Nachhaltiger Ausflug in die Seevetaler Unterwelt

Foto: Lorenz GruppeArbeitet auch im Untergrund: Frank Lorenz über das nachhaltige Recycling-Projekt Beckedorf II. Foto: Lorenz Gruppe

Flächenrecycling à la Lorenz: Beckedorf II ist bereit für den Goodman-Neubau

Gesundheitsinsel, Brückenquartier, Tartuer Tor, Wohnen am Hafencampus – das sind Hochbau-Projekte im Hamburger Süden, die dem aufmerksamen B&P-Leser beim Stichwort Lorenz Gruppe in den Sinn kommen. Doch der Hamburger Projektentwickler und Investor Frank Lorenz kann auch Tiefbau: An der Maldfeldstraße in Seevetal, direkt auf der Grenze zwischen Hamburg und Niedersachsen, ist jetzt die 54 000 Quadratmeter große Fläche für das neue Gewerbegebiet Beckedorf II fertiggestellt worden – ein technisches Bauwerk, das sich den Blicken weitgehend entzieht. Damit das australische Logistikunternehmen Goodman hier bauen kann, musste der Untergrund besonders vorbereitet werden. Beckedorf II ist ein Musterbeispiel für Flächenrecycling.

Ressourcen schonen

Mehrere Jahrzehnte hatte sich niemand an das fünfeinhalb Hektar große Gelände herangetraut. Grund: Hier wurde früher Sand abgebaut und die 20 Meter tiefe Grube anschließend so verfüllt, wie es in den 70er-Jahren üblich war: mit Bauschutt, Bodenaushub, Lehm, Grünabfällen, Baumstubben, Holz, Beton und allem, was damals als unbedenklich galt – eine bunte Bodenmischung. In der Folge bildet sich bis heute Methangas im Untergrund. Deshalb galt die Fläche viele Jahre als unbebaubar.

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Frank Lorenz: „Durch den Einbau einer Drainageschicht haben wir die ehemalige Deponie nun nutzbar gemacht und die Fläche wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt. Besser kann man Ressourcen nicht schonen.“ Das Zweieinhalb-Millionen-Projekt wurde öffentlich gefördert – gut investiertes Geld, um die Fläche zu reaktivieren.

Lorenz beauftragte das Unternehmen August Ernst mit der Umsetzung. Zunächst wurde die gesamte Fläche, die einen Niveauunterschied von etwa sieben Metern aufweist, drei Meter tief ausgekoffert. Der Aushub wurde gesiebt und teilweise als Füll- boden ausgehoben beziehungsweise wieder eingebaut. Lorenz: „Auf drei Meter Tiefe haben wir ein sogenanntes Geogitter ausgerollt, das ist ein kräftiges stabilisierendes Kunststoffnetz, das dazu dient, die Lasten auf dem heterogenen Boden besser zu verteilen. Hier liegt Lehm neben Torf, mal ist der Boden härter, mal weich – das mussten wir ausgleichen.“ Auf dem Geogitter liegt eine 30 Zentimeter starke Kiesschicht, die wiederum mit einem Vlies abgedeckt wurde. Über 20 Entgasungsschächte kann das Methan, das sich in der Kiesschicht sammelt, an die Oberfläche entweichen. Die ganze Drainageanlage liegt heute unter drei Meter definiertem Boden. Lorenz: „Wir haben zum Teil Bauschutt aus der Grube herausgeholt, der vor Ort gebrochen, zerkleinert und beigemischt wurde. Metallschrott und Holzreste wurden aussortiert. Im Ergebnis haben wir jetzt eine tragfähige Fläche für Goodman vorbereitet. Die Gasausdünstungen sind von harmloser Konzentration, dennoch wird der Prozess chemisch überwacht. Ein Gutachter hat den Tiefbau begleitet.“

Ein Jahr dauerte die Aktion, die Seevetal nun eine Gewerbefläche in Toplage beschert. Goodman will hier Logistikhallen mit Büros bauen und an Unternehmen vermieten. Die Baugenehmigung liegt dem Vernehmen nach bereits vor.

Erste Sporen bei Stülcken

Für Lorenz war der Trip in die Seevetaler Unterwelt übrigens kein Neuland. Flächenrecycling hat er bereits im Harburger Binnenhafen betrieben und vor gut 30 Jahren auf dem ehemaligen Gelände der Stülckenwerft in Steinwerder. Dort ist heute der „König der Löwen“ zu Hause. Lorenz: „Damals war ich für den Klöckner-Konzern tätig. Wir mussten eine mobile Bodenwaschanlage aufbauen, die aus 60 40-Fuß-Containern bestand, die teilweise fünfstöckig gestapelt wurden. Aus dem Projekt entstand später in der Amtszeit des damaligen Umweltsenators Fritz Vahrenholt eine stationäre Bodenwasch­anlage in Hamburg. Allerdings war das Verfahren so teuer, dass es nach fünf Jahren eingestellt wurde.“ wb

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>> Web: www.lorenz.hamburg