„Das wird allem eine neue Seele geben“

Foto: © Atelier Ralf BauerFoto: © Atelier Ralf Bauer

Gastro- und Hoteldesigner Hubert Sterzinger über den neuen Tempowerk-Look

Als Hamburger Cocktail-König wurde er berühmt, heute ist Hubert Sterzinger einer der erfolgreichsten Gastro- und Hoteldesigner Deutschlands und verantwortlich für den neuen Look von Konferenzzentrum, Restaurant und Hotel im Tempowerk. Im Interview erklärt er, was Design leisten kann, weshalb Farben so wichtig sind und warum er sich für einen Seelenarchitekten hält.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das erste Mal im hit-Technopark waren?

Ich habe gedacht: Das ist alles schon ein bisschen angestaubt hier. Aber es ist enorm, was jetzt passiert mit dem Konferenzzentrum, dem Restaurant und dem Hotel. Das wird allem eine neue Seele geben.

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Konzeption, Planung und Design der neuen Tempowerk-Welt stammen von Ihnen. Wie gehen Sie so ein Projekt an?

Als erstes fragt man nach den Wünschen des Eigentümers: Was hat er vor, was will er ändern? Dann nimmt man die Seele auf. Im Tempowerk ist das eindeutig die Historie. Deshalb war schnell klar, dass wir etwas bauen müssen, das Werkcharakter hat. Und dann muss alles eine emotionale Einheit werden, damit die Leute in eine ganz neue Welt eintreten.

Wie schafft man es, Menschen für etwas gänzlich Neues zu begeistern?

Emotionen sind die Grundlage für alles, was wir tun. Wir kreieren Emotionen, wir sind Seelenarchitekten. Wir wollen, dass die Leute hier herkommen und nur noch sagen: „Ja! Ja! Ja!“ Wenn dann auch noch die Atmosphäre, das Essen und die Getränke gut sind, gewinnen sie die treuesten Kunden überhaupt.

Was kann Design leisten, um diese Ziele zu erreichen?

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Das Wichtigste ist, Alleinstellungsmerkmale zu erarbeiten. Und was Sie tun, muss immer echt und ehrlich sein. Das hat viel mit Tradition und Kultur zu tun. Die Marke Tempo hat Tradition. Die Kultur ist, dass hier mal das Tempowerk war. Wenn man diese beiden Dinge in einem Konzept zusammenbringt, spürt der Kunde das und bewegt sich in einer Wahrheit, die er gerne fühlt.

Ganz einfach gefragt: Warum wird den Menschen das neue Tempowerk gefallen?

Ach, es gibt viele Gründe. Das hat mit der Qualität zu tun, was dort gebaut wird. Das hat mit dem Wort Tempowerk zu tun. Und das hat mit den Farben zu tun. Farben sind Botschaften. Dass nicht nur der Boden grau und die Decke weiß sind, sondern Emotionen geweckt werden.

Farben sind ein gutes Stichwort. Es ist noch gar nicht lange her, da mussten Büros immer weiß sein. Jetzt soll plötzlich alles dunkel sein – und bunt. Woher kommt dieser Sinneswandel?

Das ist kein Sinneswandel. Die Deutschen haben sich einfach nur lange schwer getan mit Farben – und deshalb immer alles weiß gelassen. Aber wenn ich dunkle Decken habe, nehme ich die Höhe weg und biete stattdessen eine freie Emotion, wie hoch der Raum sein könnte. Und ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren, auf die Wände, die Tische, den Boden. Dort finde ich die Farben.

Warum sind Farben so wichtig?

Farben lösen Emotionen aus. Wenn Sie alles nur braun streichen – braune Wände, braune Tische, brauner Boden – bleibt alles emotionslos. Da gehe ich hinein, sehe mich um und sage „Auf Wiedersehen!“: Wenn ich dagegen mit Farben arbeite, erzeuge ich eine ganz andere Wahrnehmung, eine andere Wertigkeit auch. Dieser emotionale Mehrwert macht aus einem Kantinenessen für 3,50 Euro gefühlt ein Menü für 13 Euro. Der Tisch kocht das Essen! Wenn ich an einem weißen Tisch sitze und das Essen auf einem weißen Teller liegt, sieht das aus wie
3,50 Euro. Aber wenn es mir auf schönem Geschirr auf einem ansprechenden Tisch serviert wird, mit toller Farbkomposition, dann erlebe ich eine komplette Emotion. Mit Farben zu arbeiten, ist eine Kunst.

Wie kommen Sie auf diese Gedanken, wo finden Sie Inspiration?

Inspiration gehört zum Prozess. Wir zeichnen, wir machen Skizzen, wir erfinden, wir setzen um. Man muss Visionen haben, Ideen, Gefühle. Dann kommt man in eine freie Kreativität. Das Tempowerk mit einem alten Motor, mit einer Werkbank, das ist Wärme, das ist Wohlfühlen im Werkcharakter – das ist geil. So etwas können Sie nicht lernen.

Und was machen Sie, wenn Sie mal nicht arbeiten?

Dann setze ich mich in eine unserer Gas­tronomien, trinke etwas, esse etwas, freue mich und danke dem lieben Gott, dass ich alles das tun darf.

Zur Person:

Hubert Sterzinger ist einer der bekanntesten Hotel- und Gastronomie-Designer. In den 80er-Jahren wurde er als Hamburger Cocktail-König bekannt, eröffnete Bars wie das Meyer-Lansky’s, Hemingway’s oder Havannah. Heute lebt der Österreicher in Köln – und entwickelt mit seinem Büro Superstudio21 Konzepte für Kunden in ganz Deutschland. In Hamburg war er für die „Astra-Welt“ auf dem Kiez oder Steffen Hensslers „Ahoi“ in der Mönckebergstraße verantwortlich. Aktuell erarbeitet Sterzinger ein neues Konzept für die Vapiano-Kette.