Der Buxtehuder Weg

Das Team der Wirtschaftsförderung in Buxtehude: Sabrina Neuwerk (von links), Karin Kahnenbley, Barbara Rode, Kerstin Maack und Kirsten Böhling. Foto: Hansestadt Buxtehude

B&P-GESPRÄCH Wirtschaftsförderin Kerstin Maack über Gründungsaktivitäten, Netzwerke und junge Unternehmen

Sie sind die Zukunft, und sie sind umworben: Gründer stehen derzeit hoch im Kurs, wenn es darum geht, Wirtschaftsstandorte perspektivisch zu entwickeln. Doch nicht jede Stadt hat eine sichtbare Gründerszene wie etwa Hamburg oder Berlin. Wie Buxtehude mit dem Thema umgeht, erläutert Kerstin Maack, Leiterin der Wirtschaftsförderung, im Gespräch mit B&P. Während im benachbarten Buchholz das Gründungszentrum ISI aus allen Nähten platzt, geht Buxtehude einen eigenen Weg. Und setzt dabei auf einen großen Standortvorteil: eine gutsortierte Industrielandschaft, eine gesunde Branchenmischung und mit der Hochschule21 eine Einrichtung in der Stadt, die den Zufluss junger Menschen sichert. Interessante Unternehmen vor Ort und gut 1000 Studenten – daraus lässt sich etwas machen.

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Kerstin Maack: „Uns beschäftigt die Frage, was aus dem Standort heraus passieren kann. Als Wirtschaftsförderung verfolgen wir das Ziel, den unternehmerischen Austausch zu forcieren – zum einen, um Synergien zu ermöglichen, zum anderen aber auch, um durch den Austausch von Ideen und Wissen letztlich Gründungen anzuschieben. Wir haben mit den 1000 jungen Menschen in der Stadt ein großes Potenzial, auch wenn die Studenten in der Regel durch die dualen Studiengänge bereits an Unternehmen gebunden sind. Das liegt in der Struktur der Hochschule21 begründet. Insbesondere vor dem Hintergrund der Digitalisierung wollen wir Anreize für Gründungen schaffen und unterstützen zugleich unsere Unternehmen bei der Bestandsentwicklung. Dabei setzen wir auch auf die Kompetenz der jungen Leute.“

Das Dialogforum

Mit dem Dialogforum hat die Wirtschaftsförderung bereits ein Veranstaltungsformat etabliert, das sich im Verbund mit den Unternehmen mittlerweile speziell mit Fragen zu Industrie 4.0, Mitarbeitermotivation und Recruiting befasst hat. Auch Themen wie die Systemstabilität der Energienetze, die Modellregion Wasserstoff und E-Mobilität werden diskutiert. Beim bevorstehenden zehnten Dialogforum wird es um die heikle Frage gehen, was eigentlich passiert, wenn einmal – Argentinien lässt grüßen – der Strom über mehrere Tage ausfallen sollte.

Vier junge Unternehmen

Kerstin Maack: „Das Dialogforum ist ein gutes Beispiel für die Schaffung von Beziehungen zwischen den Unternehmen.“ Auch das TZEW und die Hochschule21 sind in den übergeordneten Dialog eingebunden – ebenso wie junge Studenten der Hochschule und der Wirtschaftsverein.

Eine lokal verortete Gründerszene gibt es dennoch in Buxtehude nicht, wohl aber ein paar junge Unternehmen, die sich in der Estestadt angesiedelt haben – zum Beispiel die Smart Marina Berth Logistics GmbH (SMBL) von Andy Damnig (Gründerpreisträger 2018), der mittels Sensoren eine App für Liegeplatzbuchungen in Häfen steuert. Oder Jörg Hollmann, der das Unternehmen JH Aircraft gegründet hat und mit der Hochschule21 das Leichtflugzeug „Corsair“ entwickelt. Auf dem ehemaligen Lintec-Gelände haben sich Janek und Kevin Köpcke mit dem Start-up Gräfenhof Tee niedergelassen. Sie erhielten den Gründerstar 2017. Und dann wären da noch das Thema Bier und der Landwirt Moritz Bartmer, der gemeinsam mit dem Buxtehuder Unternehmen Herbst eine Trommelmälzanlage errichtet hat. Einen Kontakt zu Braumeister Marco Hacker stellte die Wirtschaftsförderung her. Auf Gut Immenbeck werden nun individuelle Biersorten entwickelt. Vier Beispiele für Gründungen in Buxtehude.

Für Kerstin Maack hat der Standort Buxtehude genügend Potenzial, eine Gründerszene aus sich selbst erwachsen zu lassen. Die Wirtschaftsförderung unterstützt alle Initiativen, die in diese Richtung gehen – unter anderem seit fast zwei Jahrzehnten mit dem Gründungsnetzwerk, das Kirsten Böhling pflegt. Sie ist die Ansprechpartnerin für Menschen, die sich vor den Toren Hamburgs in Buxtehude selbstständig machen wollen. wb

Auch in diesem Jahr wird vom Stader Gründungsnetzwerk wieder der „Gründerstar“ verliehen. Bewerbungen können noch bis zum 15. August eingereicht werden. Infos im Web unter www.stader-gruendungsnetzwerk.de