„Was mit Medien“ will jeder – wie wäre es mal mit Gebäudereiniger

Gebaeudereiniger

Lars Blunck (Gallas) über die angespannte Ausbildungssituation in einem krisensicheren Handwerk.

Lars Blunck

Sucht junge Leute, die den Beruf des Gebäudereinigers erlernen wollen: Lars Blunck, Geschäftsführer der Gallas Gebäudeservice GmbH & Co. KG in Meckelfeld. Foto: Wolfgang Becker

Krisensicher, ein Beruf mit vielfältigen Aufstiegschancen, abwechslungsreich und trotzdem kein Interesse bei jungen Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen? Lars Blunck, Bezirksmeister des Gebäudereinigerhandwerks in Harburg und Geschäftsführer der Gallas Gebäudeservice GmbH & Co.KG in Meckelfeld, sieht für die dramatische Ausbildungssituation unter anderem das schlechte Image und mangelnde Information. Er sagt: „Die Ausbildung zum Gebäudereiniger ist das Einstiegsfenster in eine Wachstumsbranche. Und wir brauchen uns mit unseren Löhnen für gelernte Kräfte wirklich nicht zu verstecken.“ Trotzdem hatte er im vorigen Jahr nur eine Bewerbung auf dem Tisch: „Von einem 25-Jährigen mit einem grottenschlechten Zeugnis und bereits zwei gescheiterten Ausbildungsversuchen – das hatte keinen Zweck.“ Die Folge: Nach fast 50 Jahren bildet Gallas nicht mehr aus und wird auch in den kommenden Jahren pausieren – es sei denn, es gelingt, wenigsten drei bis vier Auszubildende zu finden.

Es ist gerademal gut 15 Jahre her, da standen die deutschen Unternehmen massiv unter Druck. Lars Blunck: „Die Politik drohte damit, eine Ausbildungsabgabe einzuführen, und all jene zur Kasse zu bitten, die die an der Mitarbeiterzahl orientierten Ausbildungsquote nicht genügten.“ Das Gebäudereinigungsunternehmen mit teilweise sehr hohen Mitarbeiterzahlen wäre dabei schlecht weggekommen. Blunck: „Allein wir hätten 45 Lehrlinge einstellen müssen – wo sollten die eigentlich herkommen?“

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www.ausbildungsplatz.de

Der findige Unternehmer, von Haus aus Ingenieur, hatte damals die Idee, über das noch junge Internet endlich die länder- und innungsübergreifende Vernetzung der Ausbildungsplatzangebote zu realisieren. Der Klassiker unter den Domains für Websites hat den Namen www.ausbildungsplatz.de und gehört Lars Blunck, der die Topadresse allerdings seit Jahren an den Bundesinnungsverband verliehen hat. Die Idee: Unternehmen stellen für kleines Geld ihre Angebote auf die Seite, die potenziellen Auszubildenden recherchieren kostenlos. Immerhin trug diese Initiative dazu bei, dass die Ausbildungsabgabe am Ende nicht kam.

Heute haben sich die Vorzeichen ins Gegenteil verkehrt. Mittlerweile suchen viele Unternehmen händeringend nach Auszubildenden, um dem sich abzeichnenden Nachwuchs-Notstand zu begegnen. Blunck: „In Mecklenburg-Vorpommern haben 2012 zwölf Bewerber die Ausbildung zum Gebäudereiniger begonnen – davon erhielten am Ende fünf den Gesellenbrief. Eine dramatische Situation.“ Wolfgang Molitor, Geschäftsführer der Gebäudedienstleister-Landesinnung Nordost, bestätigt: „2015 nahmen ebenfalls zwölf Jugendliche die Ausbildung auf, von denen derzeit noch neun dabei sind.“ Hamburg zählt ebenfalls zur Landesinnung Nordost. Dort sieht es noch etwas besser aus: „2015 haben 45 Azubis angefangen, darunter sieben Flüchtlinge im Rahmen des Projekts ‚Flüchtlinge in Ausbildung im Handwerk“, das die Handwerkskammer Hamburg mit der Hansestadt initiiert hat. Die Flüchtlinge sind noch allesamt an Bord.“ Zu den 45 HH-Azubis zählen übrigens auch die Bewerber aus den Landkreisen Stade, Harburg und Lüneburg, für die es keine gesonderten Zahlen gibt.

Karrierechance garantiert

Lars Blunck will es jetzt noch einmal versuchen: „Wir suchen ganz aktiv für August. Wenn wir drei bis vier Lehrlinge finden, geht es weiter.“ Und er wirbt für den Beruf: „Oft haben wir ältere Bewerber, die sozusagen den letzten Versuch starten, um noch einen Abschluss zu bekommen. Die denken, Gebäudereiniger kann jeder. Doch das ist eben nicht so. Wer den Beruf lernt, der hat mit Chemie zu tun. Die Einsatzgebiete sind vielfältig und variieren. Nicht selten hat man einen Blick auf die Stadt, den kein anderer hat, weil die Einsatzorte so ungewöhnlich sein können. Es besteht Kundenkontakt. Und: Wer will, der kann sich fortbilden und Karriere machen. Ob Desinfektor oder Meister und Objektleiter. Ganz schnell wächst die Verantwortung – und natürlich auch das Gehalt. Ein Objektleiter hat 50 bis 100 Reinigungskräfte im Blick – in 30 bis 40 verschiedenen Objekten. Er ist Ansprechpartner unserer Kunden und erstellt auch Angebote.“ Lars Blunck hat für seine Azubis noch einen besonderen Anreiz geschaffen: Er finanziert den Führerschein vor und erlässt den Rest bei bestandener Gesellenprüfung. wb

Kontakt: 0 40/769 16 2-0