Die Digitalisierung stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen und vieles auf den Kopf

Die Digitalisierung führt seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten dazu, dass sich Wirtschaftsprozesse und damit auch Unternehmen verändern. Hotelbuchungen, Reisen, Einkäufe, Preisvergleiche, Mediennutzung – vieles wird wie selbstverständlich online und damit digital erledigt. Ganze Branchen stecken in einem grundlegenden Wandel. Und wenn Hamburg das VW-Mobilitätskonzept MOIA shuttle on demand testen will, fahren hunderte Taxis im weißen Protestzug durch die City. Berechtigter Protest in einer sich verändernden Welt? Oder letzte Zuckungen einer nun „plötzlich“ auch von Disruption heimgesuchten Branche?

Was vor aller Augen sichtbar geschieht, passiert in vielfältiger Weise in fast allen Unternehmen. Mehr oder weniger sind alle von der Digitalisierung betroffen – und nicht selten überfordert. Seit gefühlt etwa zwei Jahren nimmt das Thema rasant an Fahrt auf, so die Wahrnehmung in der B&P-Redaktion. Die Vorträge, Kongresse und Konferenzen mit digitalem Schwerpunkt häufen sich. Internet der Dinge, Industrie 4.0, Big Data – doch was bedeutet das konkret für eine Sparkasse, für einen produzierenden Betrieb, für ein Handwerksunternehmen, für einen Einzelhändler?

Unter dem Schlagwort „digital Konkret“ fasst B&P künftig alle Themen zusammen, die mit der Digitalisierung zu tun haben. Ziel ist es, in jeder Ausgabe ein digitales Themen-Netzwerk zu veröffentlichen. Nicht gebündelt auf zusammenhängenden Seiten, sondern verteilt durch die gesamte Ausgabe. Damit wird deutlich, dass Digitalisierung nicht ein allgemeingültiges, greifbares Thema ist, sondern ein individueller Prozess, dem sich früher oder später jedes Unternehmen stellen muss, wenn es überleben will.

Beispiel MOIA: So wird die Taxi-Branche ausgebremst

Am Beispiel Mobilität wird besonders deutlich, wie Altvertrautes unter Zugzwang gerät: Die klassischen Taxi-Unternehmen gerieten erstmals in Panik, als der US-Anbieter Uber mit einer App auf den Markt kam. In Deutschland missglückte der Start, aber dennoch führen App-gesteuerte Dienste zu fundamentalen Veränderungen auf dem Markt für Personenbeförderung mit Pkw. Die Politik betont zwar gebetsmühlenartig das Konzept der mobilen Gesellschaft, tut sich jedoch schwer, dem Markt freien Lauf zu lassen. Was angesichts von Berichten über die Selbstversklavung von Uber-Fahrern in anderen Ländern vielleicht sogar nachvollziehbar ist. Die Uber-Attacke war noch halbherzig abgewehrt worden. Gegen VW, hier im Doppelpack mit der Hamburger Hochbahn AG, dürfte es schwierig werden, alte Taxi-Strukturen nachhaltig zu sichern. Die Hansestadt will zunächst testweise 500 autonome Elektro-Minibusse zulassen – Start könnte sogar noch in diesem Jahr sein. Wenn eine stinknormale Taxi-Tour von Hamburg-Altona nach Buchholz oder Buxtehude mit rund 80 Euro zu Buche schlägt, dann wird schnell deutlich, dass hier auch andere Konzepte vorstellbar sind. Kurz: Sobald sich eine Branche häuslich in ihren gewachsenen Umsatzstrukturen eingerichtet hat, kann es schnell ungemütlich werden, weil die Konkurrenz möglicherweise auch rechts überholt. Die disruptive Wucht der Digitalisierung wird dabei nicht selten unterschätzt, was dazu führen kann: Eben noch dick im Geschäft, plötzlich weg vom Fenster.

Mit der Themenkennzeichnung „digital Konkret“ möchte B&P dazu beitragen, das Bewusstsein für die aktuelle Revolution zu schärfen, und Impulse geben, die auch für
Digital-Verweigerer geeignet sind, sich einem noch diffusen Thema zu nähern.

Von Wolfgang Becker