Stabwechsel am Elbcampus in Harburg: Bärbel Wenckstern übernimmt die Leitung des Bildungsbetriebes von Heinrich A. Rabeling

Nach 18 Jahre an der Spitze des Geschäftsbereichs Bildung der Handwerkskammer Hamburg hat Heinrich A. Rabeling die Leitung jetzt an seine bisherige Stellvertreterin Bärbel Wenckstern übergeben. Foto: Wolfgang Becker

Man muss kein Handwerker sein, um im Handwerk etwas zu bewegen. Das beste Beispiel für diese These liefern Heinrich A. Rabeling, Gründungsgeschäftsführer des Elbcampus in Harburg, sowie seine Stellvertreterin und mittlerweile Nachfolgerin, Bärbel Wenckstern, mit ihren Lebensläufen. Zum 1. Juni hat die 51-jährige Hamburgerin die Leitung des Geschäftsbereichs 4 der Hamburger Handwerkskammer, wie es genau heißt, übernommen. Damit endet für den Bildungsbetrieb des Handwerks, der sich hinter der 4 verbirgt, eine Ära. Rabeling (63) hat die Amtsgeschäfte bereits übergeben, ist Ende Mai verabschiedet worden und genießt nun seinen Ruhestand. 18 Jahre lang war er der Bildungsverantwortliche der Hamburger Handwerkskammer.

Heinrich A. Rabeling ist eigentlich Diplom-Geograph – ein Studium, das er aus reiner Freude am Thema absolvierte, wie er sagt. „Anschließend habe ich bei Cargill als Trainee den Getreidehandel gelernt, war später acht Jahre lang im Bergbau tätig und handelte für eine Hamburger Holding mit Graphit. Es folgte eine Vertriebstätigkeit bei der schwedischen Firma AGA Gas, die unter anderem Acetylen herstellte. Kurz: Wer Getreide, Graphit und Acetylen verkaufen kann, der kann auch Bildung verkaufen.“

Den Mehrwert herausarbeiten

„Bildung“, so sagt Rabeling, in seiner Freizeit ein begeisterter Tubist, „Bildung ist zunächst einmal ein Rohstoff. Im Elbcampus denken wir immer darüber nach, wie wir echten Mehrwert für das Handwerk, also die Mitglieder der Kammer, schaffen können. Es ist im Handwerk wie im Handel: Das Massengeschäft ist die Grundlast, den Erfolg erzielt man aber mit den besonders wertvollen Produkten. Damit überlebt ein Unternehmen. Auch unser Bildungsauftrag lautet: den besonderen Mehrwert herausarbeiten.“ Was das ist? Zum Beispiel die Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung. Rabeling: „Das ist die Oberklasse.“

Die Verantwortung für diesen Auftrag hat nun Bärbel Wenckstern übernommen. Sie sagt: „Das Thema Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Wir müssen auf die aktuelle Situation reagieren und dazu beitragen, die Fachqualifikation im Handwerk zu stärken. Heute ist ‚Meisterbetrieb‘ ein Gütesiegel.“ Die Poppenbüttlerin ist Pädagogin mit einem Schwerpunkt in Betriebspsychologie und erst seit Mai 2015 bei der Handwerkskammer angestellt. Als junge Frau leitete sie für einen Dienstleister der Sozialbehörde ESF-Projekte mit Jugendlichen, wechselte später zu einem ausgegründeten Trainingsunternehmen der Philips GmbH und weiter in eine Unternehmensberatung. Als Beraterin baute sie dort für namhafte Unternehmen interne Weiterbildungsbereiche auf.

Konzepte für das Handwerk

Ursprünglich sollte Bärbel Wenckstern für die Kammer das Themenfeld Unternehmenskontakte bearbeiten, doch nach einem internen Findungsprozess der Handwerkskammer wurde daraus eine Vision für den Elbcampus und für die Hamburgerin eine Option auf die Leitung des Bildungsbetriebes. Zu den Aufgaben von Heinrich A. Rabeling zählte unter anderem, aus der „Gewerbeförderungsanstalt“ in Altona, deren Leitung er übernommen hatte, etwas Neues zu machen. An einem neuen Ort. Fündig wurde die Kammer in Harburg – dort war Rabeling stark engagiert bei der Planung und Realisation des Elbcampus.

Bärbel Wenckstern hat nun die Aufgabe, das mittlerweile zehn Jahre alte Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg in die Zukunft zu führen. Das bedeutet unter anderem auch die Stärkung des Firmenkundengeschäfts (Qualifizierung in den Betrieben), den Aufbau einer exklusiven Management-Akademie für Führungskräfte und die Entwicklung von neuen „Produkten“, also marktgerechten Konzepten für Qualifizierungsangebote. Dazu kann die Handwerkskammer sogar eigene Bildungsabschlüsse definieren und anbieten, beispielsweise die themengebundene Fachkraft (Hwk). Bärbel Wenckstern: „Wir fragen, was die Unternehmen heute brauchen. Und daraus machen wir etwas.“ So wurden beispielsweise spezielle Fortbildungsgänge für Filialleiter einer Bäckerei-Kette entwickelt, in deren Rahmen die Teilnehmer im Bereich Führung und Organisation geschult wurden. Oder: Eine Tochter der Hamburger Hochbahn orderte Qualifikationskurse für die klassischen Mechaniker, die zunehmend mit dem Thema E-Mobilität konfrontiert werden. „Das wollen wir ausbauen“, kündigt die neue Bildungschefin der Handwerkskammer an.

Von Wolfgang Becker