Wildpark Lüneburger Heide baut Baumwipfelpfad – Haspa stellt Finanzierungsprogramm auf die Beine

Gemeinsame Sache für ein „Leuchtturm-Projekt“: Haspa-Kundenbetreuer Jan Woyczechowski (links) hat das Finanzierungskonzept für Norbert und Alexander Tietz entwickelt. Die Darstellung im Hintergrund zeigt eine Grafik des Baumwipfelpfades und des Aussichtsturms. In der Mitte ist eine etwa 150 Quadratmeter große Aussichtsplattform, die auch für Rollstuhlfahrer gut zu erreichen ist. Von dort aus geht es mit einem Fahrstuhl oder zu Fuß auf fast 39 Meter Höhe. Foto: Wolfgang Becker

Die Idee ist schon ein paar Jahre alt: Der Landkreis Harburg wollte bereits vor einigen Jahren als touristische Attraktion einen Baumwipfelpfad einrichten, den Norbert Tietz und sein Sohn Alexander, Inhaber des Wildparks Lüneburger Heide, betreiben sollten. Nachdem die Pläne immer wieder ins Stocken geraten waren, kam Norbert Tietz auf die entscheidende Frage: „Warum machen wir das nicht einfach selbst?“ Gemeinsam mit der Haspa wurde nun ein Finanzierungskonzept für das Gesamtinvestment von 6,5-Millionen-Euro entwickelt, dass dank einer 50-Prozent-Förderung auf das reine Investment Aussicht auf einen wirtschaftlich rentablen Betrieb bietet. Die ersten Vorbereitungsarbeiten sind bereits erledigt – Nindorf bekommt einen etwa 700 Meter langen Baumwipfelpfad, der auf 20 Meter Höhe an einem insgesamt 39 Meter hohen Aussichts­turm am Rande des Wildparks andockt. Bei gutem Wetter kann der schwindelfreie Besucher von Nindorf bis nach Hamburg schauen.

Wer den Wildpark in Nindorf kennt, der weiß um die ausgeprägte Topographie, die die Eiszeit hier hinterlassen hat und die dem Allgäuer Tietz damals wohl als geeignetes, fast heimatliches Areal zur Gründung seines Parks erschien. Jetzt macht er sich die hügelige Moränenlandschaft zunutze: „Der Turm steht auf einem der höchsten Punkte. Das heißt: Wer oben auf der Aussichtsplattform steht, schaut in die Tiefe. Der Unterschied macht fast 60 Höhenmeter aus. Das wird beeindruckend.“

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Mehr als 120 000 Besucher

Die weite Sicht ist das eine, der Bildungsauftrag das andere: Der Baumwipfelpfad nimmt das Themenfeld Wald/Heide/Luft auf. An verschiedenen Stationen erfahren die Besucher mehr über die Landschaft, die Fauna und die Flora. Alexander Tietz: „Wer sich das alles ansieht, wird etwa ein bis eineinhalb Stunden unterwegs sein. Dieser Pfad wird einen Aufklärungsbeitrag zum Thema Umwelt und Natur leisten.“ Er ist sicher: Der Baumwipfelpfad, der immerhin bis auf 39 Meter Höhe ansteigt, wird auch in touristischer Hinsicht ein Leuchtturm. Die Familie Tietz rechnet mit etwa 120 000 bis
140 000 Besuchern pro Jahr. Zum Vergleich: Den Wildpark besuchen rund 320 000 Menschen pro Jahr – viele werden sich das Höhen­erlebnis nicht entgehen lassen.

Klar ist: Der Baumwipfelpfad ist nicht Teil des Wildparks. Für das Projekt wurde eigens eine neue Gesellschaft gegründet. Zusätzlich zu Pfad und Turm wurde eine kleine Gastronomie eingerichtet, für Besucher stehen 350 Pkw-Stellplätze bereit. Gefördert wird das ungewöhnliche Vorhaben vom Land Niedersachsen über die Umweltrichtlinie „Landschaftswerte“, da der Standort in der Naturparkregion Lüneburger Heide liegt. Haspa-Firmenkundenbetreuer Jan Woyczechowski: „Der Baumwipfelpfad ist eines der größten niedersächsischen Förderprojekte im Umweltbereich. 2,1 Millionen Euro Zuwendung steuert das Land Niedersachsen bei.“ Und: „Bei einem Gesamtvolumen von 6,5 Millionen Euro lässt sich leicht ausrechnen, dass sich eine klassische Fremdfinanzierung über ein reines Hausbankdarlehen auf Grund der zu zahlenden Zinsen nicht rechnet. Aber bei diesem Vorhaben spielen so viele positive Faktoren eine Rolle. Wir als Haspa haben geschaut, wie der beste Weg für die Herren Tietz aussehen könnte und haben ein günstiges ERP-Gründerdarlehen der KfW-Mittelstandsbank beschafft. Das heißt konkret: eine Zinssubvention bei einer Laufzeit von zehn Jahren.“

Günstiger Zins durch KfW-Mittelstandsbank

Der Kundenbetreuer weist darauf hin, dass die KfW rund 400 verschiedene Programme beinhaltet: „Es gibt im Grunde kaum eine Maßnahme, die sich nicht über öffentliche Förderkredite finanzieren ließe. Aber manche Programme werden eben nur selten in Anspruch genommen, weil diese Möglichkeiten gar nicht so bekannt sind. Manche Banken beraten gar nicht in diese Richtung – vermutlich, weil die Thematik sehr komplex ist. Eine Hausbankfinanzierung ist da einfacher.“ Die Haspa tritt bei der Finanzierung des Baumwipfelpfades als Risikoträger auf und refinanziert sich über die KfW-Mittelstandsbank. Jan Woyczechowski: „Das ist ein gewisser Aufwand, aber der ist zu bewältigen.“

Die neue Natur und Umwelteinrichtung im Landkreis Harburg soll zum Jahresbeginn in die konkrete Bauphase eintreten. Norbert und Alexander Tietz gehen davon aus, dass sich das Investment binnen 15 Jahren amortisiert. „Wir schreiben jedes Jahr gute schwarze Zahlen mit dem Wildpark“, sagt der Senior und ist sich sicher: „Auch der Turm wird sich rechnen.“ Die Besucher dürfen sich schon mal auf atemberaubende Aussichten freuen, denn der Pfad in die Baumkronen wird zum Teil an Tiergehegen vorbeiführen und ungewöhnliche Perspektiven auf Schneeleoparden, Tiger, Wölfe und Luchse bieten. Und nur zur Klarstellung: Es handelt sich nicht um einen Hochseilgarten, sondern um einen festen Weg. Norbert Tietz: „Bei uns wird niemand angebunden . . .“ wb

Web: www.haspa.de; www.wild-park.de