So wird Harburg zur Hotel-Hochburg im Süden

Überraschungscoup à la Mönke: Auf dem familieneigenen Grundstück im Harburger Binnenhafen planen die drei Brüder Heiko, Ingo und Guido Mönke unter Begleitung der Immobilienexperten von Imentas das Aqua2 Dock, zu dem auch ein Hotel zählt: das „the niu Quay“, betrieben von der Hamburger Novum Hospitality.

Werden alle derzeit angeschobenen Projekte realisiert, bedeutet das eine Vervierfachung der vorhandenen Zimmer-Kapazitäten – Das Bezirksamt reagiert gelassen

Eben noch ein Plan, schon wird es konkret: Der Hamburger Süden, speziell der Standort Harburg als Scharnier zwischen der Metropole Hamburg und den angrenzenden niedersächsischen Landkreisen Stade und Harburg, erlebt derzeit eine überraschende Kurskorrektur auf dem Immobiliensektor. Wo eben noch der Wohnungsbau klar dominierte, schießen nun neue Projekte aus dem übergreifenden Bereich der Beherbergungsbranche aus dem Boden. Stichworte: Hotels, Studentenwohnheim (Binnenhafen), Azubi-Wohnheim (Seehafenbrücke), Boardinghouse (Bahnhof) – in allen Fällen geht es um befristetes Wohnen.

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Speziell auf dem Hotelsektor übertreffen sich die Aktivitäten der Investoren gegenseitig. Den Anfang hatte vor etwa drei Jahren die Lorenz Gruppe gemacht, die im Binnenhafen ein großes Hotelprojekt plant, bislang aber noch nicht den Realisierungsstatus erreicht hat. Im vorigen Jahr veröffentlichte Channel-Begründer Arne Weber seine ambitionierten Pläne für das HIP Hotel Hamburg – mit 600 Zimmern das größte Hotelprojekt der Hansestadt. Fast unbemerkt hat die
aestate Immobilienentwicklung AG mit den Vorbereitungen für die rückwärtige Bebauung des Gasthauses „Goldener Engel“ in der Harburger Schloßstraße begonnen – hier entsteht ein weiteres Hotel im Binnenhafen.

„the niu Quay“

Damit nicht genug: Die Mönke-Familie (Paletten-Service Hamburg AG) steigt in das Investorengeschäft ein und baut unter anderem das Hotel „the niu Quay“ – natürlich im Binnenhafen. Auch die CG-Gruppe will Hotelzimmer anbieten und plant sowohl ein Zwei-Sterne- als auch ein Vier-Sterne-Haus im Rahmen des „Neuländer Quarrees“. Wo? Im Binnenhafen. Nur der Vollständigkeit halber und nicht im Hafen: Nach einer mehrjährigen Hängepartie hat nun auch das Hotel Hamburg Blick auf dem Geestrand in Hausbruch wieder eine Perspektive – als eines von drei Hamburger Design-Hotels unter dem Dach des stilwerks.

Unter dem Strich heißt das: Die mit derzeit etwa 500 Zimmern eher vernachlässigte Harburger Hotelszene rüstet mächtig auf. Würden alle Projekte verwirklicht, kämen rund 1500 Zimmer hinzu. „Kein Grund zur Panik“, heißt es aus dem Bauamt. Baudezernent Jörg Heinrich Penner sieht der Entwicklung äußerst gelassen entgegen. Und Citymanagerin Melanie-Gitte Lansmann, die unter anderem Harburgs Rolle als Touristen-Standort für Exkursionen sowohl ins Hamburger City-Leben als auch in das vielfach naturnahe Umland mit Heide, Obstbau, Elbe & Co. forciert, sieht sich ebenfalls bestätigt.

Von Wolfgang Becker