Halle für XXL-Rotorblätter kostet 19 Millionen Euro

Foto: IWESIn direkter Nachbarschaft zu den bestehenden Rotorblattprüfhallen entsteht das neue Testfeld für XXL-Blätter. Der Standort ist auf dem Foto markiert. || Foto: IWES

Fraunhofer-Institut IWES baut im Bremerhavener Fischereihafen neuen Prüfstand.

Von Thorsten Brockmann

Aus aller Welt schicken Anlagenbauer Flügel nach Bremerhaven. Der Standort am Fischereihafen biete den Vorteil, dass per Schiff gelieferte Blätter einen kurzen Weg zum Prüfstand haben, sagt Dr. Steffen Czichon, Abteilungsleiter Rotorblätter am IWES: „Als führendes Forschungsinstitut für die Windenergie haben wir den Anspruch, mit unseren Prüfmethoden stets einen Schritt über den Stand der Technik hinauszugehen.“

In den vergangenen fünf Jahren seien die Rotorblattabmessungen von unter 90 auf 115 Meter Länge gestiegen und erreichten damit die Länge eines Fußballfelds, teilt das Institut mit. Eine rasante Entwicklung, die selbst die Fantasie von Branchenkennern überflügelte: Genau vor zehn Jahren nahm das IWES seine 90 Meter lange Testhalle in Betrieb.

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Inzwischen sind es zwei Hallen, und die sind gut ausgelastet. Anfragen zum Testen von XXL-Blättern internationaler Hersteller konnte das Institut bisher jedoch nicht annehmen. Das soll sich nun ändern. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro, das Land Bremen und das Bundesforschungsministerium stellen weitere vier Millionen aus EU-Fördermitteln zur Verfügung.

Die Rotorblattprüfstände seien immer intensiv genutzt worden, um die Technologie weiterzuentwickeln, sagt Dr. Wolfgang Langen, Referatsleiter im Ministerium. Dies habe die Windenergienutzung in Deutschland maßgeblich vorangebracht. Deshalb unterstütze die Bundesregierung den Bau des neuen Prüfstands.

Wichtiger Forschungspartner

Dem Land Bremen gehe es darum, dass das IWES „einer der weltweit wichtigsten Forschungspartner für die Unternehmen der Windenergiebranche bleibt und seine starke Rolle sogar noch ausbaut“, sagt Wissenschaftssenatorin Dr. Claudia Schilling (SPD).

Rotorblätter sind mitentscheidend für Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Kosten von Windanlagen. Die Investitionen in die Qualitätssicherung sind gewichtig: Der Prüfblock aus 600 Tonnen Stahl zur Befestigung des Rotorblatts kann gekippt und das Blatt über eine Vorrichtung um 180 Grad am Block gedreht werden. Zudem ist die Konstruktion erweiterbar und umrüstbar.

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Der erste sichtbare Schritt zum Neubau sind 175 Stützpfähle, die auf dem Baugrund in die Tiefe gebracht werden. Sie stellen sicher, dass die enormen Lasten während der Prüfungen abgeleitet werden können. Ein Portalkran für die Anhebung der Rotorblattgiganten ist auf die Traglast von 120 Tonnen ausgelegt – das ist so viel, wie 20 Elefanten zusammen auf die Waage bringen. Die Halle soll bis zum Jahresende stehen, Prüfblock und Messtechnik werden 2022 eingerichtet.

Das IWES

Das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) ist im Bereich Windenergie und Wasserstofftechnologie tätig. Derzeit sind 250 Wissenschaftler und Angestellte sowie mehr als 100 Studierende im Institut beschäftigt. Das IWES ist ansässig in Bremerhaven, Hannover, Bremen, Hamburg und Oldenburg.