberSieben rote und ein blaues Haus sind in der Flüchtlingsunterkunft „Am Radeland“ um einen Kinderspielplatz gruppiert, den Christoph Birkel, Geschäftsführer des hit-Technoparks, gespendet hat. Fotos: Peter Barber

Unterkunft „Am Radeland“ in Harburg:
Bürgermeister Olaf Scholz kommt zur Eröffnung – INNO-Talk Spezial im Februar

Foto: SWR

ZEIT-Journalist Wolfgang Bauer begleitete syrische Familien auf ihrer Flucht und schrieb darüber das Buch „Über das Meer”. Beim hit-Technopark referiert er Anfang des Jahres in einem INNO-Talk Spezial. Foto: SWR

Die Harburger Aktivitäten zur Aufnahme von Flüchtlingen sind beispielhaft. Über die Willkommenskultur wurde in B&P bereits mehrfach berichtet. Ein besonders professionelles Beispiel ist die gemeinnützige Gesellschaft OPEN ARMS in Bostelbek. Dort bereitet sich das Team um Birgit Rajski intensiv auf die Ankunft der ersten Migranten in der Unterkunft „Am Radeland“ vor. Helfer müssen gefunden und geschult, Lotsen ausgebildet und Sprachkurse vorbereitet werden. Peter Barber hat an den Kursen teilgenommen und beschreibt für B&P, was alles bedacht werden muss.

Die letzten Handwerker sind noch am Bohren, Schrauben und Wege pflastern. Letzte Schönheitsarbeiten vor dem Einzug der neuen Bewohner. Die acht zweistöckigen Häuser im Dreieck zwischen Moorburger Bogen, Bostelbeker Damm und Am Radeland – sieben in Schwedenrot, eins in Mittelblau – bilden ein harmonisches Ensemble. Ein Kinderspielplatz im Zentrum und genügend Raum zur freien Entfaltung. In die Häuser „Am Radeland“, eine öffentlich-rechtliche Unterkunft (ÖRU) für Asylbewerber, werden 168 Menschen einziehen, die ihre erste Registrierung in Deutschland in einer Erstaufnahme-Unterkunft hinter sich haben. Offiziell eröffnet wird OPEN ARMS erst am 24. Februar 2016 durch Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz. Dazu gibt es ein INNO-Talk Spezial mit dem preisgekrönten Autor Wolfgang Bauer.

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„Jetzt kommt noch mehr Arbeit auf OPEN ARMS zu“, sagt Birgit Rajski, die seit dem Frühjahr das Projekt der Unternehmerfamilie Birkel in hauptamtlicher Position leitet. Die von Christoph Birkel, Geschäftsführer des hit-Technopark, gegründete gemeinnützige Gesellschaft OPEN ARMS hat es sich zur Aufgabe gemacht, den geflüchteten Menschen „Am Radeland“ in unmittelbarer Nachbarschaft des Technologiezentrums beizustehen und ihnen den Weg in unsere Gesellschaft zu ebnen. Rajski: „Wir möchten eine Willkommenskultur schaffen und verhindern, dass Flüchtlinge und Asylbewerber stigmatisiert werden.“ Während der vergangenen Monate, als die Fertigstellung der Häuser durch Brandschutz- und andere Bauvorschriften verzögert worden war (es wurde bereits im September mit den ersten Flüchtlingen gerechnet), organisierte OPEN ARMS schon für die Zeit nach dem Einzug. Vier Themenbereiche standen und stehen im Mittelpunkt.

Helfer betreuen

Mit einer Auftaktveranstaltung in Kooperation mit den Lokalen Partnerschaften Harburg und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband wurden freiwillige Helfer über die Möglichkeiten einer ehrenamtlichen Mitarbeit unterrichtet. Mehrere Workshops fanden im hit-Technopark bereits statt – zum Asylrecht, zu den Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge sowie zum Engagement und der Angebotsgestaltung von Helfern.

Lotsen ausbilden 

Gerade in den ersten Tagen und Wochen nach der Ankunft der neuen Bewohner in einer Wohnunterkunft werden dringend Menschen gebraucht, die den Neuankömmlingen dabei helfen, sich mit ihrer neuen Umgebung vertraut zu machen: Wo ist die nächste Schule, die nächste Kita, der nächste Supermarkt, der nächste Arzt, die zuständige Behörde? Orientierungshilfe und Begleitung sind für die Bewohner der Unterkunft von großer Bedeutung. Daher sucht OPEN ARMS freiwillige Helfer, die die Aufgabe als Lotsen übernehmen. In der Lotsengruppe der Flüchtlingshilfe Binnenhafen können interessierte Ehrenamtliche hospitieren.

Sprachkurse anbieten

Sofort nach der Unterbringung werden im hit-Technopark unabhängig von den offiziellen Integrationskursen zertifizierte Sprachkurse angeboten, die es den Flüchtlingen ermöglichen, in kurzer Zeit am öffentlichen Leben teilzunehmen, Sie sollen im Januar 2016 starten.

Sprache im Alltag

OPEN ARMS-Partner Sprachbrücke Hamburg e.V. bietet ein Projekt „Sprache im Alltag“ an, das Zuwanderer ermutigen soll, das erlernte Deutsch anzuwenden und zu vertiefen. Dabei geht es nicht um Grammatik und Unterricht, sondern um Freude an der noch ungewohnten Sprache.

Gesucht werden noch Freiwillige, die sich einmal in der Woche für knapp zwei Stunden als Gesprächsleiter engagieren möchten. Unterstützung und auch Versicherungsschutz erhält man von der Sprachbrücke. Die Treffen finden in kleinen Gruppen bis zehn Personen im hit-Technopark statt.