Zu wenig oder zu viel . . .

Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH Foto: Tu

Von Martin Mahn, Geschäftsführer
der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH.

Im Grunde ist es irgendwie wie mit dem Salz in der Suppe. Zu wenig Salz und die Suppe schmeckt fade. Zu viel davon und die Suppe wird ungenießbar. Nur die richtige Menge, das richtige Maß, macht die Sache lecker.

Was ist der Hauptbestandteil einer Suppe? Wasser. Das flüssige Elixier des Lebens. Meistens zumindest. Da, wo es grundsätzlich zu wenig davon gibt, ist Leben ohnehin kaum möglich. Da, wo es temporär plötzlich zu wenig gibt, wird Leben vernichtet. Schleichend ausgetrocknet oder schlagartig durch Feuerstürme verbrannt. Egal, ob in Griechenland, Kalifornien oder Australien. Aber auch da, wo es zu viel davon gibt – oder genauer: zu viel davon auf einmal gibt –, kann Wasser eine tödliche Zerstörungskraft entwickeln. Egal, ob im Ahrtal, in New York City oder in Zhengzhou.

Woran das liegt? An zu viel. Zu viel Eingriff des Menschen in die Natur. Zu viel Begradigung von Flüssen. Zu viel Versiegelung in den Städten. Zu viel CO2 und Methan. Und – leider – noch viel mehr von zu viel. Und woran noch? An zu wenig. Zu wenig Verständnis für die Natur. Zu wenig Einsicht, dass ein sofortiges Umsteuern notwendig ist. Zu wenig globale Zusammenarbeit. Und auch von anderen Dingen gibt es viel zu wenig.

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Zu wenig oder zu viel – diese Paarung ließe sich wohl noch ewig weiterspielen. Auch und vor allem abseits der Natur. Ein paar Beispiele: Zu wenig Essen endet in Hungersnot. Zu viel Essen endet in Krankheit. Zu wenig Wachstum bedeutet Armut. Zu viel Wachstum bedeutet Zerstörung. Zu wenig Glauben endet in Bedeutungslosigkeit. Zu viel Glauben endet im Krieg. Zu wenige Regeln bedeuten Chaos. Zu viele Regeln bedeuten Stillstand.

Muss man letztlich konstatieren: Zu viele Menschen, aber zu wenig Verstand? Könnte man fast meinen. Aber im Grunde wissen wir doch, was wir tun müssen. An die Suppe und das Salz denken: Wir müssen das richtige Maß finden.

Außer bei zwei Dingen. Wissen kann es nie zu viel geben. Und was den Schutz unseres Planeten betrifft, darf es auch gern ein bisschen mehr sein. Viel mehr. Weil wir von unserem Lebensraum zu wenig haben. Sehr wenig. Genau genommen nur einen.