Altes Haus – Neue Hoffnung

Immobilienmakler Dirk Sauer sieht Anzeichen für das Ende der Schockstarre Foto: B&P

B&P-GESPRÄCH Immobilienmakler Dirk Sauer sieht Anzeichen für das Ende der Schockstarre

Der Immobilienmarkt, insbesondere für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser, steht zwar immer noch unter Druck, aber es gibt erste Anzeichen dafür, dass er sich nach der politisch ausgelösten Vollbremsung (Heizungsgesetz) wieder einpendelt. Das ist die Einschätzung von Immobilienmakler Dirk Sauer, Inhaber von DBS Immobilien in Marmstorf und Hittfeld: „Es gibt zwar noch keinen Grund zur Entwarnung, aber die Schaffung von Wohneigentum ist nach wie vor eine gute Idee. Das spiegelt sich im Marktgeschehen wider – wenn auch unter anderen Vorzeichen.“

Dirk Sauer betreut schwerpunktmäßig Kunden im Hamburger Süden und ist mit seinem Büro sowohl in Marmstorf als auch in Hittfeld präsent. Nachdem es zeitweise so aussah, als würde der Handel mit Wohnimmobilien völlig zum Erliegen kommen, sei nun wieder Bewegung zu spüren. Er sagt: „Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser sind wieder gefragt. Die potenziellen Kunden greifen jetzt vielleicht ein oder zwei Etagen tiefer ins Regal, weil es dort preisgünstiger ist, aber das Interesse an einer eigenen Immobilie ist nach wie vor vorhanden.“

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Zwischen morgen und gestern

Ein oder zwei Etagen tiefer – das heißt auch, dass ältere Immobilien, die eben noch aus energetischen Gründen als Ladenhüter galten, plötzlich wieder interessant werden. Dirk Sauer: „Ausgelöst durch die politische Debatte rund ums Heizungsgesetz haben wir es bei Häusern beispielsweise aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren durchaus mit einem Preisverfall zu tun. Die Käufer träumen dabei die Preise von morgen, die Verkäufer träumen die Preise von gestern. Dazwischen klafft häufig eine große Lücke – da ist dann der erfahrene Makler gefragt, beide Seiten zusammenzubringen. Das bedeutet oft langfristige Gespräche. Aber der Markt hat sich verändert. Während Verkäufer gestern noch jeden Preis fordern konnten, herrscht die Goldgräberstimmung heute auf Seiten der Käufer, die nicht davor zurückschrecken, einen vom Makler ermittelten marktgängigen Preis noch einmal deutlich zu unterbieten. Es ist schon manchmal verrückt, was uns da begegnet.“

Ungewöhnlich ist die Situation für Dirk Sauer nicht: „Ich habe solche Zeiten schon mehrfach erlebt. In den 1990er-Jahren gab es auch so ein Tief, was einen Kollegen zu dem Kommentar verleitete, er warte nur noch darauf, dass Käufer das Haus geschenkt haben wollen.“ Die heutige Situation führe dazu, dass die Maklerdienstleistung wieder nachgefragt werde: „Wir müssen wieder richtig arbeiten – und das ist doch auch gut so. Wer lange im Geschäft ist, der kann das. Jetzt geht es darum, die Objekte ‚einzukaufen‘, die vermarktungsfähig sind.“ Und das ist im Zweifel auch mal ein Haus, das schon als Vollsanierungsfall galt. Sauer: „Ich hatte jetzt so einen Fall in Neugraben, dachte, die Fläche könne man nur als Baugrundstück verkaufen. Dann tauchte ein Interessent auf, der sanieren will.“

Da der Neubau aufgrund hoher Finanzierungslasten zurzeit extrem stockt, bekommt manche Bestandsimmobilie plötzlich ein zweites Leben. Dirk Sauer: „Deshalb dürfen auch die Eigentümer von älteren Häusern wieder hoffen. Die Nachfrage nach Wohneigentum ist ungebrochen. Es muss eben nicht mehr zwingend der schicke Neubau sein. Oft reicht ein Bestandshaus – diese Käuferschicht gibt es.“ Was nicht bedeutet, dass alle Probleme aus dem Weg geräumt sind. Stichwort Klimaschutz, CO2-Neutralität und Green Deal. Sauer: „Alte Häuser stehen weiterhin unter Druck. Wir wissen nicht, was da noch alles von der EU oder auch von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wird.“

Erst den Finanzcheck!

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Eine Hürde müssen allerdings auch Käufer von Bestandsimmobilien nehmen: „Finanzierungen sind ein Riesenthema. Es dauert heute nicht mehr Wochen, sondern eher Monate, bis eine Finanzierung steht und die Bank grünes Licht gibt. Viele Kunden schätzen das Thema falsch ein. Wir versuchen das zu kanalisieren. Ich empfehle jedem potenziellen Käufer, dass er einen Finanzcheck macht, bevor er sich auf die Suche nach einem Objekt macht. Das erwarten wir als Makler heute vor dem ersten Besichtigungstermin.“ wb

>> Web: www.dbsimmobilien.de