Neubau des Schulauer Hafens in Wedel – Bauplanung mit Tidekalender

Luftbild während der Bauphase am Schulauer Hafen in WedelLuftbild während der Bauphase am Schulauer Hafen in Wedel: Gut zu erkennen sind die fast komplett in den Boden gerüttelte Kreiszelle, der über Spundwände hergestellte Anschluss an die ehemalige Hafenmole sowie die Arbeitsplattform und der Seilbagger mit dem Hochfrequenz-Vibrator, der die einzelnen Flachprofile in den Elbgrund rüttelt.

Thorsten Saefkow, Prokurist bei HC Hagemann, über einen besonderen Einsatz: Den Neubau des Schulauer Hafens in Wedel.

So ein Auftrag ist selbst für ein Bauunternehmen mit großer Erfahrung im Wasserbau etwas Besonders: In Wedel wurde im Oktober der neue Schulauer Hafen eingeweiht – gebaut von HC Hagemann. Thorsten Saefkow, Technischer Leiter und Prokurist, sagt: „Ein ganz neuer Hafen, das kommt wirklich selten vor.“ Unter seiner Verantwortung setzte das Bauunternehmen erstmals ein Verfahren ein, das in Deutschland ganz selten angewendet wird: Mitten in die Hafeneinfahrt wurde eine Kreiszelle gerammt.

Dass die Elbe nicht nur Wasser, sondern auch jede Menge Schlick transportiert, ist allgemein bekannt und sorgt auch im Hamburger Hafen immer wieder für Probleme. In Wedel war das nicht anders. Das alte Hafenbecken musste regelmäßig vom Schlick befreit werden. Die Aufgabe: Der Hafen sollte um 70 Meter verkürzt, um 30 Meter verbreitert und mit einer engeren Einfahrt versehen werden – in der Hoffnung, dadurch den Schlickeintrag zu reduzieren. Auftragsvolumen für die Arge mit der Firma Eggers Umwelttechnik aus Tangstedt: 15 Millionen Euro.

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Orkan Xaver im Anmarsch

Thorsten Saefkow: „Der konstruktive Teil des Auftrags lag bei uns. Dabei ging es einerseits um die technischen Lösungen, aber auch um die Arbeitsabläufe, denn der Hafen liegt außerhalb der Hochwasserschutzanlagen und ist zudem mit 3,30 Meter über NN recht tief. Das heißt: Bei jedem drohenden Hochwasser mussten wir unser Gerät in Sicherheit bringen. Wir haben nach dem Tidekalender gearbeitet.“

Thorsten Saefkow

Diplom-Ingenieur Thorsten Saefkow (54) ist Tech­nischer Leiter im Ingenieurbau und Prokurist bei HC Hagemann. Seit 25 Jahren ist er im Unternehmen.

Mitten in der Bauphase wurde Norddeutschland Anfang Dezember 2013 beispielsweise vom Orkan „Xaver“ heimgesucht – mit einem Hochwasserpegel von sechs Metern über NN. Mit einem besonderen technischen Verfahren lösten die HCH-Ingenieure das Problem der Bauwerkserweiterung zur Verengung der Einfahrt in den Sportboothafen. Saefkow: „Wir konstruierten ein Rammgerüst mit 15 Metern Durchmesser, das auf vier Pfählen mitten in der Elbe fixiert wurde. Es diente als Führung, um die einzelnen 50 Zentimeter breiten und elf Meter langen Flachprofile, die jeweils mit einem Schloss verbunden sind, metertief in den Boden zu rütteln. Dieses Verfahren wir in Europa eher sehr selten angewendet.“

Kreiszelle à la HCH

Am Ende stand mitten in der Hafeneinfahrt eine gigantische „Blechdose“, gebaut aus einzelnen Stahltafeln. Diese Kreiszelle wird stabil, wenn sie mit Sand gefüllt ist. Zu guter Letzt wurde sie mit einer angeschrägten schweren Betonplatte verschlossen (Steilschüttung). Heu-te steht auf dem Betondeckel die Hafenbefeuerung. Über Spundwände wurde die ehemalige Spitze mit dem neuen Bauwerk verbunden, sodass der Schulauer Hafen nun durch eine begehbare Quermole eine völlig neue Einfahrt hat, die nur noch 15 Meter breit ist.

Die zweite große Herausforderung bestand für die Ingenieure darin, das neu geschnittene Hafenbecken mit einer umlaufenden Verkleidung aus Stahlbetonfertigteilen auszustatten. Dazu wurden in einem Werk für Betonfertigteile mehrere Hundert Einzelstücke aus hochwertigem Weißbeton gegossen und nach Wedel geliefert. Saefkow: „Diese Bauteile wiegen an die 20 Tonnen und müssen mit dem Kran passgenau auf die Unterkonstruktion gesetzt werden. Wir mussten dazu extra ein spezielles Hebegeschirr konstruieren.“ Kurz: Die Ufereinfassung aus Stahlbetonbauteilen ist ein großes Puzzle, denn das Hafenbecken hat kaum gerade Linien. Die Werkplanung für jedes einzelne Bauteil lieferte HC Hagemann. Saefkow: „Allein die Logistik ist ein Thema für sich, denn die Teile müssen in der korrekten Reihenfolge angeliefert werden.“

Vorteil: Das HCH-Großgerät

Aufträge dieser Art sind auch für erfahrene Wasserbauer eine Herausforderung. Insgesamt wurden 180 Tonnen Stahlpfähle gerammt, 2000 Kubikmeter Sichtbeton und 150 Tonnen Stahlbeton eingebaut, 460 Tonnen Spundwände gesetzt und 1700 Kubikmeter Ortbeton hergestellt. Der große Vorteil von HCH: „Wir haben diese Arbeiten alle mit eigenem Gerät erledigt. Betonarbeiten, Rammarbeiten, Stahlbau, Verlegearbeiten – alles wurde in Eigenleistung erstellt. Den Bagger haben wir mit dem eigenen Landungsboot nach Wedel transportiert und von der Wasserseite aus zum Einsatz gebracht. Für solche Arbeiten ist Großgerät nötig, aber gerade diese Maschinen haben zwangsläufig auch viel Stillstand. Da ist es natürlich ein großer Vorteil, wenn es einen eigenen Gerätepark gibt.“

HC Hagemann ist vielfältig aufgestellt: Wasserbau, Brückenbau, Tunnelbau, Hochbauten aller Art – die Bandbreite ist immens. Im Hamburger Süden stehen im kommenden Jahr zwei besondere Aufträge mit Süd-Bezug an: die Gründung der neuen Kattwyk-Brücke und die unter Denkmalschutzaspekten aufwendige Sanierung der Klappbrücke (gebaut 1933/34) über den Östlichen Bahnhofskanal am Veritaskai. Der Kanal be-kommt eine feststehende Bücke, die alte Optik der un-gewöhnlichen Klappkonstruk-tion bleibt aber erhalten. wb