400.000 Euro eine psychologische Grenze beim Wohnungskauf

Erst die Arbeit (Rasenmähen), dann das Vergnügen (erfolgreich verkaufen): Makler Dirk Sauer von DBS Immobilien legt Wert auf eine gute Präsentation seiner Objekte. Foto: DBS

Mehr als 400.000 Euro für eine Doppelhaushälfte in Harburg? Was im vorigen Jahr noch mit einigermaßen Erstaunen registriert wurde, ist heute Normalität. Das bestätigt Makler Dirk Sauer von DBS Immobilien aus Marmstorf: „2016 war das noch der Durchbruch einer Schallmauer, aber jetzt sind Preise in dieser Höhe nicht mehr ungewöhnlich.“ Will heißen: Die Immobilie ist noch immer stark nachgefragt, allerdings gilt das nicht vorbehaltlos, wie Sauer sagt:

„Der Markt spaltet sich. Während es für Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser eine hohe Nachfrage gibt und sich entsprechend gute Preise für den Verkäufer erzielen lassen, ist der Zenit bei den Eigentumswohnungen offensichtlich erreicht. Bei Neubau-Preisen von 5000 Euro pro Quadratmeter winken viele potenzielle Käufer ab. Da werden schnell mal 400 000 Euro und mehr für eine Wohnung fällig – das ist so etwas wie eine psychologische Grenze.“

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Zum Vergleich: Wer beispielsweise eine 25 Jahre alte Bestandswohnung kauft, kommt deutlich günstiger weg – die Preise liegen dann je nach Lage und Zustand bei rund 2500 Euro pro Quadratmeter. Ist die Lage nicht 1A, werden Mak­lern die teuren Objekte keineswegs aus den Händen gerissen. Gleichwohl sind die Zeiten für den Immobilienhandel angesichts noch immer niedriger Zinsen nach wie vor golden, und Sauer peilt sein bisher erfolgreichstes Geschäftsjahr an.

Schnell verdientes Geld?
Für Anleger ist der Preis ebenfalls die alles entscheidende Größe: Bei Neubaupreisen von 5000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche lassen sich im Harburger Raum keine Renditen mehr erzielen. Grund: Maximal ist nur eine Quadratmetermiete von 12 bis 13 Euro durchzusetzen.

Was der Marmstorfer Makler bedauert: Die Ausweisung von Bauland und die Herstellung der Baureife in manchen Gebieten bleibt weit hinter den Möglichkeiten Harburgs zurück. Die hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien kann nicht befriedigt werden. Im Gegenzug entsteht ein latenter Objektmangel, denn Häuser, die beispielsweise aus Altersgründen aufgegeben werden, gehen schnell weg. So leiden viele Makler darunter, ihren kaufwilligen Kunden zu wenig anbieten zu können. Sauer: „Ist man allerdings im Markt präsent und bekommt die richtigen Angebote von Kunden, die verkaufen wollen, dann läuft es richtig gut.“

Wer nun meint, Makeln sei schnell verdientes Geld, liegt falsch. Gerade Bestandsimmobilien müssen häufig zunächst marktreif gemacht werden. Dirk Sauer bietet mittlerweile ein eigenes Homestaging-Programm an und richtet ein leer stehendes Haus so her, dass ein potenzieller Kunde einen Eindruck davon bekommt, wie es hier später aussehen könnte. Sauer: „Bevor es an den Verkauf geht, analysiere ich die Stärken und Schwächen eines Objekts. Manchmal muss eben auch mal der Maler durchgehen oder der Garten in Schuss gebracht werden. In der Regel treffe ich dazu eine arbeitsteilige Regelung mit dem Eigentümer. Sauberkeit, ein gemähter Rasen und ein aufgeräumter Keller – das hat schon Vorteile. Es lässt sich eben nicht alles zu jeder Zeit einfach mal so eben verkaufen.“

Aus dem Makler wird in diesen Fällen dann schnell mal ein Allround-Organisator in Sachen Präsentation und Marketing. Sauer sagt: „Es sind häufig nur mal 2000 bis vielleicht 4000 Euro, die ich dafür ausgeben muss – aber das Geld ist gut investiert und kommt über den erzielten Preis zurück.“ Und: „Wir behandeln die Immobilien so, als seien sie unsere eigenen Objekte. Wir versuchen, das Beste herauszuholen.“ wb

www.dbs-immobilien.de