Wilhelmsburger Reichsstraße: Nach dem Bau ist vor dem Bau

Visualisierungen: IBA Hamburg

Eröffnung der neuen Wilhelmsburger Reichsstraße Anfang Oktober – Freies Feld für die Stadtentwicklung – IBA Hamburg plant 5400 neue Wohnungen

Der „erste Spatenstich“ liegt bereits sechs Jahre zurück, doch nun ist die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße an die Bahnstrasse nach Osten so gut wie abgeschlossen. Am 2. Oktober wird die neue Straße offiziell eingeweiht, der Verkehr soll dann ab 7. Oktober fließen. Fast 300 Millionen Euro kostet der Neubau der 4,6 Kilometer langen, vierspurigen Hauptpendlerstrecke, ein Projekt, das unter der IBA-Hamburg-Flagge begann und von der Deges umgesetzt wurde. Für Wilhelmsburg eröffnen sich durch die Verlegung ganz neue städtebauliche Perspektiven – ein Fall für die IBA Hamburg, die umgehend mit dem Rückbau des knapp vier Kilometer langen Damms der alten Strecke beginnen wird, um Platz für neue Stadtquartiere mit rund 5400 Wohnungen zu schaffen.

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Durch den Rückbau entstehen die dringend benötigten Flächen für moderne Quartiere mit bezahlbaren Wohnungen für alle Bevölkerungsgruppen sowie zusätzlichen Bildungs-, Sport- und Freizeitangeboten. Im Zentrum der Elbinsel entwickelt die IBA Hamburg einen urbanen, lebendigen Stadtkern, der vom Spreehafen im Norden bis zum Wilhelmsburger Inselpark führt. Das Finale der aufwendigen Reichsstraßenverlegung wird damit zugleich zum Startschuss für die weitere Stadtentwicklung, denn nach dem Rückbau der alten Trasse ist dazu der Platz vorhanden. Fast noch wichtiger: Die Trennung der Elbinsel durch eine der meist befahrenen Pendlerstrecken Hamburgs ist absehbar Geschichte.

Wohnungen im Drittelmix

Insgesamt werden in den vier neuen Quartieren in den nächsten Jahren rund 5400 Wohnungen im Hamburger Drittelmix (gefördert, frei finanziert, Eigentum) entstehen. In unterschiedlich großen Baufeldern sollen vielfältige Strukturen von modernen Mehrfamilienhäusern bis hin zu Town Houses oder Vorhaben für Baugemeinschaften realisiert werden. Damit schafft die IBA Hamburg ein großes Maß an Diversität in der architektonischen Umsetzung und Wohnungsangebote für alle Zielgruppen, Einkommensschichten und Altersgruppen.

Im nördlichen Teil des Elbinselquartiers, am zukünftigen Quartierspark mit Zugang zum Aßmannkanal, entsteht ein Schul- und Bildungscampus mit Turnhalle und zusätzlichen Angeboten für den Gemeinbedarf. Auf gleicher Höhe am Jaffe-Davids-Kanal ist eine repräsentative Baufläche für eine oder mehrere Baugemeinschaften vorgesehen. Mehrere neue Brücken für Fußgänger und Radfahrer sorgen für eine enge Verzahnung mit den benachbarten Quartieren. Über den gesamten Planungs- und Entwicklungsprozess nimmt die IBA Hamburg besondere Rücksicht auf die bestehenden Strukturen der Elbinsel. Das internationale, kreative und lebendige Flair mit vielen lokalen Gastronomie- und Gewerbebetrieben, Kleingarten- und Sport- vereinen soll erhalten und gestärkt werden. Entsprechend konnten sich die Elbinsulaner ebenso wie Vereine und Betriebe schon früh an den Planungen beteiligen und eigene Anregungen mit auf den Weg geben.

Die Bauarbeiten beginnen im nächsten Jahr mit dem Teil-Rückbau der alten Reichsstraße. Der Rückbau beginnt im südlichen Teil, wodurch zunächst die Trennung des Wilhelmsburger Inselparks aufgehoben wird. Zugleich entsteht hier am Südwestrand des Parks auf rund 13 Hektar im Dreieck zwischen Georg-Wilhelm-Straße und Kornweide das Potenzial für das avisierte Inselparkquartier mit rund 650 weiteren Wohneinheiten und zusätzlichen Gewerbeflächen. Nach der Aufstellung des Bebauungsplans durch den Bezirk Hamburg-Mitte können die ersten Gebäude in den drei großen neuen Quartieren voraussichtlich ab 2022 gebaut werden. Nach aktuellem Stand ist eine Entwicklungszeit von mindestens zehn Jahren erforderlich.

Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor Hamburg: „Die künftige Entwicklung des Gebietes im Bereich der alten Wilhelmsburger Reichsstraße ist eine große Chance für Wilhelmsburg, hier kann der Stadtteil ganz neu zusammenwachsen und es können lebendige und gemischte Quartiere entstehen. Die Barriere verschwindet und macht Platz für ein neues Kapitel Stadtplanung in Wilhelmsburg.“

Ein optimaler Kompromiss

Karen Pein, Geschäftsführerin der IBA Hamburg: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört. Viele Wilhelmsburger Bürgerinnen und Bürger wünschen sich langfristig bezahlbaren Wohnraum auf der Elbinsel und gleichzeitig, dass der grüne Charakter erhalten bleibt. Mit dem neuen Stadtkern vom Inselpark bis hoch an den Spreehafen schaffen wir einen optimalen Kompromiss: zeitgemäße, bezahlbare Wohnungen sowie weitere soziale Einrichtungen, Sport- und Bildungsangebote und gleichzeitig eine umfangreiche Aufwertung der fantastischen Wasserlagen an den idyllischen Kanälen und Wettern.“ Die jeweiligen städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbe für die drei großen Quartiere sind abgeschlossen. In allen Verfahren spielte eine frühe und transparente öffentliche Beteiligung eine zentrale Rolle: So wurden verschiedene Formate der Bürgerbeteiligung eingesetzt (Gläserne Werkstatt, Online-Beteiligung, Bürgervotum), sodass Ideen und Anregungen der lokalen Bevölkerung gleich zu Beginn in die jeweiligen Planungsprozesse eingeflossen sind. sl/wb

Web: https://www.iba-hamburg.de/de/

Drei große neue Quartiere
Das
Spreehafenviertel im Norden grenzt unmittelbar an das Südufer des Spreehafens an. Hier werden auf rund20 Hektar Fläche etwa 1000 Wohnungen und 22 000 Quadratmeter Bruttogrundfläche Gewerbe sowie Grün- und Freiflächen realisiert. Ein zentraler öffentlicher Platz am Wasser sowie die Anbindung an die bestehenden Nachbarschaften, insbesondere an das angrenzende Reiherstiegviertel, sind wesentliche Merkmale des Quartiers. Wichtiger Aspekt der Planungen sind zudem die erhaltenen Grünräume an der Landschaftsachse entlang des Ernst-August-Kanals. Hier entstehen auch neue Radwegeverbindungen sowie ein großer naturnaher Kinderspielplatz.

Im 47 Hektar großen Elbinselquartier entsteht innerhalb der bestehenden, urbanen Strukturen ein gemischtes Quartier für Wohnen und Arbeiten sowie ein großer Schul- und Bildungscampus. Ziel ist es, ein Quartier zu schaffen, in dem sich neue Bewohnerinnen und Bewohner, Alteingesessene, Anwohner, lokale Gewerbetreibende, Beschäftigte, Kleingärtner und Freizeitbegeisterte gleichermaßen wohlfühlen. Im Elbinselquartier entstehen unterschiedlichste Gebäudetypologien mit insgesamt rund 2100 Wohneinheiten. Das Freiraumkonzept beinhaltet die Fortsetzung der zentralen Landschaftsachse, die insbesondere das Wilhelmsburger Rathausviertel und das Elbinselquartier prägen wird. Den Quartiersmittelpunkt bilden Nahversorgungsangebote sowie Schul- und Freizeitflächen an dem zentralen 4,5 Hektar großen Quartierspark am Aßmannkanal.

Das Wilhelmsburger Rathausviertel bildet den südlichen Abschluss des neuen Stadtkerns und bietet eine lebendige Nachbarschaft von Wohnen, Arbeiten und Sportangeboten. Prägend wird die insgesamt etwa drei Kilometer lange Landschaftsachse, die vom Inselpark entlang der Rathauswettern bis zum Ernst-August-Kanal führen wird und Raum fürs Radfahren, Flanieren und Verweilen bietet. Der Rathauspark, welcher durch den derzeitigen Verlauf der Wilhelmsburger Reichsstraße noch in zwei Teile getrennt ist, wird durch die Erweiterung der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Radwegeverbindung und die Vollendung der Wegeachsen des Inselparks als wichtiges Bindeglied in das Gesamtkonzept eingebunden. Vorgesehen sind etwa 1600 Wohneinheiten auf rund 32 Hektar Fläche. Die geplanten Kindertagesstätten, Studierendenwohnungen, Gewerbeeinheiten und die umgestalteten Sportflächen sorgen für eine vielfältige Mischung des Wohnquartiers.