Nach dem Schock die Erkenntnis: Buxtehude ist für die Wirtschaft hochattraktiv

Sie ist froh, dass es in Buxtehude nach den Werkschließungen 2018 gute Zukunftsperspektiven und keine Industrieruinen gibt: Wirtschaftsförderin Kerstin Maack. Foto: Hansestadt Buxtehude/Daniela Ponath Fotografie

2018 war das Jahr einiger Werksschließungen – Gut ein Jahr später zieht Wirtschaftsförderin Kerstin Maack eine positive Folgenutzungsbilanz

Das Jahr 2018 ist mit einer Serie unerwarteter Hiobsbotschaften in die Geschichte des Wirtschaftsstandorts Buxtehude eingegangen – gleich vier Unternehmen kündigten die Schließung ihrer Standorte an, ein fünftes musste Insolvenz anmelden. Für Kerstin Maack, Leiterin der Wirtschaftsförderung, war das damals ein Schock, doch gut ein Jahr später hat sich das mutmaßlich dunkle Kapitel ins Gegenteil verkehrt. Für alle fünf Standorte gibt es neue Perspektiven und sinnvolle Verwendung. Dass sich Buxtehude nicht auf lange Sicht mit stillgelegten Industrieruinen herumschlagen muss, darf als Beleg dafür gewertet werden, dass sowohl die spannende Branchen-Mixtur vor Ort als auch die Lage unmittelbar vor den Toren Hamburgs hohe Anziehungskraft entfachen.

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Kerstin Maack: „Die Serie von Werksschließungen war für Buxtehude das erste Mal, dass ein so eklatanter Wandel eintrat. Dabei waren es in vier der fünf Fälle Konzernentscheidungen, die dazu führten, dass uns langjährige, namhafte Unternehmen verloren gingen – Bacardi, Pioneer, der Münzprüfgerätehersteller CPI und das Ingenieurbüro Bilfinger-Rotring. Die Gründe für die angekündigten Schließungen mit immerhin rund 300 sozialversicherungspflichtigen Jobs hatten jedoch nichts mit dem Standort zu tun. Dennoch: Diese Entwicklung überlagerte 2018 all die positiven Dinge, die wir in Buxtehude erlebten.“ Dazu zählten Großaufträge aus Istanbul für Landebahn-Enteiser von der Herbert Dammann GmbH, eine 32-Millionen-Euro-Investition für das Elbe-Klinikum in Buxtehude, ein Neubau bei Implantcast, eine 15-Millionen-Euro-Investition bei Emerell, eine 20-Milionen-Euro-Investition bei Synthopol sowie die Inbetriebnahme einer neuen Produktionsanlage und die Erweiterung des Tanklagers bei Unilever mit ebenfalls rund 20 Millionen Euro Invest. Auch die Eröffnung der neuen Este-Werkstätten des DRK steht auf der Positiv-Seite.

Die Frage der Folgenutzung

300 Jobs – das sind zwei Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse in Buxtehude. „Das ist eine Hausnummer“, sagt Kerstin Maack und ist froh, dass es am Ende dann doch nicht 300, sondern fast ein Drittel weniger verlorene Jobs waren. Allerdings: Immer noch 200 bis 240 zu viel in einer Stadt, die eigentlich auf Wachstum setzt. Dieses Wachstum zeichnet sich nun durch die Nachfolgenutzungen ab. Die Wirtschaftsförderin: „Wir haben damals im ersten Schritt mit den Werksleitern gesprochen und geschaut, wo wir als Stadt helfen und unterstützen können. Schließlich steht hinter jedem verlorenen Arbeitsplatz ein menschliches Schicksal. Insbesondere für die langjährigen und älteren Mitarbeiter im Unternehmen sind das schmerzliche Erfahrungen, die oft mit Existenzängsten verbunden sind. Im zweiten Schritt ging es dann um die Frage der Nachnutzung. Allein bei Bacardi standen plötzlich mehr als 30 000 Quadratmeter Fläche zur Disposition.“ Doch der Reihe nach:

  • Im Januar 2018 hatte Bacardi angekündigt, die Produktionsstätte am Alten Postweg in Buxtehude zum Jahresende zu schließen. Bereits im Mai 2019 war der gesamte Komplex verkauft – an die Sirius Facilities GmbH, die hier den Business Park Buxtehude aufbaut (siehe Seite 23).
  • Es folgte der Weggang von Crane Payment Innovations CPI, einem US-Hersteller von Münzprüfgeräten, der etwa 10 000 Quadratmeter Produktionsfläche hinterließ, für die es dem Vernehmen nach mittlerweile ernsthafte Kaufinteressenten gibt. Die gute Nachricht: Die Abteilung für Forschung & Entwicklung bleibt mit immerhin 50 Mitarbeitern am Standort Buxtehude. Kerstin Maack: „Buxtehude bleibt Ingenieursstadt.“
  • Im Februar dann die Insolvenz des Asphaltmaschinenherstellers Lintec. Betroffen: 30 Stellen aus den Bereichen Ingenieurwesen und Vertrieb. Auf dem ehemaligen Lintec-Gelände ist mittlerweile ein Gewerbehof mit jungen Unternehmen entstanden, beispielsweise „Kistenkolli Altes Land“, ein Startup, das Möbel aus alten Obst- und Weinkisten herstellt und vertreibt. Weitere Unternehmen sind Gräfenhof Tee, Bux-Trade (Superfood) und der Meerestechnik-Anbieter Nautilus.
  • Mit dem Saatguthersteller Pioneer kündigte im selben Jahr ein weiterer großer Name das Aus in Buxtehude an, allerdings nicht ganz – ähnlich wie bei CPI bleibt der Laborstandort unter dem Namen Corteva erhalten. Die Hansestadt Buxtehude hat ihr Vorkaufsrecht genutzt und den gesamten Standort gekauft. Für das Gelände an der Apensener Straße gibt es große Pläne, die dem Gewerbe in der Estestadt, aber auch potenziell neuen Unternehmen auf lange Sicht Perspektiven eröffnen.
  • Im September 2018 dann der nächste Schlag: Bilfinger Rotring Engineering kündigte die Schließung des auf Gasturbinen-Kraftwerke spezialisierten Ingenieurbüros an der Rudolf-Diesel-Straße an – weitere 35 Jobs waren damit betroffen. Mittlerweile ist das Gelände verkauft. Im September siedelte sich hier die Skin Gin GmbH aus Steinkirchen an, außerdem wird sich ein Hamburger Ingenieurbüro in Buxtehude niederlassen.

Kerstin Maack: „Viele Städte haben das Problem, dass verlassene Gewerbe-Immobilien lange Zeit leer stehen. Es spricht für die Pros­perität des Standortes Buxtehude, dass wir in allen Fällen eine schnelle Nachnutzung gefunden haben.“ Insgesamt ist Buxtehude im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden im südlichen Hamburger Umfeld noch immer sehr gut aufgestellt, wenn es um Gewerbefläche geht. „In drei Gewerbegebieten stehen derzeit rund 21 Hektar zur Verfügung“, sagt Kerstin Maack. „Allerdings haben wir auch Anfragen für insgesamt acht Hektar. Trotzdem ist die Situation noch gut.“ Dass die Stadt im Zusammenhang mit der Pioneer-Fläche bereits weiter in die Zukunft plant, spricht für sich. wb

Web: https://www.buxtehude.de

Save the date
Unter dem Titel Wirtschaft-Mensch-Umwelt findet am 6. Februar 2020 das 4. Gewerbe- Forum in der Hansestadt Buxtehude statt. In den Räumen der hochschule 21 wird Christian Felber, Begründer der Gemeinwohlökonomie, als Referent erwartet. Thematisch soll der Fokus auf alternative Wirtschaftsmodelle gelegt werden.

Web: https://www.buxtehude.de/gewerbe-forum und https://www.hs21.de/fuer-unternehmen/wirtschaft-trifft-wissenschaft/gewerbe-forum/