Neuer Auftritt mit der Vesta Familie

Die russische Automarke Lada im Aufwärtstrend – Design-Offensive lässt aufhorchen

Dieter Trzaska ist bereits seit den 1960er-Jahren für Lada tätig und seit 1999 Geschäftsführer der Lada Automobile GmbH in Buxtehude.

Dieter Trzaska ist bereits seit den 1960er-Jahren für Lada tätig und seit 1999 Geschäftsführer der Lada Automobile GmbH in Buxtehude.

Als der Harburger Ingenieur und Tennisspieler Erwin B. (Name geändert) in den 80er-Jahren im Club seinen Neuwagen präsentierte, fiel zunächst mal sein Doppelpartner fast vom Hocker: B. hatte sich einen schneeweißen Lada gekauft, eine irgendwie viereckige russische Herausforderung mit Kurbel und Bordwerkzeug, die sich nun auf dem Parkplatz brav zwischen Mercedes, BMW & Co. einreihte. Für B. war das so etwas wie ein renitenter Akt und ein 8000-Mark-Statement gegen die vorzeigefreudigen Clubkollegen. Während die robusten Fahrzeuge des Herstellers AvtoVAZ in Russland bis heute einen Marktanteil von 22 bis 25 Prozent haben, ging Lada Europa Ende der 90er-Jahre in die Knie und musste Insolvenz anmelden. Doch auch am Markt erweist sich der Lada als robustes Vehikel: Mit der neuen Vesta-Familie ist im vorigen Jahr eine Modellreihe herausgebracht worden, die dank des Einsatzes von Steve Mattin, Designer aus England und ehemals für Mercedes und Volvo tätig, zumindest optisch richtig was hermacht. Dieter Trzaska, seit 1999 Geschäftsführer der in Buxtehude ansässigen Lada Automobile GmbH, verzeichnet als Importeur für Deutschland und Österreich eine steigende Nachfrage und kündigt weitere Neuerscheinungen an.

Wenn Trzaska auf die Darstellungen von Konzeptstudien weiterer Vesta-Modelle schaut, die an der Wand im Besprechungsraum hängen, kommt Optimismus auf: „Diese Autos können auf dem deutschen Markt Wirkung zeigen. Ich halte es durchaus für realistisch, dass wir in Europa 10 000 Vesta-Modelle verkaufen können.“ Allerdings hänge das entscheidend vom Engagement des Herstellers ab, der beispielsweise weitere Motorvarianten und Finanzierungsmodelle anbieten sollte. Darauf hat der deutsche Importeur jedoch keinen Einfluss. Dass AvtoVAZ darüber hinaus in einer Allianz mit Renault und Nissan gebunden ist, macht es nicht unbedingt einfacher,

als eigenständige Marke zu agieren.

Trzaska und seine Mitarbeiter importieren die Lada-Modelle aus dem Herkunftsland über Riga nach Buxtehude und verteilen sie von dort weiter an das Händlernetz. 2017 wurden nach eigener Aussage etwa 3400 bis 3500 Fahrzeuge verkauft – rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Trzaska: „In diesem Jahr wollen wir um weitere 20 Prozent wachsen und die 4000er-Grenze überschreiten. Damit sind wir immer noch ein Nischenprodukt.“ Innerhalb der Allianz könnten solche Zahlen allerdings für Unruhe sorgen, da das Erstarken eines Partners das Gefüge durcheinanderbringt und Marktverschiebungen die Folge wären. Der 72-Jährige ist sich auch bewusst, dass die derzeitige politische Situation für den Import russischer Autos nicht gerade von Vorteil ist: „Ich habe schon manchmal den Eindruck, dass wir kritisch angeschaut werden. Importbeschränkungen haben wir nicht, wohl aber eine kleine Lada-Fangemeinde.“

Drehscheibe Buxtehude

In Hamburg arbeitet die Lada Automobil GmbH mit der Bremer Lagerhaus Genossenschaft BLG zusammen, die die aus Russland kommenden Fahrzeuge auf der Kattwyk-Halbinsel im Hafen durch die BLG AutoTerminal Hamburg GmbH & Co. KG für die Weiterverteilung vorbereitet: Waschen, putzen und ein Technik-Check stehen auf dem Programm.

Selbst mit den neuen Vesta-Modellen bleibt Lada in den unteren Preiskategorien, wäre also eine Alternative für Käufer der rumänischen Marke Dacia, die zum Allianz-Partner Renault gehört. Mit Preisen zwischen 14 000 (Kombi) und 16 000 Euro (Cross) kosten die bislang verfügbaren Vesta-Modelle allerdings immer noch deutlich mehr als ein Dacia. Trzaska sagt dennoch: „Wir sind aus dem Preiswert-Segment noch nicht verschwunden. Und mit den neuen Vesta-Modellen haben wir einen echten Eyecatcher im Sortiment.“ Das nächste Mitglied der Vesta-Familie erwartet er noch in diesem Jahr. Angeboten werden die Lada-Vesta-Varianten mit einem 1,6-Liter-Benzin-Motor. Alle Lada-Modelle können auf Autogas umgerüstet werden. Für etwa 2000 Euro Aufpreis gibt es eine Vollausstattung.

Web: http://lada.de/