Erfolgversprechende Startups aus dem Gesundheitswesen gesucht

Heyko Brandenburg brachte den Stein ins Rollen: Gemeinsam mit Gunnar Harms hat er Deutschlands ersten Accelerator in Vereinsform ins Leben gerufen. Foto: Wolfgang Becker

Premiere: Deutschlands erster Accelerator in Vereinsform gegründet

Das Thema Gesundheit wird in den kommenden Jahren noch deutlich an Fahrt aufnehmen, da ist sich Heyko Brandenburg (54) sicher. Als Business Angel hat der ehemalige Banker und Wirtschaftsjunior einen besonderen Blick auf junge Unternehmen, die er entwickeln möchte. Daraus entstand die Idee, einen privat finanzierten Accelerator (frei übersetzt: Beschleuniger) zu gründen und das auch noch – völlig ungewöhnlich – in Vereinsform. Gemeinsam mit Gunnar Harms und weiteren Unterstützern hat Brandenburg nun den Next Level Healthcare Accelerator e.V. ins Leben gerufen. Ziel: junge potenzielle Unternehmer binnen eines halben Jahres so fit zu machen, dass ihre Geschäftsidee tatsächlich auch zu Geschäften führt. Als Kooperationspartner hat Brandenburg den hit-Technopark gefunden, der Geschäftssitz des Vereins ist die Süderelbe AG.

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Brandenburg: „Die Grundidee ist vor zwei Jahren schon einmal von der Süderelbe AG diskutiert worden. Es gab bereits ein Konzept für ein Projekt auf niedersächsischer Ebene, das dann aber am Ende doch nicht umgesetzt wurde. Seitdem lag der Accelerator quasi in der Schublade. Daran erinnerte ich mich, als ich mit Gunnar Harms über das Thema sprach. Wir kennen uns aus gemeinsamen Aktivitäten im Gesundheitswesen und haben jetzt die Initiative ergriffen, um einen Sparten-Accelerator im Bereich Pharma, IT und Medizintechnik ins Leben zu rufen.“

Start im ersten Quartal 2020

Normalerweise sind Acceleratoren als Durchlauferhitzer für Startups zu verstehen, die gefördert werden, um ihre Geschäftsideen „zum Fliegen zu bringen“, wie es so schön heißt. Eine gute Idee braucht aber auch eine kaufmännische Basis, Räumlichkeiten für die Umsetzung und nicht selten Startkapital. Brandenburg: „Unsere Initiative ist perspektivisch auf Europa ausgerichtet. Ein Hauptproblem: Im Gesundheitswesen und im Pharmabereich stoßen wir auf einen regulierten Markt. Das führt dazu, dass viele gute Ideen im Keim erstickt werden.“ Und: „Wir wollen uns auf junge Unternehmen konzentrieren, die eine echte Marktperspektive haben. Hier geht es nicht um ellenlange Förderzeiträume, sondern darum, möglichst schnell Geld zu verdienen. Wer eine Zusage bekommt und in den Accelerator aufgenommen wird, der hat ein halbes Jahr Zeit, seine Idee umzusetzen. Im Einzelfall kann es dann noch mal einen dreimonatigen Nachschlag geben.“

Gunnar Harms, seit 15 Jahren im Gesundheitswesen aktiv, wird das operative Geschäft übernehmen, Heyko Brandenburg den kaufmännischen Teil. Er betreibt mit Partnern die Finanzmanufaktur GmbH in Dohren/Landkreis Harburg und hat auch noch eine Importfirma. Beide können sich über eine Premiere freuen: Der Next Level Healthcare Accelerator e.V. ist deutschlandweit ein Novum – der einzige Verein dieser Art. Start soll bereits im ersten Quartal 2020 sein. Die Teilnehmer bekommen finanzielle Unterstützung und Räume. Brandenburg: „Der Vorteil der Vereinsform: Wir sind keine Gesellschaft – es gibt also kein Beteiligungsansinnen. Wer ein Unternehmen gründet, muss nicht fürchten, dass sich die Geldgeber einkaufen. Daran scheitern viele gute Ideen, denn die Gründer wollen Herr über ihr Business bleiben.“ Allerdings sagt Brandenburg auch: „Wir machen nur Projekte, von denen wir wirklich überzeugt sind. Nach der Startphase im Accelerator müssen die Unternehmen finanzierungsfähig sein.“

Zurzeit hat der Verein sieben Gründungsmitglieder. Da er den Zugang zu frischen Ideen ebnet, geht Brandenburg fest davon aus, dass sich auch namhafte Unternehmen beteiligen werden. Die Jahresbeiträge liegen je nach Größe zwischen 10 000 und 50 000 Euro. Der Verein wird entsprechende Räume im hit-Technopark mieten und die Starter eng betreuen und beraten. Brandenburg: Wenn ich alle möglichen Quellen anzapfe, kann ich als Technologie-Startup in Hamburg bis zu 1,3 Millionen Euro Förderung erhalten. Nach drei Jahren ist das Geld weg, und die Gründer sind im Zweifel überhaupt nicht auf den Markt vorbereitet. Genau das wollen wir nicht. Der Verein verzichtet deshalb auch strikt auf öffentliche Förderung. Wir ticken da etwas anders, vielleicht etwas amerikanischer.“

„Je mehr Gründer, desto besser“

Dr. Olaf Krüger, Vorstand der Süderelbe AG, und Christoph Birkel, Aufsichtsratschef der SAG und Betreiber des hit-Technoparks, sind von der Vereinsidee angetan. Die SAG fungiert als Geschäftssitz und Schnittstelle. Birkel sagt: „Wir hoffen, dass es uns gelingt, diese Branche hier im Süden fest zu etablieren. Deshalb unterstützen wir die Aktivitäten. Je mehr Gründer, desto besser.“ Im hit-Technopark gibt es bereits ein paar Firmen, die im Gesundheitswesen angesiedelt sind: Bosch Healthcare (Ebola-Schnelltests), Spiegelberg (Hirnsonden) und BMP (EKG-Entwicklung). Krüger: „Wir kümmern uns um Wachstums- und Zukunftsbranchen. Der Verein ist deshalb auch ein Testballon – wir wollen sehen, ob hier Potenzial vorhanden ist.“ wb