Gemeinsam gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs

PankreasVier Chefärzte sitzen sinnbildlich im Wartezimmer: Dr. Joachim Pelz (53, von links) sowie die Professoren Dr. Jan Konturek (58), Dr. Benno Stinner (59) und Dr. Stefan Frühauf (53) hoffen darauf, dass künftig mehr in die Forschung zur Bekämpfung des Pankreaskarzinoms investiert wird. Foto: Wolfgang Becker

B&P-GESPRÄCH Elbe Klinikum Stade ist zertifiziertes Pankreaskarzinom Zentrum – Das sagen die verantwortlichen Ärzte.

Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben.“ Vielleicht ist es dieser vielzitierte Satz von Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Hospizbewegung, der Patienten Hoffnung und Kraft gibt, den Kampf nach dieser niederschmetternden Diagnose aufzunehmen: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auch Professor Dr. med. Benno Stinner, Chef-arzt Chirurgische Klinik, Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Proktologie, zitiert die britische Krankenschwester, denn die Patienten, die im Elbe Klinikum Stade mit dieser Erkrankung konfrontiert werden, haben aus vielerlei Gründen keine gute Prognose. Stinner: „Wir können diesen Patienten helfen, sie aber oft nicht heilen.“ Gemeinsam mit seinen Chefarztkollegen Professor Dr. med. Jan Konturek (Innere Medizin, Gastroenterologie, Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten), Professor Dr. med. Stefan Frühauf (Hämatologe, Onkologe und Palliativmediziner an der Hancken Klinik in Stade) und Dr. Joachim Pelz (Gastroenterologie am Elbe Klinikum Buxtehude) erläuterte er vor dem Hintergrund des Weltpankreaskrebs-Tages im B&P-Gespräch die besonderen Herausforderungen für die Diagnostik, die Therapie und für alle beteiligten Menschen – Patienten, Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte gleichermaßen.

Stinner: „Dieser Tag soll noch einmal deutlich auf die besondere Problematik aufmerksam machen. Das Pankreaskarzinom steht auf Platz vier der krebsbedingten Todesursachen. Trotzdem fließen in Europa nur zwei Prozent der Krebsforschungsmittel in diesen Bereich. Wenn wir da nicht gegensteuern, wird dieses Karzinom bereits 2020 auf Platz zwei stehen.“

Das Ziel: Es geht darum, die Lebenszeit mit gezielten Therapien zu verlängern, aber wesentlich auch Lebensqualität zurückzugewinnen und mit psychischer Stabilität die unheimlichen Herausforderungen dieser lebensbedrohlichen Krankheit anzupacken.“
Deutsche Krebsgesellschaft

Seit 2016 gehören die Elbe Kliniken in Stade in den Kreis von bundesweit 90 Pankreaskrebs-zentren, die Abteilung für Gastroenterologie am Klinikum Buxtehude soll 2018 dazu kommen. Die entsprechende Zertifizierung nimmt die Deutsche Krebsgesellschaft vor – und die stellt hohe Anforderungen. Unter anderem muss die Klinik mindestens 20 Operationen pro Jahr nachweisen. Das klingt nach wenig. Allerdings: Pro Jahr erkranken in Deutschland gut 16 500 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Da die Erkrankung zumeist erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird, sind die weitaus meisten Fälle nicht mehr operabel (siehe Infokasten). Nur jeder fünfte Patient kann operativ behandelt werden, allen anderen bleibt eine Chemotherapie, vereinzelt auch Bestrahlung, als lebensverlängernde Maßnahme. Die Prognose bezeichnet Stinner als „extrem schlecht“. Nur 2,5 Prozent der Patienten haben eine Überlebensrate von fünf Jahren.

Im Elbe Klinikum Stade werden pro Jahr rund 30 Pankreaskrebs-Operationen durchgeführt. Vorgeschaltet ist die Diagnostik der Gastroenterologen, die im Einzelfall auch therapeutisch aktiv werden – beispielsweise durch das Setzen von Stents, wenn ein Tumor etwa den Gallengang abdrückt und durch den entstehenden Stau massive Schmerzen erzeugt. Pelz: „Wir sind ja froh, wenn wir operieren können. Die Erfahrung zeigt, dass die operierten Patienten länger leben.“ Begleitend und in den inoperablen Fällen kommen die Onkologen der Hancken-Klinik zum Einsatz. Frühauf: „Hier geht es einerseits um die Reduktion des Tumors, andererseits aber auch um die Schmerztherapie. Der Patient soll möglichst wenig Beschwerden haben.“

Die Tumorkonferenz

Jeder onkologische Fall (etwa 15 bis 25 Fälle pro Woche) wird unabhängig vom befallenen Organ auf einer wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenz interdisziplinär diskutiert. In dieser Runde von etwa einem Dutzend Spezialisten sind zwingend die Pathologie, die Radiologie, die Gastroenterologie, die Strahlentherapie, die Viszeralchirurgie (von lateinisch viscera = „Eingeweide“) und die Systemische Therapie (Onkologie) vertreten. Hinzu kommen niedergelassene Ärzte und Vertreter aus weiteren medizinischen Disziplinen wie beispielsweise der Psychoonkologie.

Die Zertifizierung als Pankreaskrebszentrum hat nicht nur das Ziel, medizinische Expertise zu konzentrieren, es werden auch weitere Aspekte gefordert: Vorsorge, Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit sowie Informationsveranstaltungen. Die Mediziner kämpfen quasi im Verbund gleich an mehreren Fronten. Hinzu kommt: Jeder Fall liegt anders, jede Behandlung ist individuell abgestimmt und ergibt sich aus dem Zusammenspiel der Disziplinen. Der Vollständigkeit halber: Die Elbe Kliniken sind auch zertifiziertes Darmkrebszentrum – wobei die Prognosen hier deutlich besser sind. wb