Frischer Wind mit 70

BUPPremiere: Bei der ersten Pressekonferenz nach neuem Muster stellten der Vorsitzende Jochen Winand (rechts), Vorstandsmitglied Udo Stein und Geschäftsführerin Uta Rade die Ergebnisse der Mitgliederanalyse vor. Foto: Wolfgang Becker

Nach sieben Jahrzehnten hat der Vorstand des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden eine Zäsur beschlossen und einmal genau hingeschaut, wie sich der Verein über die Jahrzehnte verändert hat und wie er künftig agieren will. Hervorgegangen aus der von Industriebetrieben dominierten Poldergemeinschaft im Harburger Hafengebiet formierten sich 1947 gerademal 42 Mitglieder zum Wirtschaftsverein Harburg-Wilhelmsburg. Zwei Drittel ließen sich der traditionellen Wirtschaft zuordnen: Industrie, Handel, Bau. Heute steht der Verein gänzlich anders da und übernimmt in kammerpolitisch unsicheren Zeiten (siehe Seite 43) Verantwortung. Der Wirtschaftsverein ist die Stimme der Wirtschaft im Hamburger Süden. Und der Vorstand hat dafür gesorgt, dass sich der Verein weiter öffnet.

Der Erste Vorsitzende, Jochen Winand, verweist nicht ohne eine gewisse Genugtuung auf die stetig steigende Kurve der Mitgliederzahlen. Mittlerweile sind 270 Unternehmen im Verein gelistet, wobei die leistungsstärkeren überproportional stark präsent sind. Im Gegensatz zur Handelskammer, eigentlich das Sprachrohr der Wirtschaft in Hamburg, sind Airbus und Mercedes im Wirtschaftsverein vertreten. Mit Aurubis und Asklepios gehören sie zu den vier mitarbeiterstärksten Unternehmen im Verein.

Interessant ist die Aufgliederung nach Branchen, die Winand und sein Vorstandskollege Udo Stein im Rahmen eines Pressegesprächs vorstellten. Die früher dominierenden Wirtschaftszweige machen gerade mal ein Drittel aus. Die konkreten Zahlen: Industrie/Produktion 13 Prozent, Bau und Handwerk 10, Handel 12, sonstige Dienstleistungen 17, Freiberufler 13, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater 13, Immobilien 10, Banken und Versicherungen 8 sowie IT 4 Prozent.

Allerdings ist der Wirtschaftsverein weit davon entfernt, alle Unternehmen im Hamburger Süden zu bündeln. Laut Handelskammer sind das 10 622 Firmen, von denen aber 9536 maximal drei und 511 maximal 9 Mitarbeiter haben. Stein: „Wir haben ja auch keine Zwangsmitgliedschaft – wer zu uns kommt, ist freiwillig dabei.“ Was übrigens auch für die niedersächsischen Nachbarn gilt. Winand kündigt an, dass sich der Wirtschaftsverein durchaus als Mittler zur Politik versteht und diese Rolle stärker ausüben will. Künftig sollen regelmäßig Presserunden stattfinden, um die Außendarstellung zu verbessern. Und ebenfalls neu: Bislang konnten nur Unternehmen Mitglied werden, künftig auch wirtschaftsaffine Einzelpersonen, die beispielsweise die Altersgrenze erreicht haben. Mindestbeitrag: 300 Euro pro Jahr.