So startet Tutech in die nächsten 25 Jahre

Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Tutech Hamburg GmbHMartin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Tutech Hamburg GmbH

INTERVIEW Geschäftsführer Martin Mahn über die Neuordnung der Startup-Thematik, die Stärkung der Hamburg Innovation und die Tutech Academy

Wissenstransfer, Technologietransfer, Weiterbildung mit wissenschaftlichem Niveau: Die Hansestadt Hamburg richtet sich ganz konkret in ihrer noch ungewohnten Rolle als offensiver Technologiestandort ein. Die Tutech Innovation GmbH und die Schwestergesellschaft Hamburg Innovation GmbH spielen dabei eine tragende Rolle im Umfeld der Technischen Universität Hamburg und der anderen Universitäten. Dass das Engagement keineswegs nur ein Hamburger Thema ist, sondern auch die Nachbarn einschließt, darüber sprach B&P-Redakteur Wolfgang Becker mit Tutech-Geschäftsführer Martin Mahn sozusagen auf der Schwelle ins nächste Vierteljahrhundert.

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Nach der Neustrukturierung der Tutech in den vergangenen drei Jahren und dem großen Jubiläum wendet sich der Blick – wieder einmal – nach vorn. Was planen Sie?

Wir sehen die Entwicklung immer stark in Zusammenhang mit der Hamburg Innovation und wollen dies auch noch weiter verstärken. Das ganze Thema Startup wollen wir zur Hamburg Innovation rüberschieben und stadtweit ausrollen. Zurzeit werden in Zusammenarbeit mit den Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine ganze Reihe Konzepte abgestimmt. Auch mit unserem TUHH-Präsidenten Ed Brinksma, der sich ja selbst als Sciencepreneur bezeichnet. Mit ihm haben wir den richtigen Mann zur richtigen Zeit. Das gibt uns große Hoffnung für das
Startup-Thema.

Heißt das, dass die Tutech Arbeitsgebiete abgibt?

Das Kerngeschäft der Tutech ist das Thema Auftragsforschung. Da haben wir in den 25 Jahren eine Menge Erfahrung gesammelt. Und wir bieten eine Menge kleiner Weiterbildungs- und Beratungsangebote, die aber alle für sich nicht so richtig sichtbar werden. Meine Vorstellung ist, dass wir Tutech sehr stark als Techbroker aufsetzen, als Schnellboot. Nun hat die Hansestadt Hamburg immer noch 49 Prozent Anteil, was dazu führt, dass wir die eine oder andere Schleife mehr drehen müssen, wenn Entscheidungen anstehen. Wir haben eine super Zusammenarbeit mit der Stadt, aber müssen auch darüber nachdenken, wie wir noch weiter Geschwindigkeit aufnehmen können. Zuwendungsprojekte, bei denen Geld der Stadt fließt, wollen wir zur Hamburg Innovation schieben. Auch allein deswegen schon, weil wir diese Projekte in der Regel gemeinsam mit unseren Gesellschaftern umsetzen. Bei Tutech möchte ich vor allem das sehen, was sich auch selbst trägt. Wir machen ja keine Gewinne, aber schreiben seit zwei Jahren wieder eine schwarze Null. Und in diesem Jahr sieht das auch gut aus. Unser Ziel ist, dass sich unser Geschäft nachhaltig trägt.

Ziel ist also eine Beschleunigung der Aktivitäten – um das besagte Schnellboot-Ziel zu erreichen . . .

. . . und wir könnten in der Konstellation unternehmerischer und wirtschaftlicher handeln. Da komme ich noch einmal auf Ed Brinksma zurück. Das ist auch in seinem Interesse. Dort, wo er herkommt, hat er die Region mit Technologietransfer und Startups großgemacht. Ich bin sehr gespannt, wie sich das hier auswirken wird.

Das Startup-Thema ist immer noch etwas unscharf. Wir haben das Startup-Dock der TUHH, wir haben Startups bei der Tutech – macht es nicht Sinn, dass alles unter ein Dach zu packen?

Da sind wir dabei. So viel kann ich verraten. Wir haben ein komplett neues Konzept aufgesetzt – mit allen Hochschulen und in Abstimmung mit der FHH. Aber da sind wir noch mitten im Prozess. Anfang 2019 können wir mehr sagen.

Inwieweit sind diese Aktivitäten auf Hamburg beschränkt oder anders gefragt: Wären Startups nicht ein Thema für die Metropolregion?

Das denken wir auch. Es gibt zwar Projekte, die aufgrund der Förderung auf Hamburg beschränkt sind, aber wir sprechen ja auch mit den Nachbarn – zum Beispiel der hochschule 21 in Buxtehude. Mit der Leuphana in Lüneburg arbeiten wir ohnehin eng zusammen – die Kooperation mit der TUHH umfasst auch den Technologietransfer. Ein länderübergreifendes Angebot gibt es ja schon seit Jahren: die Innotech-Summerschool im hit-Technopark. Da klinken sich jetzt auch weitere Unis ein. Wir haben hier das Problem, dass dieses Angebot zeitlich fixiert ist. Startups brauchen den Input aber, wenn es unter den Nägeln brennt. Besser wäre also ein Programm, das sukzessive läuft, in das ein Gründer jederzeit einsteigen kann.

In Buchholz, also quasi vor der Landesgrenze, ist der Technologie- und Innovationspark TIP geplant – wie passt der ins Konzept?

Da ist Tutech im Gespräch mit der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg. Der TIP wäre möglicherweise eine Chance, hier eine Dependance aufzumachen – wenn es sich denn auch rechnet.

Ein unbedingt wichtiger und lange überfälliger Schritt ist die Überwindung der Landesgrenzen – die Wirtschaft denkt in diesen Kategorien gar nicht . . .

Die Wirtschaft hat diese Grenze in der Tat nicht, der Technologietransfer auch nicht, und die Startups haben sie auch nicht. Es ergeben sich so viele Verbindungen – das müsste nur formaljuristisch aufgearbeitet werden. Wir sind gespannt, den Nachfolger von Herr Seyer kennenzulernen (Jens Wrede übernimmt zum Jahreswechsel die Geschäftsführung der WLH von Wilfried Seyer, der sich in den Ruhestand verabschiedet, d. Red.). Da wird es sicherlich auch noch einige Ideen geben. Zeitgleich entwickeln sich auch nördlich der Elbe neue Fixpunkte. Wir sind stark mit Hammerbrooklyn im Gespräch – das wird einer der Hotspots zum Thema Digitalisierung werden. Als Hamburg Innovation wollen wir auch dort stärker präsent werden.

Ein Stichwort ist in den vergangenen Wochen bereits mehrfach aufgeblitzt: Tutech Academy. Was verbirgt sich dahinter?

In 25 Jahren Technologietransfer und Start­up-Förderung wurde reichlich Erfahrung gesammelt und auch weitergegeben. Das gilt auch für den wissenschaftlichen Weiterbildungsbereich. Das haben wir alles sortiert, noch etwas ausgebaut und unter das Dach einer Akademie gestellt. Die Tutech Academy wird der Weiterbildungsarm der Tutech. Wie gründe ich, wie schreibe ich einen Förderantrag, wie verbessere ich mein wissenschaftliches Englisch – es gibt jede Menge handfester Fragen. Wir machen keine akademische Lehre, sondern wirklich angewandte Weiterbildung in praxisnahen Workshops und Seminaren. Natürlich auch in Zusammenarbeit mit der TUHH. Dazu zählt beispielsweise das große Projekt ContinuING@TUHH – da drehen wir das Thema Praktikanten um. Nicht Studenten machen ein Praktikum im Unternehmen, sondern Mitarbeiter aus den Unternehmen machen ein Praktikum an der Uni und können dazu durchaus ganz konkrete Fragestellungen mitbringen. Ein modular aufgebautes Programm, in dessen Rahmen diese Mitarbeiter für eine bestimmte Stundenzahl forschen können. Sechs Lehrstühle sind im Rahmen eines Pilotprogramms beteiligt. Ein wirklich sensationelles Projekt zum Thema Lebenslanges Lernen, speziell ausgerichtet auf Ingenieure.

Wo soll das alles stattfinden?

Wir haben ja Räume genug. Hier im „Goldfisch“ an der Blohmstraße haben wir Räume, auch ein Design Thinking Lab. An der Harburger Schloßstraße haben wir einen Hörsaal und weitere Konferenzräume. Es kann auch in Hammerbrooklyn oder im hit-Technopark stattfinden. Wir bieten Schulungen hier im Haus an, gehen aber auch in die Unternehmen. Ebenso könnten diese Angebote im ISI Buchholz oder im TIP stattfinden.

Wie viele Akteure sind daran beteiligt?

Als Trainer haben wir vielleicht ein knappes Dutzend Leute, aber wir wollen noch einmal genauso viele Externe aktivieren. Alle Kurse, die wir bislang anbieten, sind auf der neuen Homepage bereits einsehbar. Im zweiten Schritt wäre es sogar denkbar, die Angebote online zu vermitteln, was allerdings sehr viel aufwendiger ist als eine Vorlesung im Hörsaal.

Wer ist sozusagen Akademie-Verantwortlicher?

Zuständig für die Tutech Academy ist unser Geschäftsbereich Kompetenzentwicklung & Beratung. Die Ansprechpartner dort sind Dr. Christine Bauhofer und Dr. Margarete Remmert-Rieper.

Web: https://tutech.de/academy/