Alarm: So werden Gebäude gegen unerwünschten Besuch gesichert – Expertengespräch bei Henning Elektrotechnik

Sie erläutern die Möglichkeiten der Sicherheitstechnik: Thorsten Rebenstorf, Technischer Leiter, und Vertriebsleiter Michael Wrobel vor einer Schauinstallation bei Henning Elektrotechnik in Sinstorf.

Am besten, man baut ohne Türen und Fenster – das ist relativ sicher.“ Thorsten Rebenstorf, Technischer Leiter und Prokurist bei Henning Elektrotechnik in Sinstorf, beurteilt das Thema Sicherheit ganz nüchtern und mit einem ordentlichen Schuss Humor. Auch er weiß: 100-prozentige Sicherheit gegen Einbrecher gibt es nicht, aber vielleicht 90 Prozent und mehr. Wie die zu schaffen sind, darüber sprach B&P mit Thorsten Rebenstorf und Michael Wrobel, Leiter Vertrieb und ebenfalls Prokurist. Beide haben einen hervorragenden Blick für das Machbare – und das ist technisch betrachtet eine ganze Menge. Wer sich für Sicherheitstechnik im Haus interessiert, kann hier allerlei lernen.

Grundsätzlich gibt es drei Systeme, die separat für sich funktionieren, im Idealfall aber zu einem System zusammengeführt werden: Videoüberwachung, Zutrittskontrolle und die klassische Einbruchmeldeanlage. Rebenstorf: „Der Kunde kann diese drei Säulen unabhängig voneinander montieren lassen oder aber auch ein vernetztes System bestellen – was einige Vorteile mit sich bringt.“

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Do it yourself ist 
kompliziert
Von der „Do-it-yourself-Alarmanlage” bis zum zentral gesteuerten Sicherheitssystem im Smart Home – die Bandbreite ist groß. Wrobel: „Natürlich kann man sich bei uns die Komponenten bestellen und selbst montieren. Für technisch Begabte ist das auch kein großes Problem; kompliziert kann es erst werden, wenn bei der Inbetriebnahme Fehler auftreten.“ Wer so eine Lösung dennoch vorzieht, muss mit rund 1000 Euro Materialkosten rechnen. Soll es professionell werden, muss der Fachmann ran. Henning Elektrotechnik konfiguriert die Anlagen nach den Vorstellungen des Kunden.

Rebenstorf: „Am Anfang steht immer die Frage: Was will der Kunde erreichen?“

Eine kurze technische Übersicht: Einbruchmeldeanlagen können per Kabel oder per Funk betrieben werden. Funklösungen eignen sich eher für Bestandsbauten, haben aber den Nachteil, dass die Technik nach zehn Jahren meistens ausgetauscht werden sollte. Nachhaltiger ist der Kabelbetrieb – ein Thema für Neubauten oder Komlettsanierungen, denn nachträgliche Verkabelungen in bestehenden Häusern sind in der Regel sehr aufwendig und entsprechend teuer. Miteinander verbunden werden Sensoren wie Bewegungsmelder, Magnetkontakte an Fenster und Türen sowie Glasbruchmelder, eventuell Kameras, die Steuerung und natürlich die Alarm-Komponenten: die berühmte Blitzleuchte oder eine Sirene. Dass im Alarmfall auch eine Meldung auf dem Handy erfolgen kann oder eine Schaltung zu einem Wachdienst, ist ebenfalls denkbar.

Finger weg vom Rollladen!
Rebenstorf: „Im intelligenten Haus mit zentraler Steuerung kann im Alarmfall beispielsweise die volle Beleuchtung angeschaltet werden – das mögen Einbrecher nicht. Das Verschließen von Türen und das Herunterfahren von Rollläden ist dagegen untersagt, denn das wäre Freiheitsberaubung. So komisch das auch klingen mag, aber der Hausbewohner hätte dann juristisch schlechte Karten. Im Übrigen rät die Kripo allein schon aus Sicherheitsgründen: Schaffen Sie Möglichkeiten, dass der Einbrecher das Haus verlassen kann. Schützen Sie damit Ihr eigenes Leben“
Videoanlagen können sowohl innen als auch außen angebracht werden und auf Wunsch per App über das Handy aus der Ferne gesteuert werden – ein Thema für Gewerbetreibende, die so ihren Betrieb überwachen und im Ernstfall sofort die Polizei alarmieren können. Ein Rekorder zeichnet die Bilder auf. Wrobel: „Sicherheit hat in der Bedürfnispyramide einen hohen Stellenwert. Wir merken: Der Markt zieht an, die Nachfrage nach Sicherheitstechnik steigt.“ Um hier dem Kunden noch mehr Service bieten zu können, ist die Firma Henning auf der Suche nach einem weiteren Betriebsstandort im Großbereich Harburg oder dem angrenzenden Umland.

Mit Vorsicht sind dagegen WLAN-gesteuerte Kameras zu genießen, sagen die Experten. Vor allem im Haus. Wer technisch versiert ist, könnte sich relativ schnell in das WLAN-Netz des Nachbarn einschleichen. Solche Einfallstore nutzen auch professionelle Einbrecher. Wer nicht gehackt werden will, setzt auf Draht. Diesen Rat gibt Rebenstorf seinen Kunden. Dass die Technik auch witzige Aspekte hat, mag überraschen: „Es gibt Anlagen, die schalten im Alarmfall auf täuschend echtes Hundegebell um.“ Und für das Smart Home werden lernfähige Systeme angeboten, die sich den individuellen Beleuchtungsrhythmus im Haus merken und eine Anwesenheitssimulation fahren, wenn die Bewohner nicht zu Hause sind.

Perfekt ist die Kombination
Derlei Steuerungsfunktionen lassen sich perfekt mit den Sicherheitskomponenten im Bereich der Zugangskontrolle koppeln: Fingerprint-Leser, Augenscan, Kartenleser, Tastatur-Schlösser, elektronische Schlüssel. Letztere lassen sich so programmieren, dass der Besitzer beispielsweise nur zu bestimmten Zeiten ins Haus kann – perfekt für Unternehmen oder auch für die Reinigungskraft, die zweimal die Woche abends ins Haus muss. Wrobel: „Manche Systeme haben Schwächen – beispielsweise lässt sich Fingerprint von Profis überlisten. Perfekt ist immer die Kombi zweier Systeme wie elektronischer Schlüssel und Augenscan. Das ist sicher.“
Das Thema kann Technikfans im Smart Home so richtig auf Touren bringen: Der Schlüssel meldet, dass die Ehefrau nach Hause kommt und der Rechner schaltet automatisch das Licht im Flur und in den oberen Räumen an, weil er weiß, dass sie dort immer zuerst hingeht. Wird der Hausherr erkannt, geht das Licht in der Küche an und der Kühlschrank öffnet sich – so beginnen ideale Feierabende, bei denen es auch fast egal wäre, wenn das Haus tatsächlich keine Fenster hätte . . . wb

www.henning-elektrotechnik.eu