3-D-Druck und Zerspanung: Das Technologie- Duo der Zukunft?

Foto: Wolfgang BeckerStellten sich den B&P-Fragen zur künftigen Entwicklung im Maschinenbau: Dr. Rainer Dubbels (links) und Torsten Dubbels mit einem 5-Achs-gefertigten Maschinenteil.

INTERVIEW Die Stader Unternehmer Dr. Rainer und Torsten Dubbels beobachten den 3-D-Druck-Hype interessiert, aber auch mit Skepsis.

Mit einem Frontalangriff auf den klassischen Maschinenbau, ja sogar die Kohlefasertechnologie sorgte Peter Sander, Innovations-Manager bei Airbus, zum Auftakt des Hamburg Innovation Summit im Juni für einen Paukenschlag, als er in Harburg die Bestrebungen des Flugzeugbauers erläuterte, künftig verstärkt Bauteile im 3-D-Druckverfahren fertigen zu lassen. Er prophezeite einer ganzen Branche den Niedergang – das mittel- bis langfristige Aus für Zerspaner und Fräser. Wer heute die Zeichen der Zeit nicht erkannt habe, sei in zehn Jahren womöglich weg vom Markt – so die Ansage. Und auch für die Kohlefaserverbund-Technik hat-te er eine entsprechende Botschaft: „Ich greife CFK an.“ Grund genug also, sich mit einem klassischen Maschinenbauer-Betrieb und Industriedienstleister über diese Ansage zu unterhalten. B&P-Redakteur Wolfgang Becker sprach mit den Brüdern Dr. Rainer und Torsten Dubbels, Inhaber der DMS Dubbels Maschinenbau Stade GmbH & Co. KG.

B&P: Airbus prüft derzeit, welche weiteren Teile sich im Flugzeugbau für eine Fertigung im 3-D-Druck eignen. Dem klassischen Maschinenbau wird seitens des Flugzeugbauers eine schlechte Prognose gestellt. Was halten Sie davon – ist 3-D-Druck ein Thema?

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Torsten Dubbels: Ich denke mal ja. Wir haben uns solche Maschinen schon angeschaut, nur weiß ich nicht, ob es nicht möglicherweise Probleme geben könnte, zum Beispiel durch Kontaminierung. Ansonsten ist der 3-D-Druck mit Sicherheit eine feine Sache.

B&P: Sie zerspanen und fräsen mit teils hochkomplexen Maschinen Bauteile aus Metallblöcken. Wenn alternativ gedruckt wird, sieht dasselbe Stück viel filigraner aus, und es ist viel leichter – ein wichtiger Aspekt für den Flugzeugbau ist das Gewicht. Was heißt das speziell für DMS?

Torsten Dubbels: Natürlich spielt das Gewicht im Flugzeugbau eine erhebliche Rolle. Auch wir als Zerspaner haben schon immer davon geträumt, dass man auf Teile etwas draufdrehen oder drauffräsen kann, was derzeit nicht möglich ist. Deswegen meine ich: Beide Technologien vertragen sich sehr gut miteinander, ohne sich gegenseitig zu verdrängen.

B&P: In dem Vortrag ging die Zukunftsvision soweit, dass künftig rund um den Globus nur noch 3-D-Druckstationen anstelle der Ersatzteillager für Flugzeuge postiert werden sollen.

Torsten Dubbels: Visionen sind wichtig, um Ziele zu formulieren, damit sich das Rad weiterdreht und die Zukunft gestaltet werden kann. Wie nun die eine oder andere Vision in die Tat umgesetzt werden kann, muss die Zukunft zeigen. Das hier für uns abschließend zu beurteilen, ist schwierig, denn der 3-D-Druck ist sicherlich eine der größten Herausforderung auf diesem Gebiet für die Zukunft.

Dr. Rainer Dubbels: Für die fliegende Zunft ist der 3-D-Druck natürlich hochinteressant. Aber damals, als die CAD-CAM-Prozesskette in Gang kam, hieß es auch: Wir fertigen das hier am Computer, und die Maschine produziert. Im weitesten Sinne ist das möglich, aber wenn Sie ins Detail gucken, ist es so nicht möglich. Dennoch wird sich auch der 3-D-Druck sicher weiterentwickeln.

B&P: Voraussetzung für gute Druck-Produkte sind exakte Dateien. Es nützt ja nichts, ein defektes Teil einzuscannen und den Fehler zu duplizieren . . . dennoch: Wie schätzen Sie die Stabilität ein?

Torsten Dubbels: Da fehlen mir die Kennwerte, das kann ich so nicht beurteilen. Und natürlich benötigt man für den Druck exakte Dateien, ebenso wie in der Zerspanung. Da unterscheiden sich die beiden Technologien nicht voneinander.

B&P: Es geht auch um Dimensionen. Sie fertigen hier in Stade teilweise sehr große Werkstücke. Diese zu drucken, ist eher schwer vorstellbar.

Torsten Dubbels: Und es geht um Kosten. Derzeit sind die Rüst- und Fertigungszeiten beim 3-D-Druck relativ hoch. Im Moment noch deutlich höher als beim Drehen und Fräsen. Allerdings können sehr filigrane Teile gedruckt werden, die man so nicht drehen oder fräsen kann. Ich denke nicht, dass die eine die andere Technologie ersetzen oder verdrängen wird. Vielmehr glaube ich, dass beide Technologien möglicherweise sehr gut miteinander harmonieren.

B&P: Sie arbeiten auch für Airbus – wie kommt denn so eine Zukunftsprognose nach dem Motto „In zehn Jahren sind die alle weg“ bei Ihnen an?

Torsten Dubbels: Das wird die Zukunft zeigen, derzeit gehen wir nicht davon aus.

B&P: Ich höre das mal so: Die Zerspaner haben keine Angst, oder?

Torsten Dubbels:  Nein, da wir denken, dass beide Technologien sogar einander bedingen.

B&P: Zusammengefasst: Sie haben das Thema 3-D-Druck im Blick, aber eine Prognose, wann Sie den ersten Drucker aufstellen, die wagen Sie noch nicht . . .

Dr. Rainer Dubbels: Wir werden uns der Zukunft stellen und ihr gerecht werden, indem wir uns der Entwicklung anpassen. Ein genauer Zeitpunkt oder Zeitraum ist jedoch schwer abzuschätzen, da der 3-D-Druck eine der Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist.

B&P: Das hieße also, in naher Zukunft ist eher nicht mit 3-D-Druck bei DMS zu rechnen.

Dr. Rainer Dubbels: Ich denke nicht, aber ich gehe davon aus, dass die Technologie weiter forciert entwickelt und die Druckgeschwindigkeit erhöht wird. Dennoch glaube ich fest, dass auch die klassische Zerspanung weiterhin bestehen wird. Wir werden das Thema jedoch sehr genau verfolgen.

Web: www.dubbels.com