„Der Markt ist in Bewegung“

Mirco Schulz, Geschäftsführer und Inhaber der ProTec GmbH Foto: ProTec GmbH

Maschinenbau: ProTec-Geschäftsführer Mirco Schulz über 3D-Druck vs. NC-Programmierung – und eine überraschende Anfrage aus England

Als vor wenigen Jahren der 3D-Druck speziell auch für den Metallbereich erste nennenswerte Objekte hervorbrachte und sogar Airbus 3D-Bauteile in Flugzeuge einbaute, da waren die dunklen Wolken am Horizont der Maschinenbauer vorprogrammiert: Eines Tages wird der 3D-Druck die traditionelle CNC-Fräse ablösen. Auch Mirco Schulz, geschäftsführender Gesellschafter der ProTec GmbH in Buxtehude, stand vor der Frage, was die Zukunft wohl bringen würde. ProTec ist spezialisiert auf die Programmierung von NC-Maschinen mit Schwerpunkt im Flugzeugbau und seit Jahrzehnten für Airbus und Zulieferer des europäischen Flugzeugbauers erfolgreich. Seine Antwort: Schulz baute die Bereiche 3D-Druck und 3D-Scan aus – beides artverwandte Geschäftsfelder, wenn es um die Behandlung digitaler Daten geht. Nachdem die Nachfrage im Bereich der NC-Programmierung tatsächlich zurückgegangen war, zieht sie ausgerechnet jetzt wieder deutlich an – und das in wirtschaftlich turbulenten Zeiten mit ungewisser Zukunft für bestimmte deutsche Industriezweige.

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Schulz: „Es ist Stand heute bei weitem nicht so, dass der 3D-Druck den Einsatz von NC-Maschinen ablösen wird. Die Verfahren sind speziell und unverhältnismäßig teuer. Allerdings ist 3D-Druck im Flugzeugbau durchaus eine wichtige Technologie, denn dort geht es in der Produktion vor allem um Gewichtseinsparungen. Die sind mit 3D-Verfahren gut zu erzielen.“ ProTec ist mit dem Flugzeugbau in Finkenwerder und Varel groß geworden. Etwa drei Viertel der Aufträge kommen aus der Luftfahrtbranche. Nachdem die A380 fertig war, fiel weniger Arbeit an – das bekamen die Buxtehuder Spezialisten zu spüren. Doch jetzt wendet sich das Blatt.

Schulz: „Der Markt ist in Bewegung. Wir treten jetzt in die Phase der Optimierung von Bauteilen ein, sind in Mexiko, Rumänien und ganz Europa gefragt. Das gilt für Komponenten aus dem Flugzeugbau, also den Maschinenbau der Zulieferer sowie deren Maschinenparks, denn hier werden jetzt die Verfahren verbessert, was wiederum für Programmieraufwand sorgt.“ Ein Beispiel: Nach dem Fräsvorgang in einer traditionellen NC-Maschine müssen die Bauteile entgratet werden – bislang oft in Handarbeit. Mittlerweile wird auch dies maschinell erledigt, wenn die Maschine dazu technisch in der Lage ist und die entsprechenden Anweisungen bekommt – durch die Programmierer von ProTec.

Von drei auf fünf Achsen . . .

Und noch ein Umstand belebt den Markt. Mirco Schulz: „Einige unserer Kunden modernisieren derzeit ihren Maschinenpark, stellen beispielsweise von Drei-Achs- auf Fünf-Achs-Maschinen um. Dadurch wird der Fräskopf beweglicher und erreicht mehr Seiten im Werkstück. Selbst für die Produktion von Standardteilen entsteht dabei hoher Programmieraufwand.“ Neue Maschinen können das Fräsen und zum Beispiel seitliche Bohrungen in einem Arbeitsgang erledigen – das heißt, verschiedene Herstellungsprozesse müssen miteinander „verheiratet werden“. Der Vorteil: Das Werkstück muss nicht mehrfach aufgespannt werden – das spart Zeit und Kosten.

Es geht bei den Programmieraufträgen allerdings nicht immer um „normale“ NC-Maschinen, die mit hoher Präzision Bauteile aus Metallblöcken fräsen. Schulz: „In England sollen wir jetzt Programmierarbeiten an einer Laser-Reinigungsanlage übernehmen, die in Bremen betrieben wird. Hier werden die Komponenten für die Booster der neuen Ariane-Rakete gereinigt. Der Hersteller der Anlage hat angekündigt, sich aus dem Programmier-Support zurückzuziehen. Nun erging die Frage an uns. Das sind große Maschinen, in denen entsprechend große Bauteile gereinigt werden.“ Dass die Anfrage bei ProTec landete, ist indes kein Zufall – die Buxtehuder sind seit Jahren auch in der Raumfahrt gefragt. Mirco Schulz beschäftigt ein Team von acht Spezialisten für den Bereich Konstruktion und Programmierung. Er sagt: „In vielen Maschinenbauunternehmen wird noch mit normalen zweidimensionalen Zeichnungen gearbeitet. Wenn diese Firmen modernisieren und sich eine NC-Fräse anschaffen, müssen auf Basis der Zeichnungen selbst für einfache Werkstücke 3D-Modelle konstruiert und anschließend programmiert werden. Das machen wir.“ wb

Web: https://www.nc-protec.net/