So sorgt ein Buxtehuder Unternehmen für Standfestigkeit in der Hamburger Hafencity

Im Juli 2020 stand das neue KFP-Führungsteam: Damals erhielten Anne Helmet und Marco Gießing (Mitte) Prokura und bildeten gemeinsam mit den Geschäftsführern Timo Kersten (von links) und Mario Dieckheuer die neue Geschäftsleitung. Mitglieder des sechsköpfigen Führungsteams sind außerdem die Büroleiterin in Braunschweig, Christine Fehsenfeld, sowie Ingmar Haberecht-Bobsin (rechts), der Anfang 2022 ebenfalls Prokura erhielt. Foto: B&P

Geschäftsführer Mario Dieckheuer erläutert die Firmenphilosophie und den Weg vom Statikbüro zum planerischen Allround-Dienstleister auf dem Bau.

Ein Name zieht sich durch die vergangenen 50 Jahre: Hans-Albert Kusserow. Er gründete 1972 gemeinsam mit Partner Hans-Joachim Heinbockel das „Ingenieurbüro für Baustatik“ in Buxtehude – die Urzelle von KFP Ingenieure. Kusserow hat die operative Leitung zwar längst abgegeben, stehe dem Unternehmen aber gern beratend zur Verfügung, wie Mario Dieckheuer bestätigt. Er führt heute die Geschäfte mit seinem Kollegen Timo Kersten. KFP gehört seit 2019 zu den Berner Kraftwerken (BKW), einem ehemals reinen Energieversorger aus der Schweiz, der vorausschauend sein Portfolio erweitert und das Ziel ausgegeben hat, der größte Ingenieurdienstleister in der sogenannten DACH-Region (Deutschland, Austria, Schweiz) zu werden. KFP tut alles, um dieses Ziel zu unterstützen. Mario Dieckheuer: „Als ich 2012 einstieg, waren wir etwa 45 Kollegen, heute hat KFP 117 Mitarbeiter – Tendenz steigend. Allein 2021 haben wir 15 neue Mitarbeiter einstellen können.“

Expansion im Zeitalter des Fachkräftemangels und der Pandemie? Diese Zahlen dürften in der Baubranche insgesamt mit Neid, zumindest aber Bewunderung zur Kenntnis genommen werden. Dieckheuer führt die erfolgreiche Mitarbeiter-Akquise auf das nach wie vor familiäre Klima im Unternehmen zurück: „Der Team-Gedanke wird bei uns großgeschrieben, das ist uns sehr wichtig.“

Mit Tragwerkplanung fing alles an

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Das Kerngeschäft von KFP lag lange Zeit im Bereich der Tragwerkplanung. Bis heute liegt hier der Schwerpunkt. Dieckheuer: „Wir waren als Tragwerkplaner an fast zwei Dutzend Gebäuden in der Hamburger Hafencity beteiligt.“ Im selben Maße wie die Hamburger Hafencity wächst, ist auch KFP immer größer geworden – eine auffällige Parallele. Die aber schon alles sagt: Wenn komplexe Gebäudestrukturen statisch berechnet werden müssen, ist KFP ein gefragter Ansprechpartner. Doch was im Großen gilt, nützt auch im Kleinen, wie Dieckheuer erläutert: „Gerade in Hamburg sind die Flächen für neue Gebäude begrenzt. Deshalb wird seit Jahren nachverdichtet. Das heißt: Auf Bestandsgebäude werden weitere Stockwerke aufgestockt – wenn denn die vorhandene Bausubstanz tragfähig genug ist.“ Wenn nicht, muss nachgerüstet werden. Wie stark, das ergibt sich aus den Berechnungen der KFP-Ingenieure.

Brandschutz, Schallschutz, Bauphysik

Wenn es um den baulichen Zustand von Brücken oder Hallen geht, ist die KFP-Expertise ebenfalls gefragt. Vor dem Hintergrund des Bau- und Ausbau-Booms der vergangenen Jahre wundert es nicht, dass das Büro stark gewachsen ist. Allerdings liegt das auch an einer Ausdehnung der Geschäftsfelder. Während Hans-Albert Kusserow das Unternehmen als Statik-Büro aufbaute (das ist der alte Begriff für Tragwerkplanung) und es ab 2007 mit dem Eintritt von Jan-Peter Frenzel als Gesellschafter in Kusserow Frenzel und Partner (KFP) umbenannte, sind mittlerweile weitere Geschäftsbereiche hinzugekommen, die einen direkten Zusammenhang mit der Konstruktion tragender Teile in Gebäuden aller Art haben: der Brandschutz, der Schallschutz und die Bauphysik. Letztere steht für Fragen des Wärmeschutzes. Mario Dieckheuer: „Diese Arbeitsbereiche wachsen ebenfalls.“

Die KFP Ingenieure GmbH versteht sich bis heute als Dienstleister in der Metropolregion Hamburg, ist aber durchaus auch bundesweit unterwegs. Mittlerweile gibt es außer der Zentrale in Buxtehude, die zurzeit durch einen Neubau erweitert wird, Niederlassungen in Hamburg (20 Mitarbeiter), Braunschweig (fünf) und Eckernförde (demnächst vier). Der Großteil der Aufträge betrifft zwar Neubauvorhaben, doch der Anteil der Arbeiten für Bestandsgebäude wächst. Dieckheuer: „Ein typischer Auftrag: Ein Mehrfamilienhaus soll von drei auf fünf Etagen aufgestockt werden.“ Die KFP-Ingenieure schreiben Statikkonzepte, Wärmeschutzkonzepte und Brandschutzkonzepte. Egal, ob es sich um ein ganz normales Zinshaus handelt oder aber um ein spektakuläres Objekt wie das Hochhaus im Wasser.

Miniaturwunderland, Zeise-Studios und das Stader Gasometer

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Und noch ein Vorzeigeobjekt benennt Dieckheuer: „Das Miniaturwunderland in der Hamburger Speicherstadt hat mittlerweile einen Brückenschlag auf die andere Seite des angrenzenden Fleets vollzogen. Die neuen Erweiterungsflächen haben wir untersucht und das Brandschutzkonzept geliefert. Dazu zählt auch das Rettungswege-Konzept. Ebenfalls im Einsatz waren die Ingenieure beim Umbau der Zeise-Studios in Altona. Dort wurde aus einem Kino ein Bürokomplex mit einem lichtdurchfluteten Zeltdach gebaut. Tragwerkplanung und Brandschutz made by KFP. Und nicht zuletzt sind auch heimatnahe Objekte berechnet worden. Ein herausragendes Projekt war der Umbau des Gasometers in Stade. Hier hat HBI exklusive Wohnungen gebaut, die quasi in der bestehenden Gitterfassade des Gasometers realisiert wurden – ein ganz spezieller Auftrag für Tragwerkplaner.

Wie sich die Baubranche künftig weiterentwickelt, ist auch für Mario Dieckheuer eine Formel mit vielen Unbekannten. Er sagt: „Die Marktsituation ist schwer einzuschätzen. Das Geld wird teurer. Grundstücke, Material und Bauleistungen – alles zieht an. Mittlerweile registrieren wir, dass Bauherren ihre Vorhaben nur noch bis zum Bauantragsstadium vorantreiben und dann erstmal auf Eis legen.“ Das Gute: Einen Teil der erforderlichen Leistungen hat KFP dann bereits erbracht, aber: „In der Leistungsstufe fünf geht es um die Ausführungsplanung, also um jedes Detail am Bau. Das ist ebenfalls unser Job. Und in der Leistungsstufe acht steht die Objektüberwachung an, also die fachspezifische Bauleitung beispielsweise beim Brandschutz oder beim Wärmeschutz. Deshalb sind wir natürlich daran interessiert, dass nicht nur geplant, sondern auch weiterhin gebaut wird.“ wb

>> Web: https://www.kfp-ingenieure.de/