Hamburg im Dauerkrisenmodus

Foto: Christian BittcherDr. Melanie Leonhard ist seit 2015 Senatorin und leitet die Hamburger Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration – alle Fachbereiche sind von der Flüchtlingsthematik betroffen. Im B&P-BusinessTalk erläutert sie die aktuelle Situation. || Foto: Christian Bittcher

Weg der Ukraine-Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt ist weit – Zunächst geht es um Unterkunft, Sprache und Sicherheit.

Das Ende der Corona-Pandemie war gefühlt schon „beschlossene Sache“, doch jetzt gehen die Zahlen auf Achterbahnfahrt und interessieren dennoch nur am Rande. Der Grund: Eine noch schlimmere Krise erschüttert Europa. Der russische Angriffskrieg auf die
Ukraine weckt alte Ängste, beschert täglich neue Bilder von Zerstörung und menschlichem Leid – und hat eine noch heftigere Flüchtlingswelle als 2015 ausgelöst. Bereits gut drei Wochen nach Kriegsbeginn waren allein in Hamburg fast 17 000 ukrainische Flüchtlinge registriert, wie Dr. Melanie
Leonhard, Hamburgs Senatorin für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration, im B&P-BusinessTalk erläutert: „Hamburg hat hier eine wirklich große Aufgabe.“ Wer in Deutschland ankommt, erhält sofort eine Arbeitserlaubnis, was vielfach als willkommene Entlastung des angespannten Arbeitsmarktes kommentiert wurde.

Doch das dürfte etwas dauern. Die Senatorin sagt: „Diese Menschen müssen erst mal ankommen. Viele wollen tatsächlich schnell arbeiten, einfach auch, um dem ständigen Gedankenkarussell zu entkommen. Aber das ist ein Thema auf der langen Linie.“ Zunächst gehe es um Unterkunft, Sprache und Sicherheit. Bis zum Eintritt in den Arbeitsmarkt könne es mehrere Monate dauern. Hinzu komme, dass die meisten Ukrainer auch in ihre Heimat zurückkehren möchten.

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Die Hansestadt steht nun vor der Aufgabe, Unterbringungsmöglichkeiten für die Geflüchteten bereitzustellen. Das stellt sich jetzt schon schwierig dar: „Was ja kaum jemandem bewusst ist: Wir hatten in Hamburg schon vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine etwa 27 000 Menschen in öffentlicher Unterbringung – zum Teil Wohnungslose, aber eben auch viele Flüchtlinge“, sagt die Senatorin. „Wir stehen jetzt vor der Aufgabe, weiteren Raum bereitzustellen. Das heißt, wir suchen nach geeigneten Immobilien, die dann gemietet oder manchmal auch angekauft werden, was in einem Stadtstaat wie Hamburg grundsätzlich schon ein schwieriges Thema ist, denn die Flächen sind begrenzt und die Preise sind hoch.“

Es kommen überwiegend Frauen mit Kindern

Vor dem Hintergrund, dass Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bereits davon ausgeht, dass sich Europa auf bis zu acht Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine einstellen muss, sind die Belastungsgrenzen der Kommunen absehbar. Melanie Leonhard: „Es kommen überwiegend Frauen mit Kindern. Das heißt, wir müssen Plätze in Schulen und Kitas bereitstellen. Und was auch nicht so im öffentlichen Fokus ist: Es sind viele Ältere, Pflegebedürftige, Menschen mit teils erheblichem medizinischen Behandlungsbedarf und auch solche mit Behinderungen. Für die suchen wir besondere Unterbringungsmöglichkeiten.“