Wir müssen alle an einem Strang ziehen!

Der Vorstand des Wirtschaftsvereins im Buxtehuder Rathaus (von links): Andrea Werner, Carsten Schwerdtfeger, der Vorsitzende Uwe Fricke, Lars Oldach, Stefan Babis und Glen Streckwaldt. Bei dem Fototermin nicht dabei: Silvia Hotopp-Prigge und Niels Schütte.Foto: Wolfgang Becker

INTERVIEW Uwe Fricke, Stefanie Feindt, Stefan Babis und Andrea Werner über die Rolle, die Ziele und die Wünsche des Wirtschaftsvereins Buxtehude

Der Wirtschaftsstandort Buxtehude hat traditionell nicht nur eine große Bandbreite von Unternehmen verschiedenster Branchen zu bieten, sondern besitzt darüber hinaus auch einen regen Wirtschaftsverein mit etwa 250 Mitgliedern. Dieser versteht sich ganz ausdrücklich nicht als geschlossene Gesellschaft. Der Verein hat großes Interesse daran, dass sich die Unternehmerschaft im Einzugsgebiet zusammentut, um ihre Interessen in der Region zu vertreten. Welche Ziele der Verein verfolgt, darüber sprach B&P-Redakteur Wolfgang Becker mit dem Vorsitzenden, Uwe Fricke, den Vorstandsmitgliedern Andrea Werner und Stefan Babis sowie Geschäftsführerin Stefanie Feindt.

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Der Wirtschaftsverein Buxtehude bietet Mitgliedern und Interessierten ein vielfältiges Programm und vor allem die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Was ist das oberste Ziel des Vereins?

Andrea Werner: Es geht im Wesentlichen darum, Unternehmen zusammenzubringen, Ideen auszutauschen und Kontakte zu Gründern herzustellen.

Steht der Netzwerkgedanke im Vordergrund?

Uwe Fricke: Man hat als Selbstständiger ja recht wenig Gelegenheit, sich auszutauschen. Hier finden Unternehmen Ansprechpartner und werden schnell feststellen, dass sie mit möglichen Problemen nicht alleine sind.

Wie lange braucht ein Unternehmen, das sich in Buxtehude neu angesiedelt hat, um den Kontakt aufzubauen? Kommt man schnell rein?

Stefanie Feindt: Der erste Kontakt geht in der Regel über die Wirtschaftsförderung der Stadt – zum Beispiel wenn Räume gesucht werden. Da haben wir ein unausgesprochenes Agreement. Wir werden als Kontaktbörse empfohlen.

Uwe Fricke: Es gibt Unternehmer, die werden Mitglied, haben aber ihr Geschäft noch nicht einmal eröffnet. Und es gibt Unternehmer, die sind schon seit zehn Jahren in Buxtehude, bis sie registrieren, dass wir hier einen tollen Verein haben.

Stefan Babis: Ich denke, es wird Interessenten sehr einfach gemacht, in den Verein hineinzukommen.

Der Name macht deutlich: Hier geht es um die Wirtschaft in Buxtehude. Ist der Verein sozusagen eine „geschlossene Gesellschaft“ nach dem Motto „Buxtehuder only“?

Andrea Werner: Ich komme aus Stade und arbeite in Apensen . . .

Uwe Fricke: So sollte der Name sicherlich nicht verstanden werden. Buxtehude ist die Keimzelle, hier sind wir entstanden. Und ich denke auch, 90 Prozent der Mitglieder kommen aus Buxtehude, aber natürlich sind wir offen – es gibt ja auch Mitglieder, die daran in­teressiert sind, Geschäfte mit Unternehmen in Buxtehude zu machen. Wir wollen nicht in unserem eigenen Saft
schmoren.

Stefan Babis: Das ist hier definitiv keine geschlossene Gesellschaft!

Stefanie Feindt: Das spiegelt sich auch im Vorstand wieder: Wir haben ein Unternehmen in Apensen, mit Lindemann eines in Stade, die Agentur Kernhaus sitzt in Jork, SchlarmannvonGeyso in Harburg.

Wie haben Sie Ihre Arbeit im Verein strukturiert?

Stefanie Feindt: Bis auf meine Stelle haben wir alles ehrenamtlich organisiert. Das gilt für den Vorstand, aber auch für die drei Arbeitskreise: Personal, Steuer-Recht-Finanzen und Medien. Darüber hinaus haben wir verschiedene Veranstaltungsformate, beispielsweise das Unternehmerfrühstück.

Werden Mitglieder in den Arbeitskreisen beraten?

Andrea Werner: Es geht eher darum, Referenten zu spezifischen Fragen einzuladen und auf diesem Weg Fachwissen zu transportieren. Als Verein dürfen wir schon aus Haftungsgründen nicht beraten.

Der Verein verfügt über Räumlichkeiten im Rathaus – hat also eine enge Verbindung zur Legislative. Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Uwe Fricke: Der kurze Dienstweg führt dazu, dass wir immer im engen Kontakt zur Stadt stehen und gesprächsbereit sind. Wir wollen uns ja nicht gegen die Stadt stellen. Unser Ziel ist es, Veränderungen im Einvernehmen mit der Stadt in die Wege zu leiten. Dialog ist das Wichtigste überhaupt. Was aber nicht bedeutet, dass wir hier völlig unkritisch alles mittragen. Aber eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Wirtschaftsverein ist mir sehr wichtig.

Wie beurteilen Sie die Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Buxtehude?

Andrea Werner: Grundsätzlich ist der Standort durch die Nähe zu Hamburg sehr interessant, aber dennoch hatten wir jetzt mehrere Abwanderungen großer Unternehmen. Es ist sicherlich nicht so einfach, diesen Verlust durch entsprechende Ansiedlungen wieder auszugleichen. Auf der anderen Seite ziehen wir durch die hochschule 21 auch Fachkräfte an.

Uwe Fricke: Durch die Nähe zu Hamburg haben wir eine noch höhere Attraktivität als wir sie als Kleinstadt für sich betrachtet ohnehin schon haben. Die Gesellschaft muss dafür sorgen, dass Buxtehude ein attraktiver Wohnort bleibt. Mir fehlt ein bisschen die Aussage, wofür Buxtehude eigentlich steht und wohin die Stadt eigentlich will. Das vermisse ich ein wenig die Ideen. Drei große Firmen haben den Standort verlassen, und dagegen konnte die Stadt auch gar nichts unternehmen. Aber jetzt müsste überlegt werden, wie der Standort wieder belebt werden kann und ob es Synergien mit Hamburg gibt.

Die Wirtschaftsförderung betont immer wieder die Vielfalt der Buxtehuder Wirtschaft. Ist das nicht auch ein Vorteil gegenüber Städten, die beispielsweise komplett von der Autoindustrie abhängig sind?

Stefan Babis: Das ist es. Dennoch brauchen wir ein Wirtschaftskonzept für die Stadt, das alle Standortfaktoren wie zum Beispiel Infrastruktur, Wohn- und Lebensqualität, attraktive Arbeitsplätze sowie Aus- und Fortbildung abbildet. Das gemeinsame Ziel sollte sein, dass Buxtehude weiterhin attraktiv für Unternehmen ist.

Wo besteht darüber hinaus akuter Handlungsbedarf? Stichwort A26.

Uwe Fricke: Buxtehude verwaltet halt viel. Ich bin mit dieser Autobahnabfahrt am Ende der Rübker Straße, wenn sie denn so kommen soll, aus wirtschaftlicher Sicht nicht zufrieden. Ich kann mir nicht vorstellen, was diese Abfahrt für Buxtehude bringen soll. Ich sehe diese Abfahrt so nicht. Wir haben immer gefordert, dass das Industriegebiet angeschlossen wird. Aber es heißt immer nur, das gehe nicht – weil die Trasse ein Naturschutzgebiet berühren würde und eine Bahnstrecke kreuzt.

Stefan Babis: Das ist ein Thema für die großen Unternehmen, die unbedingt eine gute Infrastruktur nach Hamburg benötigen.

Wie sind Ihre Kontakte zu benachbarten Vereinen – beispielsweise nach Harburg?

Andrea Werner: Die Süderelbe AG ist Mitglied bei uns – und wir sind dort Mitglied.

Uwe Fricke: Zur Süderelbe AG besteht guter Kontakt, zum Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden leider noch nicht, aber das wollen wir jetzt gerne ausbauen. Auch nach Stade hatten wir immer Kontakte. Wir können überall gut Geschäfte mit Südamerika machen, also interessieren uns auch Geschäfte, die wir hier im Umkreis machen können.

Welche Rolle spielt das Thema Metropolregion im Wirtschaftsverein Buxtehude?

Stefan Babis: Das spielt bei einem nicht unerheblichen Teil unserer Mitglieder schon eine wichtige Rolle. Viele machen in der Metropolregion Geschäfte mit Partnern und Kunden.

Ist es denn im Sinne der Buxtehuder Wirtschaft, unter das Marketing-Kissen der Metropolregion zu kriechen?

Andrea Werner: Ich habe schon manchmal das Gefühl, dass die einzelnen Standorte immer noch im eigenen Saft schmoren . . .

Uwe Fricke: Aber wir haben alle die gleichen Ansätze. Wobei ich finde, dass Buxtehude da noch eher mit Buchholz vergleichbar ist als mit Stade, weil wir absolute Randgemeinden von Hamburg sind und von der Metropole sehr stark profitieren. Wir sind auch Airbus-Standort. Trotzdem haben wir hier im Süden alle dieselben Probleme: die Elbe, die Verkehrsprobleme, die unfertige A26. Diese Hindernisse werden uns noch Jahre beschäftigen, was natürlich auch hinderlich für Unternehmen ist, die sich dann lieber im Norden als im Süden niederlassen. Hamburg-Harburg hat meines Erachtens teilweise dieselben Probleme wie wir. Wir müssen bis nach Lüneburg rüber alle an einem Strang ziehen und unseren Wirtschaftsraum bekannt machen.

Stefanie Feindt: Ein Problem sind die kommunalen Grenzen. Die übrigens für die Wirtschaft gar nicht gelten. Wir greifen das Thema Metropolregion im Rahmen unserer Möglichkeiten immer wieder auf.

Wenn Sie aus Sicht der Wirtschaft vier Wünsche frei hätten, also jeder einen, welche wären das?

Uwe Fricke: Mein großer Wunsch wäre ein vernünftiges und zukunftsfähiges Verkehrskonzept für Buxtehude mit Anbindung des Industriegebiets.

Stefanie Feindt: Dass die Themen in den Unternehmen noch viel stärker an uns herangetragen werden – in dem Sinne, dass wir als Verein darauf besser mit Angeboten und Veranstaltungen reagieren könnten.

Andrea Werner: Mein Wunsch wäre, dass sich mehr Unternehmen für den Standort Buxtehude interessieren. Und dass wir uns entsprechend attraktiv darstellen.

Stefan Babis: Eine zeitgemäße leistungsfähige digitale Infrastruktur. Das ist lebenswichtig für die Wirtschaft.