Gonnnnnng!

Üben sich in der Kunst, die Zukunft zu denken: Christoph Birkel (links), Geschäftsführer des hit-Technoparks, und Berater Matthias Abel von Haruki. Foto: Wolfgang Becker

Christoph Birkel arbeitet an einem Zukunftsprojekt für den hit-Technopark.

Es ist fast schade, dass die Digitalisierung so leise daherkommt. Würde sie Töne erzeugen, ließe sich das zu erwartende akustische Signal vielleicht am ehesten mit einem gewaltigen Gong-Schlag vergleichen, der durch Mark und Bein geht, alles zum Vibrieren bringt und lange nachhallt. Was also tun, wenn die Zeit für einen Moment stillzustehen scheint, sich die Zeiger der Uhr aber in Wahrheit immer schneller drehen? Eine Strategie entwickeln, um sich für die Zukunft zu rüsten! Genau dies tut derzeit Christoph Birkel, Inhaber und Geschäftsführer des hit-Technoparks in Harburg: „Ich stelle mir die Frage, wo der hit-Technopark in zehn Jahren steht. Wo wollen wir hin?“ Birkel hat sich dazu mit Matthias Abel einen versierten Sparringspartner gesucht. Abel ist Partner bei Haruki, einer Strategie- und Innovationsberatungsagentur aus Hamburg.

Was wir gut können . . .
Eigentlich winkt Birkel bei dem Begriff Innovation schon ab. „Ich finde, das Wort wirkt mittlerweile abgegriffen. Klar, alle wollen Innovationen. Aber wie geht das eigentlich? Wie können wir dem innovativen Zufall auf die Sprünge helfen? Das lässt sich auch auf einen Gewerbepark übertragen: Gebäude anbieten kann jeder, aber entscheidend ist: Was passiert da . . . ?“ Mit diesem Ansatz ist Birkel in die Diskussion gestartet und mittlerweile an einem Punkt, an dem klar wird: Es geht nicht etwa nur um neue Ideen, sondern um etwas Größeres – die Schaffung einer kreativen Atmosphäre. Genau das soll der Technopark der Zukunft bieten.

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Im Silicon Valley, so wird vielfach berichtet, herrscht genau diese Atmosphäre. Ideen sind nicht geheim, sondern werden offen diskutiert. Zunehmend erwachsen neue Geschäftsmodelle aus einer Art von Schwarm­intelligenz. Viele Köpfe tragen dazu bei. Ein Modell, das deutschen Innovationsmechanismen in jeder Weise widerspricht, wie Abel bestätigt: „Je erfolgreicher wir werden, desto stärker kreisen wir um unser eigenes Geschäftsmodell. Wir konzentrieren uns auf das, was wir gut können. Und wir sind darauf getrimmt, das noch besser zu machen, was wir schon gut können.“ Oder anders ausgedrückt: „Wir kochen erstmal allein ein leckeres Süppchen, das wir dann präsentieren.“

Von wegen „Viele Köche verderben den Brei“ – Matthias Abel ist da anderer Meinung: „Besser wird meine Idee, wenn wir unser Wissen zusammentun. Niemand ist so schlau wie alle zusammen.“ Deshalb, so seine Überzeugung, müsse der Prozess des Prototyping neu definiert werden. Die Historie ist allerdings eine andere. Abel: „Geistiges Eigentum wird vielfach noch als Wettbewerbsvorteil betrachtet, weil es immer so war. Sicherlich ist ein Monopol eine gute Idee, aber mittlerweile geht es um die kritische Masse. Die Geschichte lässt uns keine Chance – wir müssen umdenken.“ Kurz: Alleingänge waren gestern, ab sofort ist die Community klar im Vorteil.

„Wir sehen den Trend“
Auch Birkel sagt: „Sharing ist das neue Gesellschaftsmodell. Schauen wir nur auf die junge Generation, sie wächst mit dem Smartphone auf und teilt ständig alles Mögliche. Wobei Geschwindigkeit belohnt wird. Wir sehen diesen Trend und fragen uns, wie wir unseren Mietern den Weg dahin erleichtern können.“ Birkel möchte eine reale wie digitale Plattform begründen, die offene Kontakte zwischen Unternehmen herstellt. Warum sollte nicht ein Konzern mit einer kleinen Firma zusammenarbeiten? Entsprechende Veranstaltungsmodule sollen diesen Ansatz fördern. Mitte September gab es dazu ein erstes Treffen mit Designern, Grafikern und Architekten, also Vertretern aus der Kreativwirtschaft und Ingenieuren aus dem hit-Technopark. Weitere Treffen werden folgen.
Im zweiten Schritt sollen Kompetenzen zusammengeschaltet werden – bis hin zum Teilen von Ressourcen. Birkel: „Dazu brauchen wir Transparenz: Wer kann etwas? Wer hat etwas? Wer braucht etwas? Am Ende ist es eine neue Kultur.“ Abel: „Die Plattform ist eigentlich egal – es geht um das Mindset.“ Also eine Veränderung der Denkweise. Der Berater sagt auch: „Ich glaube, das passiert gerade überall in den Unternehmen. Aber: Wo Neues passieren soll, funktioniert das nicht in den klassischen hier­archischen Strukturen. Deshalb gilt auch: Wer innovativ sein will, muss weg von dem Prinzip ‚Verantwortung für Menschen‘ hin zu dem Prinzip ‚Verantwortung für Ideen‘.“

Christoph Birkel ist bereits konkret geworden. Er befragte eine Auswahl seiner 110 Mieter und machte eine Bestandsaufnahme, besuchte andere Technologieparks und Coworking-Spaces. Er baut deutschlandweit Kontakte zu Gründern, Inkubatoren und Trendsettern auf und veranstaltete einen Workshop zur eigenen Standortbestimmung. Und er stellte sich am Ende die ökonomische Frage, ob das Thema eines ist, mit dem sich Geld verdienen lässt. Sein Fazit: „Innovationen entstehen nicht, weil es draußen draufsteht. Der hit-Technopark will mehr als nur ein Vermieter sein, wir werden eine Innovationsplattform. Und ich kann mir gut vorstellen, dass wir diese Rolle über die Grenzen des Technologieparks ausweiten. Das hier ist keine geschlossene Veranstaltung.“