Nicht nur für den Flugzeugbau – CFK-Technologie im weltweiten Kontext

Eröffnungszeremonie für das CFK Valley Korea: Johanna Klee, duale Studentin an der PFH Stade, Dr. Gunnar Merz von CFK Valley Stade sowie die Herren Yo-chin Nam, Bürgermeister der Stadt Gumi, und Dr. Müller von der Germany Trade & Invest (GTAI), einer Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing mit Sitz in Berlin. Foto: CFK Valley StadeEröffnungszeremonie für das CFK Valley Korea: Johanna Klee, duale Studentin an der PFH Stade, Dr. Gunnar Merz von CFK Valley Stade sowie die Herren Yo-chin Nam, Bürgermeister der Stadt Gumi, und Dr. Müller von der Germany Trade & Invest (GTAI), einer Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing mit Sitz in Berlin. Foto: CFK Valley Stade

Dr. Gunnar Merz, CFK Valley Stade e.V., über Globalisierung, Regionalität, Diversifizierung und die Bündelung der nationalen Kräfte

Im weltumspannenden Netzwerk der Betriebe und Akteure, die sich mit kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, kurz CFK, befassen, spielt der Standort Stade eine immer stärkere Rolle. Wie Dr. Gunnar Merz, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender des CFK Valley Stade e.V., sagt, sind auf Initiative des Vereins Fusionsgespräche mit dem deutlich größeren Carbon Composites e.V. (CCeV) in Augsburg gestartet worden. Merz: „Es geht um die Bündelung der nationalen Kräfte ebenso wie um die Einbindung der regionalen Unternehmen, die von der CFK-Technologie profitieren können.“ Die deutschen Aktivitäten sind wiederum im globalen Kontext zu sehen, denn die vergleichsweise teure Technologie des Leichtbaus auf CFK-Basis ist schon lange kein nationales Thema mehr. Ebenso wie die großen Konzerne müssen sich auch die Technologietreiber weltweit vernetzen und gemeinsam Synergien heben – ein nicht immer ganz einfaches Unterfangen.

Der Verein CFK Valley Stade hat derzeit 125 Mitglieder, darunter im Windschatten von Airbus viele Unternehmen mit Nähe zum Flugzeugbau. Hintergrund: In Stade fertigt Airbus Seitenleitwerke aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Der Augsburger Verein hat etwa 300 Mitglieder und eine technologische Nähe zur Automobilindustrie, die sich allerdings zunehmend schwerer mit CFK-Konzepten tut. Namhafte Hersteller sind aus den Programmen bereits ausgestiegen, was zur Insolvenz der TTT The Team Composite AG führte. Dem Vernehmen nach lag bereits eine mündliche Zusage für ein Projekt vor, als plötzlich alles auf Null gestellt wurde. Heute gehört TTT zum Wohnmobilbauer Hymer.

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Wachstum in Asien

Das Beispiel zeigt, wie fragil das CFK-Thema sein kann. Dank Airbus ist die Situation in Stade dennoch stabil. Der Stader Verein hat mittlerweile Außenstellen in Korea und China gegründet, arbeitet dort mit namhaften Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen. Merz: „Und wir haben bereits eine erste Vorbereitungsreise nach Indien hinter uns, um dort CFK Valley Delhi zu gründen.“ Auf der Weltkarte sind die Staaten rot markiert, in denen Mitglieder des Stader CFK-Vereins zu Hause sind. Merz: „Wir haben weltweit Mitglieder, jetzt sogar erstmals in Afrika – ein Unternehmen in Ägypten. Großes Wachstum verzeichnen wir aber vor allem im asiatischen Raum.“

Die weltweite Vernetzung ist ein Thema, die Diversifizierung ein weiteres, denn wenn sich CFK als Werkstoff der Zukunft durchsetzen will, kann dies nicht nur in Verbindung mit dem Flugzeugbau betrachtet werden. Laut Merz ist mit dem Fahrradhersteller Derby Cycle ein Unternehmen aus Cloppenburg vertreten, das hochwertige Fahrräder mit Carbon-Rahmen fertigt. Der CFK Valley e. V. ist darüber hinaus mit Landmaschinenherstellern wie Claas im Gespräch. Merz: „Hier wird die Gewichtsreduzierung zum Gebot der Stunde. Die immer schwereren Maschinen haben Probleme mit der Tragfähigkeit der Böden. CFK kann hier Entscheidendes leisten. Wir haben bereits Workshops mit Unternehmen dieser Branche veranstaltet.“ Auch die TTT-Aktivitäten unter dem Hymer-Dach zählt Merz zum Thema Diversifizierung.

Regionale Aspekte

Das Thema CFK hat aber auch regionale Aspekte. So hat der Verein gemeinsam mit der Süderelbe AG und weiteren Partnern das „Kompetenzzentrum Neue Materialien und Produktion“ an den Start gebracht (siehe Info-Kasten). Hintergrund: Über diese Schiene sollen verstärkt die kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region angesprochen werden. Merz: „Da geht es vor allem um alle Unternehmen, die mit schweren Teilen arbeiten. Wir haben die Technologie, diese schweren Teile leichter und dadurch die Maschinen schneller zu machen.“ Das wiederum könne für Maschinenbauer interessant sein. Um die neuen Aktivitäten umzusetzen, rüstet der Verein personell auf. Mit Dr. Bastian Brenken kommt ein Absolvent der Technischen Universität Braunschweig ins Team, der in den USA promoviert hat und nun in den Bereich Technik einsteigen soll. Auch der Bereich Marketing soll personell besetzt werden. Merz und seinem Team ist es zudem gelungen, einen Vier-Millionen-Euro-Etat für die Internationalisierung des Netzwerks mit Schwerpunkt Japan zu aktivieren, zur Hälfte bereitgestellt aus Fördermitteln des Bundesforschungsministeriums. In Japan besteht bereits eine Kooperation mit drei CFK-Zentren.

Web: http://cfk-valley.com/de/