Darum ist der „Holzweg“ zukunftsweisend

Torsten Rieckmann, Geschäftsführer der Senectus GmbH, möchte seine Aktivitäten insbesondere im Hamburger Süden ausweiten.

P&P-PORTRÄT: Torsten Rieckmann, Senectus GmbH, über den Bau von Pflegeeinrichtungen, die Standortfrage und den Erfolg mit „WOODIE“

Der Name ist Programm: Die Senectus GmbH ist ein Projektentwickler, der sich als Bauträger vorzugsweise um den Bau von Seniorenwohnungen, Pflegeeinrichtungen und Häusern für betreutes Wohnen kümmert. „Senectus bedeutet hohes Alter“, erläutert Geschäftsführer und Mitbegründer Torsten Rieckmann. Doch manchmal kommt es auch anders – wie beispielsweise das in Wilhelmsburg realisierte und Anfang des Jahres in Cannes mit dem MIPIM-Award ausgezeichnete Studentenwohnheim „WOODIE“ zeigt, übrigens eine von mehreren Auszeichnungen. Damit wurden die Hamburger Entwickler Primus developments und Senectus für einen Neubau in Holzbauweise belohnt. Rieckmann: „Der ‚WOODIE‘ ist ein Exkurs in Holz, ein siebengeschossiges Hybridgebäude – eigentlich eine Ausnahme unter unseren Projekten.“

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Rieckmann war von 2006 bis 2015 Geschäftsführer und Gesellschafter bei der Kervita-Gruppe. In dieser Zeit wurde 2008 Senectus als Tochterunternehmen gegründet. 2015 stellte sich Rieckmann mit der Gesellschaft auf eigene Beine. Heute beschäftigt er sechs Mitarbeiter und hat sich im Channel-Tower am Rande des Harburger Binnenhafens eingerichtet. „Ich bin von Haus aus Banker, habe viele Jahre bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude Privatkunden beraten. 2006 wechselte ich in die Immobilienbranche und baute für Kervita insgesamt 16 Pflegeheime in Norddeutschland – unter anderem in Meckelfeld und Egestorf sowie im Zuge der IBA in Wilhelmsburg“, blickt Rieckmann zurück. „Ich bin hier im Süden zu Hause, aber komischerweise sind unsere Projekte ganz woanders.“

Zum Beispiel in Kaltenkirchen: Dort baut Senectus eine stationäre Pflegeeinrichtung im Stadtzentrum. Im November soll der Bau fertig sein, dann stehen 120 Plätze zur Verfügung. Das Investment in Höhe von
15 Millionen Euro verantwortet Rieckmann: „Wir haben das Projekt entwickelt und bauen es auch.“

Zum Beispiel in Pinneberg: Dort soll im Zuge der Nachverdichtung das alte Postgebäude umgenutzt werden – ein Neubau mit 35 Wohnungen soll entstehen. Investment: 13 Millionen Euro.

Zum Beispiel in Nienstedten: Am Christian-August-Weg werden fünf Wohneinheiten und vier Reihenhäuser auf einem 3100 Quadratmeter großen Grundstück gebaut. Investment: neun Millionen Euro.

Zum Beispiel in Wellingsbüttel: Dort sind derzeit 21 Zwei- und Drei-Zimmer- Wohnungen im Bau, die zu Preisen von
332 000 bis 606 000 Euro verkauft werden – ein Projekt, das Senectus gemeinsam mit den Immobilienexperten der Hamburger Volksbank umsetzt. Investment: neun Millionen Euro. Infos: www.wellingsbuettel34.de

Zum Beispiel in Stade: Dort soll 2020 am Hinterdeich der Neubau eines Pflegeheims mit 120 Plätzen starten. Die Bauvoranfrage ist eingereicht. Investment: 14 Millionen Euro.

„Wir handeln auf eigenes Risiko“

Torsten Rieckmann: „Senectus konzentriert sich bei allen Bauvorhaben auf die Projektsteuerung. Wir handeln aber ausschließlich auf eigenes Risiko.“ Wenn er die zurückliegenden elf Jahre betrachtet, sagt er: „Vor zehn Jahren haben wir händeringend Finanzierungen und Investoren gesucht. Dann kam die Niedrigzinsphase, und alles wurde anders: Heute suchen wir Grundstücke und Bauleistungen . . .“

Zu Kervita-Zeiten lagen die Bauaktivitäten eher vor der Haustür. Rieckmann. „Im Landkreis Harburg haben wir durchaus Spuren hinterlassen. Da würden wir gerne anknüpfen. Auch der Harburger Binnenhafen ist ein Superquartier.“ Gelungen ist die Umsetzung von standortnahen Aktivitäten unter Regie von Senectus auf der Elbinsel. Mit
„WOODIE“ landete der Harburger Projektentwickler gemeinsam mit Primus einen ungewöhnlichen Volltreffer, denn Holzbauweise ist auf Hamburger Stadtgebiet noch immer ein Thema, das schwierig ist. Rieckmann: „Wir haben damals versucht, ein Süderelbe-Projekt umzusetzen. Daraus wurde dann ein Studentenheim gebaut aus 371 Holzmodulen.“ Insbesondere vor dem Hintergrund der Klimadebatte haben die Projektentwickler neue Maßstäbe gesetzt.

Für „WOODIE“ wurde zwar im Erdgeschoss und in den drei Treppenhäusern Beton verbaut, aber im Wesentlichen besteht das Studentenwohnheim aus Holz – es wächst theoretisch nach. Aus 2500 Setzlingen kann nach 40 Jahren so viel Holz gewonnen werden, dass daraus ebenfalls 13 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen könnten. Eine Pioniertat made by Senectus und Primus. Unterstützung erhielten die Bauherren übrigens von dem international renommierten Klimafolgenforscher Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber (Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung), der betont: „Wie wir bauen entscheidet über die Zukunft unseres Planeten. Das Bauen mit Holz ist dabei das einzig Richtige!“ wb

Web: www.senectus-gmbh.de