INKLANG: Richtig guter Sound

Der Name ist Programm: Thomas Carstensen baut auf der Peute unter der Marke INKLANG preisgekrönte Lautsprecher

Wie war das damals noch? Man nehme ein altes Röhrenradio, baue den Breitbandtreiber (früher sagten wir Lautsprecher) aus und befestige ihn in einer passenden Holzkiste – fertig ist die Box. Sound? Egal. Die Impedanz? Passt schon. Hauptsache, das Ding gab Töne von sich. Mag sein, dass Thomas Carstensen in seinen frühen Jahren auch mal so gestartet ist – auf jeden Fall entwickelte er derartige Fähigkeiten, dass der heute 47-Jährige unter dem Firmennamen INKLANG eine Lautsprecherfamilie kreiert hat, die nicht nur in Hamburg gebaut wird, sondern durch Top-Bewertungen in der Fachpresse auffällt und mehrfach preisgekrönt ist. Lautsprecher von der Stange? Das war gestern – Carstensen bietet die individuelle Konfigurierung von Soundsystemen nach dem Vorbild der Automobilindustrie für audiophile Genießer an und hat mittlerweile Kunden, die nur zum Hörtest extra aus der Schweiz einfliegen.

Die Leidenschaft zum Beruf gemacht

INKLANG hat zwar schon für allerlei Schlagzeilen gesorgt, darf aber abseits des Mainstreams gern als Geheimtipp gehandelt werden. Der Grund: Thomas Carstensen etabliert in der Home Audio Branche einen neuen Standard – eine Just-in-time-Produktion bei High-End-Lautsprechern. Noch dazu ein Mann mit einer beeindruckenden Geschichte, denn eigentlich ist er gelernter Bankkaufmann: „Ich habe für Sparkassen und Banken gearbeitet, war später Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung und habe dort institutionelle Investoren betreut. Ja, ich habe gut verdient und hatte gute Kontakte, deshalb konnte ich meine Leidenschaft zum Beruf machen: den Bau von Lautsprechern. Im Mai 2014 habe ich INKLANG gegründet, knapp ein Jahr später erfolgte der Markteintritt.“

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Zuvor hatte Carstensen den Markt analysiert und sich gefragt, ob es individualisierte Lautsprecherangebote gab. Die Antwort lautete Nein. Das war seine Lücke. Er sagt: „Der Markt ist schwarz-weiß. Das Gros der handelsüblichen Lautsprecher ist schwarz oder weiß beziehungsweise mit Holzfurnier zu haben.“ Er schaute sich die Preisklassen an und verweist auf erstaunliche Zahlen: 75 Prozent der Käufer bleiben im Preissegment bis 1000 Euro pro Lautsprecher (früher sagte man Box). Jeder zweite Käufer gibt nur bis 300 Euro aus. Und im bundesdeutschen Durchschnitt sind es tatsächlich nur 278 Euro. Bleibt nur die Schlussfolgerung: Guter Sound ist den meisten Deutschen nicht viel wert.

Produkte im mittleren Preissegment

Carstensen: „Mein Ziel war es, ein Produkt im mittleren Preissegment auf den Markt zu bringen – also im Schnitt 1800 Euro pro Lautsprecher. Man kann sagen: je höher der Preis, desto spitzer der Markt. Für die wirklich teuren Produkte, die gut und gerne im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich liegen, gibt es nur eine kleine Käufergruppe. Und die kauft auf keinen Fall online. Das ist aber mein Ziel.“

Tatsächlich kaufen bereits heute zwei von drei Kunden ihre INKLANG-Lautsprecher online – also ohne den üblichen Hörtest im Showroom. Carstensen: „Diese Käufer orientieren sich an Testberichten und Kundenbewertungen. Sie kaufen, ohne zu hören.“ Und sind höchst zufrieden, denn das Produkt hält, was es verspricht. Das zweite Ziel des INKLANG-Gründers: Das Geschäft soll internationalisiert werden. Die Schweiz und Österreich zählen seit 2017 zum Marktgebiet. Carstensen berichtet von einem Schweizer: „Der kam extra nach Hamburg, um in meinem Showroom im Hamburger Stilwerk die Lautsprecher zu hören. Ich muss sagen: Da zieht auch Hamburg als attraktive Großstadt.“

Feinabstimmung im schalltoten Raum

INKLANG ist zwar eine Manufaktur, dennoch arbeitet Carstensen nach den Gesetzen der Industrie: „Ich habe mir für alle Komponenten professionelle Partner gesucht. Die Gehäuse werden von einem Spezialunternehmen in Würzburg gebaut. Die Treiber kommen von einem norwegischen Spezialisten, der sie in der Nähe von Oslo fertigt. Die Frequenzweichen lasse ich in Köln bei der Firma Mundorf bauen. Alles wird just in time angeliefert und in meiner Werkstatt an der Peutestraße montiert und einer abschließenden Qualitätskontrolle unterzogen. Die Bestandteile werden exklusiv für INKLANG entwickelt und produziert. Keiner meiner Lieferanten kommt aus Fernost.“ Das Engineering, also die technische Abstimmung, die am Ende zu einem unvergleichlichen Klangerlebnis führt, macht Carstensen mit einem Team von Spezialisten selbst: „Die Feinabstimmung der verschiedenen Varianten haben wir in einem schalltoten Raum in Norwegen gemacht.“

Und noch ein Spezialist war am Werk: Sascha Kovar, der Designer. Vor zwei Jahren, gleich nach dem Start, wurde INKLANG mit dem „German Design Award Special 2016“ ausgezeichnet. Die zeitlose und unaufdringliche Form der Lautsprecher gab den Anstoß – und die Möglichkeit, das Produkt zu individualisieren. Carstensen bietet sieben Standardfarben in eher ruhig gehaltenen Erdtönen an. So weit, so gut. Gegen einen vergleichsweise geringen Aufpreis können die Lautsprechergehäuse auch in Violett,Petrol oder Senf geliefert werden. Wem das nicht reicht, der greift auf die grenzenlose Farbwelt der britischen Manufaktur Farrow & Ball zurück und bekommt für einen Aufpreis von maximal 120 Euro seine Traumfarbe oder die der Frau.

Und noch eine Marketing-Anleihe hat Carstensen in der Industrie gemacht: „Ich biete meinen Kunden eine private Manufaktur-Montage an. Sie können dabei sein, wenn ihre Lautsprecher gebaut werden. Das kostet 199 Euro, dauert etwa drei Stunden und endet mit Champagner. Das habe ich mir bei Porsche abgeguckt. Es gibt nichts Vergleichbares auf dem gesamten Lautsprecher-Markt.“