HeimatShoppen: Grundsätzlich eine gute Idee, aber . . .

Christin WorbsChristin Worbs (links) von der IHK Niederrhein referierte in Stade zum Thema HeimatShoppen. Iris Wolf, Vorsitzende des Altstadtvereins Buxtehude, würde sofort Tüten ordern, aber so einfach ist das nicht. Foto: Wolfgang Becker

Kampagne im Rheinland erfolgreich gestartet –
Vortrag bei der IHK Stade – Gewerbevereine reagieren positiv.

Im Rheinland ist das Thema längst aktuell, aber eben auch virulent: Jetzt breitet sich HeimatShoppen möglicherweise auch im Norden Niedersachsens aus. Beim Tag der Gewerbevereine, zu dem die IHK Stade eingeladen hatte, referierte Christin Worbs, Handelsreferentin der IHK Niederrhein, über die in ihrem Hause initiierte Kampagne zur Stärkung des regionalen stationären Handels vor etwa 60 Vertretern der Gewerbevereine aus dem Elbe-Weser-Raum. Das Thema stößt auf breite Zustimmung, doch bereits nach dem Vortrag zeichnete sich ab, dass es so schnell denn doch nicht gehen dürfte.

Hinter dem Begriff HeimatShoppen verbirgt sich der Versuch, bei den örtlichen Konsumenten ein Bewusstsein für den Wert des lokalen Einzelhandels zu schaffen. Geht es dem Handel gut, profitiert auch der Standort. Florierender Handel sorgt für hohe Lebensqualität. Das ist die zentrale Botschaft: Wer Amazon & Co. links liegen lässt und beim örtlichen Händler kauft, tut sich am Ende selbst etwas Gutes. Beispiele, wie es auch zugehen kann, gibt es zuhauf. Leergefegte Fußgängerzonen in strukturarmen Kleinstädten und hohe Leerstände in Ladengeschäften selbst in hoch frequentierten Einkaufsmeilen verbreiten alles Mögliche, nur keine Aufenthaltsqualität.

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Die IHK Niederrhein hat mit ihrer HeimatShoppen-Kampagne bereits zwei Mal für volle Läden gesorgt. Ziel ist es, Händler und Kunden ins Gespräch zu bringen – das einzige Alleinstellungsmerkmal, das der Handel zu bieten hat. Waren, die am HeimatShoppen-Tag verkauft werden, landen in einer speziellen Einkaufstasche mit dem Aufdruck „Ich bin HeimatShopper“. So wird die Kampagne zu einem sichtbaren Bekenntnis zum eigenen Wohnort, also zur Heimat.

. . . es ist nicht einfach, ein echter Heimat-Shopper zu werden

Bei den Vereinsvertretern kam die Aktion gut an. Einfach klonen lässt sie sich jedoch nicht: Heimatshoppen ist eine geschützte Wort-Bild-Marke, die allerdings kostenlos und mit Unterstützung der jeweiligen IHK genutzt werden darf. Ein einzelner Verein kann also nicht mitmachen; er braucht die Kammer, um dem Kunden den roten Teppich auszurollen und ihn einzuladen, HeimatShopper zu werden. Nur mit IHK-Segen dürfen das Logo und der Begriff genutzt werden. In Nordrhein-Westfalen beteiligen sich mittlerweile 121 Städte und Gemeinden mit mehr als 200 Werbegemeinschaften an der Aktion – ein Riesenecho. Begleitet von Presse, Funk und Fernsehen hat sich unter der IHK-Regie eine Heimat-Welle entwickelt, die dem Handel zugutekommt. Rund 3000 Einzelhändler haben 2015 mitgemacht.

Bei den Zuhörern stieß die Aktion auf positive Resonanz – per Handzeichen geäußert. Die Kammer möchte das Feedback nun noch einmal schwarz auf weiß per Mail haben und 2017 zu einem Runden Tisch laden, um das mögliche weitere Vorgehen zu besprechen. Iris Wolf, Vorsitzende des Altstadtvereins Buxtehude, fürchtet, dass dies Verfahren recht lange dauern könnte. Ginge es nach ihr, würde sie am liebsten schon beim nächsten HeimatShoppen-Tag am 9./10. September dabei sein. Finanziert wird HeimatShoppen im Rheinland übrigens über die Vereine/Händler, die Kammern und potenzielle Sponsoren.