Harburg macht mobil

Christoph Birkel und Birgit Detig werben für eine Testzone in Harburg – Repräsentative Umfrage zu innovativen Mobilitätssystemen im Herbst

Wohin geht die Reise – und vor allem womit? E-Auto? E-Scooter? Autonome Shuttles? Fahrrad? Gondel? Car2go? Drohne? Zug? Kaum ein Thema wird derzeit so vielfältig diskutiert wie die Mobilität der Zukunft. Nach dem Dieselskandal und der Erkenntnis, dass die CO2-Bilanz etwas mit dem Klimawandel zu tun haben könnte, wird die Autogesellschaft Deutschland umgepolt – zur Mobilitätsgesellschaft. Über alternative, vor allem aber intelligente Transportsysteme wollen Wissenschaftler aus aller Welt im Oktober 2021 auf dem ITS-Weltkongress in Hamburg diskutieren. Klar, dass die Hansestadt sich darauf intensiv vorbereitet und eines zeigen will: Moderne Mobilitätskonzepte funktionieren nicht nur in Singapur oder China. Das muss auch in Deutschland möglich sein. In Hamburg. Und natürlich in Harburg. Hier haben sich führende Akteure der Wirtschaft zusammengetan und gemeinsam mit Hamburg Invest ein Projekt angeschoben: Zwischen den Standorten von Daimler im Westen (Bostelbek) und der Schlachthofstraße im Osten (Elbcampus, Garz & Fricke, Harburg Freudenberger) soll eine Testzone für neue Technologien eingerichtet werden.

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Einer der Initiatoren ist Christoph Birkel, Geschäftsführer des hit-Technoparks in Bostelbek und Aufsichtsratschef der Süderelbe AG. Er hatte sich gemeinsam mit weiteren Aktiven darum bemüht, dass Harburg in den Stand eines dezentralen Technologieparks erhoben wird. Diese Idee ist mittlerweile in Hamburg angekommen, denn während andernorts entsprechende Quartiere entwickelt werden, ist südlich der Elbe schon alles vorhanden – eben nur nicht an einem gemeinsamen Ort. Zwischen Daimler und der Schlachthofstraße reihen sich namhafte Unternehmen und Institutionen wie eine Perlenkette aneinander.

Der Partnerkreis wächst

Birgit Detig, Geschäftsführerin der Hamburg Invest Entwicklungsgesellschaft (HIE), hatte im vorigen Jahr den Einfall, eine thematische Klammer um das auf den ersten Blick diffuse Gebiet zu legen: Mobilität. An dem gemeinsamen Mobilitätsstrang ziehen neben den Initiatoren HIE und hit-Technopark mittlerweile die TUHH, die Tutech, channel hamburg e.V., der Hamburg Innovationport HIP und der Elbcampus (Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg). Mittlerweile haben sich auch die Helios Mariahilf Klinik Hamburg, die Vereine TuS Harburg und Radeland e.V. (Siedlergemeinschaft) sowie die Holsten-Brauerei, die ganz im Osten neu baut, in die Riege der Partner eingereiht.

Christoph Birkel und die Harburger Wirtschaft haben einen Flyer herausgebracht und werben für die Ideen nach dem Motto „Think big“. Dort heißt es: „Ziel ist es, das Gebiet mit Weitblick durch ein neues, innovatives Mobilitätskonzept zu entwickeln.“ Dabei wird rund um Harburg ein südlicher Halbkreis geschlagen, der von Stade über Buxtehude und Buchholz bis nach Lüneburg reicht und eine Verbindung in die Hamburger City schafft. Das dürfte vor allem in Buchholz aufmerksam registriert werden, denn die Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg plant derzeit den Technologie- und Innovationspark Nordheide und denkt ebenfalls über moderne Mobilitätskonzepte nach.

Das südliche Umland im Blick

Der Blick auf das südliche Umland mit den Landkreisen Stade, Harburg und Lüneburg kommt nicht von ungefähr. Weil auch dort die Wirtschaft wächst, nimmt der Verkehrsdruck in Hamburg stetig zu. Die Süderelberegion produziert zudem nicht nur Waren-, sondern auch Pendlerströme. Viele entnervte ehemalige Bahnkunden stehen morgens zwar im Stau, aber immerhin sitzen sie im eigenen Auto. Insgesamt kann die Situation als angespannt bezeichnet werden: Ein Unfall auf einer der Hauptpendlerstrecken (A1, A7, Wilhelmsburger Reichsstraße) reicht, und es geht nichts mehr in HH. In den Jahren des Wirtschaftswachstums ist es versäumt worden, tragfähige und vor allem attraktive ÖPNV-Netze zu installieren oder auszubauen (S-Bahn), um dem steten Strom privater Pkw in die Hansestadt mit Alternativangeboten entgegenzuwirken.

Kurz: Die Harburger Ideen liegen auf dem Tisch – jetzt sind Politik und Verwaltung gefragt. In dem Flyer wird die Schaffung einer Stabsstelle für die weitere Erarbeitung und Umsetzung des Mobilitätskonzeptes vorgeschlagen. Außerdem sollen in Harburg Areale für die Einrichtung von sogenannten Reallaboren eingerichtet werden. Konkret: beispielsweise eine Flugtrasse für den Einsatz von Transportdrohnen zwischen dem hit-Technopark und dem Channel. Und: Die Installation eine 5G-Netzwerkes sollte erfolgen – als Basis für autonome Transportmittel.

Das Harburger Ideenpaket reicht von ganz simplen Maßnahmen wie der Überprüfung von Grün-Phasen an Ampelanlagen bis hin zu großen und auch teuren Ideen: Bau einer Seilbahn, Einrichtung von autonomen Shuttle-Strecken für Waren- und Gütertransporte sowie die Ausweitung der Carsharing-Angebote. Fast 45 Einzelpunkte werden aufgelistet. Doch was wollen eigentlich die Bürger? Dazu sagt Christoph Birkel: „Wir planen für diesen Herbst eine repräsentative Befragung, um herauszufinden, was sich die Menschen in der Süderelberegion vorstellen können. Dazu werden wir 5000 bis 20 000 Teilnehmer benötigen.“ Die Erhebung wird von der Hamburger HTC Hanseatic Transport Consultancy durchgeführt.

Von Wolfgang Becker