Zwischen Hamburg und Handeloh

„Harburg erleben“: Citymanagerin Melanie-Gitte Lansmann über die ersten Erfolge der neuen Tourismus-Strategie

Harburg und Tourismus? Das schien jahrzehntelang ein Widerspruch in sich zu sein. Der schornsteinbesetzte Süden der Hansestadt Hamburg war schließlich ein Arbeiterstadtteil. Ein Ort zum Geldverdienen an den Maschinen und Rührkesseln der Kautschuk-Industrie. Wer nach Harburg fuhr, der kam aus vielerlei Gründen, aber keiner davon hatte etwas mit Erholung oder gar Tourismus zu tun. Das hat sich geändert, denn Harburg erfindet sich derzeit neu und sendet eine Botschaft, die für Nordhamburger irritierend sein mag: „Harburg erleben“ – ein Bezirk tritt aus dem Schatten der Metropole.

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Zugegeben – noch ist der Schatten nicht ganz verschwunden; und es wäre sicherlich noch etwas zu früh, Harburg als Top-Ziel auf die deutsche Tourismus-Landkarte zu setzen. Aber das Citymanagement hat einen überzeugenden Dreh gefunden, die Stadt im Süden der Stadt dennoch mit dem Thema Tourismus zu besetzen. Harburg ist aus Süden betrachtet das Tor zum Tor zur Welt, aus Norden betrachtet der Eingang zu den attraktiven Naherholungsgebieten in der Lüneburger Heide, in der Elbmarsch und im Alten Land. Die meisten Menschen, die es dort hinzieht, müssen irgendwie durch Harburg. Egal aus welcher Richtung. Harburg ist sozusagen die touristische Pendeltür zwischen der Großstadt und den erikabewachsenen Hügeln der Heide, zwischen Landungsbrücken und Totengrund, zwischen Poledance auf der Reeperbahn und Tannenzapfen-Sprint im Barfußpark Egestorf (siehe auch Seite 19 im Immobilien-Special).

Wegweiser in zwei Richtungen

Die Rechnung des Citymanagements: Harburg wird zum Wegweiser – und hat ganz nebenbei ebenfalls ein paar reizvolle Adressen zu bieten. Zum Beispiel das Archäologische Museum Hamburg, die Sammlung Falckenberg, eine Wasserski-Anlage und natürlich den Harburger Binnenhafen, der als junges Stadtquartier am Wasser punktet. Melanie-Gitte Lansmann steht als treibende Kraft am Schalthebel des Citymanagements. 2016 wurde das Format „Runder Tisch Tourismus“ ins Leben gerufen. In der Folge tauchte der Binnenhafen plötzlich in der Auflistung „99 Lieblingsplätze der Metropolregion“ auf. 2017 setzte der Bezirk parallel dazu einen Hotelentwicklungsplan auf und verdoppelte (!) mal eben die planerischen Bettenkapazitäten. Einigkeit besteht darin, dass die Akteure im Süden zusammenarbeiten sollten. Auf Einladung der Handelskammer trafen sich dazu Mitte des Jahres 30 touristische Betriebe zum „Tourismusnetzwerk Harburg“) auf Initiative des Tourismusverbandes Hamburg, des Dehoga Hamburg, des Citymanagements Harburg und der Hamburg Tourismus GmbH. Der Anfang ist also gemacht. Melanie-Gitte Lansmann registriert mittlerweile häufigere Anfragen nach Tourismusthemen in der Harburg-Info (Hölertwiete). Harburg werde sogar ein wenig zum Merchandising-Thema: „Allein im August haben wir 180 Harburg-Taschen verkauft. Die Leute mögen das.“

Das Publikum verändert sich

Citymanagerin Melanie-Gitte Lansmann hat seitdem eine ganze Reihe von Veranstaltungen durchgeführt – teils bewährte Formate wie das leider vom Regen erwischte „White Dinner“ und den zeitgleichen neuen „Sommer im Park“. Auf dem Rathausplatz fand eine Opernübertragung auf Großleinwand statt, und Ende September sorgte die „Nacht der Lichter“ dieses Mal wieder für Illuminationen und ein buntes Programm in der Harburger Innenstadt. Sie sagt: „Mein Eindruck ist, dass Harburg mittlerweile anders wahrgenommen wird. Auch das Publikum verändert sich. Mittlerweile tauchen immer mehr Harburger auf, die wir sonst eher nicht erreicht haben.“

Den Grund liefert sie gleich mit: „Ich mag Veranstaltungen mit Inhalt. Es reicht heute nicht mehr, ein Kinderkarussell, eine Bratwurstbude und zwei Bierstände aufzustellen. Damit erreiche ich nur bestimmte Leute. Mein Ziel ist es, mit der Art der Veranstaltung die Zielgruppen zu steuern.“ Ein Beispiel: Wenn „Così fan tutte“ über die LED-Wand flimmert, dann sitzen Opernfans auf dem Harburger Rathausplatz – und keine Wolfgang-Petri-Jünger, die aus vollen Hälsen „Hölle, Hölle, Hölle!“ in den Abendhimmel schmettern. Das macht den Unterschied. Und: Wenn beim „Sommer im Park“ Comedy, Tanz, Jazz und Musik-Kabarett dominieren, sind wieder andere Leute da. Das Kultur-Klavier will so gespielt werden, dass alle Tasten erklingen.

Drei Stile – eine Fete

Ein schönes Beispiel für die kulturelle Diversifizierung liefert auch die Head-Phone-Party: Drei Discjockeys spielen zeitgleich unterschiedliche Musik auf Kopfhörer, die die Besucher tragen. Jeder hört seinen bevorzugten Stil, und ist trotzdem mit den anderen zusammen. Gitte Lansmann: „Das kam super an – die DJs haben schon angefragt, ob sie nächstes Jahr wieder dabei sein dürfen.“ 2019 soll es eine Neuauflage geben – dann möglichst ohne Regen. Der allerdings lässt sich im Tourismus wirklich nicht steuern . . . wb

>> Web: www.citymanagement-harburg.de