Das Haalboom-Gen

Firmengründer Otto Haalboom und sein Schwiegersohn Markus Ebert (CEO) führen die Geschäfte der internationalen Spedition. Foto: Wolfgang Becker

Kreative Ideen und ein Faible für Abenteuer: Die Internationale Spedition Otto Haalboom aus Hamburg fängt da an, wo andere aufgeben

Wenn Otto Haalboom, Gründer der gleichnamigen internationalen Spedition in Hamburg, aus seinem Berufsleben erzählt, kommen früher oder später ein Hauch von Abenteuerlust und Fernweh auf. Zumeist früher. Denn dem 73-Jährigen ist es gelungen, das Thema Spedition und Transport zu seinem Lebensthema zu machen. Die Internationale Spedition Otto Haalboom („Wir bewegen. Mit Herz und Verstand“) hat nicht nur jahrzehntelange Geschäftsbeziehungen zu Premiumkunden, sondern den Anspruch, Aufträge zu erledigen, die anderen Spediteuren, selbst den Großen der Branche zu aufwendig oder gar unlösbar erscheinen. Spätestens wenn der Begriff „unlösbar“ aufkommt, werden Otto Haalboom und sein CEO Markus Ebert hellhörig. Sie führen ein 14-köpfiges Team, das auf das Reizwort mit besonderem Ehrgeiz reagiert. Wer hier arbeitet, braucht so etwas wie das Haalboom-Gen – die Lust an schwierigen Aufgaben und die Ausdauer, unkonventionelle Lösungen auszutüfteln. In der Folge könnten die Haalboom-Geschichten über die abenteuerlichsten Transporte heute locker ein Buch füllen.

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Dass Spediteure von Abenteuern allein nicht leben können, weiß auch Otto Haalboom. Die Basis seines Geschäfts bildet die vertrauensvolle, vor allem jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Großkunden, für die die Spedition weltweit Transporte abwickelt, angefangen von Eisenbahnfahrzeugen bis hin zu Kosmetika. Aufträge, die das Team seit Jahren offenbar so gut erledigt, dass die Hamburger Spedition bei Ausschreibungen gesetzt ist. Unter anderem organisiert Haalboom für Airbus Toulouse-Transporte und ist als Luftfrachtspezialist seit 25 Jahren für das US-Unternehmen Coty tätig, weltweit der zweitgrößte Kosmetikkonzern. Konkret geht es um die Belieferung der Travel Retail Shops (früher Duty free) mit Coty-Produkten, vor allem mit Marken-Parfums wie Joop!, Davidoff, Adidas, Calvin Klein, David Beckham, Jennifer Lopez und Jil Sander. Weltweit mit Ausnahme Chinas. In Europa wird Coty-Ware – konkret geht es um 150 bis 160 Paletten täglich – per Lkw ausgeliefert. Hier ist das Unternehmen Haalboom zu 90 Prozent als Spediteur aktiv, denn unter Haalboom-Flagge fahren nur zwei eigene Sattelzüge im nationalen und internationalen Verkehr.

5000 Tonnen Stahl . . .
So weit, so gut – aber mit Abenteuer hat das noch nichts zu tun. Ein drittes Standbein entwickelte sich nach der Wende Anfang der 90er-Jahre, als die Eisenbahnstrecke Rostock-Schwerin demontiert wurde und plötzlich
5000 Tonnen Stahl in handlichen 15-Meter-Schienen­enden zur Abholung bereit lagen. Otto Haalboom: „Niemand wollte das übernehmen, da habe ich mir gesagt: Wir machen das.“ Ein halbes Dutzend Lkw brauchten drei Wochen, dann war der Schienenberg abgebaut. Unter anderem ergab sich daraus ein Kontakt zu dem Harburger Schienenwerk von Stahlberg & Roensch. Das Unternehmen ging später im Konzern Vossloh auf.

Von der Schiene bis zum Waggon ist es nur ein kurzer Schritt. Mittlerweile organisiert die Internationale Spedition Otto Haalboom Transporte von Eisenbahnwaggons und Maschinen auf Tiefladern. Für Vossloh wurde unter anderem eine 80 Tonnen schwere neue Schienenschleifmaschine per Tieflader aus Österreich zur Messe InnoTrans nach Berlin hin- und zurückgebracht. Otto Haalboom: „Dazu mussten wir mit einem 40 Meter langen Gespann aufgrund einer Umleitung quer durch Regensburg fahren.“ Das, ganz sicher, war ein Abenteuer.

Heute hat die Spedition den Ruf, unmögliche Transporte möglich zu machen. Mit Hilfe der Hamburger Spezialisten gelangten 58 jeweils 26 Meter lange Plattform-Waggons aus verschiedenen Städten Deutschlands nach Ashford/England, um dort im Gleisbau eingesetzt zu werden – von Dover bis Ashford per „Culemeyer“, einem Spezialstraßentransporter mit Schienen, auf denen Waggons stehen können. Für Vossloh brachte Haalboom im vorigen Jahr bei minus 31 Grad Celsius neun Weichentransportwaggons von Finnland nach Schweden. Legendär auch der Transport einer 38 Tonnen schweren kleineren Schienenschleifmaschine, die von Deutschland nach Mexiko gebracht werden musste. Mehr noch: Mitten im Einsatz musste die Maschine mal kurz für einen Zwischeneinsatz nach Israel verschifft werden.

Gewisse Risikobereitschaft
Otto Haalboom: „Diese Geräte sind eben sehr selten. Da kommen solche Transaktionen schon mal vor. So etwas kann aber nur jemand machen, der Erfahrung hat. Mich reizen Aufträge, die noch nie jemand gemacht hat, auch wenn das eine gewisse Risikobereitschaft erfordert. Dann werde ich kreativ.“ Zum Beispiel, als die besagte Maschine nach Kiruna transportiert werden musste. Otto Haalboom: „Am Mittwoch kam der Auftrag, am Freitag stand die Maschine auf der Fähre, und ab Montag wurden 1000 Meter unter Tage die Schienen in den Stollen einer Eisenerzmine in Nordschweden geschliffen.“

Mittlerweile ist die Internationale Spedition Otto Haalboom ein Spezialunternehmen für Transporte von Eisenbahnwaggons per Lkw – und zwar weltweit. Markus Ebert: „So etwas schlägt Wellen.“ Und der Seniorchef formuliert den Spirit seines Unternehmens: „Es muss ständig was Neues kommen – sonst ist das nichts. Wir haben uns immer neu erfunden.“ Da ist es also, das Haalboom-Gen.

In Afrika ist die Spedition seit rund drei Jahrzehnten unterwegs. Kürzlich zum Beispiel für das Deutsche Archäologische Institut, das zum Geschäftsbereich des Auswärtigen Amts gehört: „Wir sollten 2018 zwei Container mit Bauteilen für ein Stützkorsett nach Äthiopien bringen. Das Korsett sollte den Einsturz eines maroden Tempels in Yeha verhindern. 500 Kilometer von Addis Abeba entfernt in der Wüste. Nur ein einziger Kran im Umkreis von 1000 Kilometern, um die Container abzuladen. Aber wir hatten gute Kontakte zu einem Frachtunternehmen im Sudan und schafften es, dass auf den Tag genau dieser Telekran vor Ort war. Als Deutsche aktiv im Bereich Nord-Sudan, Süd-Sudan, Äthiopien – einem Gebiet, in dem alle stramm verfeindet sind. Und trotzdem haben alle super zusammengearbeitet.“

Funkmasten für Botswana
Hilfreich sind dabei manchmal alte Kontakte, denn Otto Haalboom hat noch ein zweites Leben – in Afrika. In Sierra Leone gründete er 1985 das Handelskontor Westafrika, eine Im- und Exportgesellschaft. Damals wurde er vom „Afrika-Virus“ befallen, wie er sagt. Der schwarze Kontinent schlug ihn in seinen Bann. Zahlreiche Kontakte entstanden. Zum Beispiel zum namibischen Botschafter in Deutschland. Mittlerweile verfügt Otto Haalboom über ein afrikanisches Netzwerk. Und wenn zehn Funkmasten nach Botswana geliefert werden müssen, dann sagt er Ja. Eine ganze Reihe von Speditionsabenteuern hat er in kurzweiligen Hochglanzbroschüren niedergeschrieben und kundengerecht aufgearbeitet. Zitat: „Afrika erreichen wir nicht nur über Luft, Wasser und Straße . . . Afrika erreichen wir über beste Verbindungen.“ wb

Web: https://www.haalboom.de/de/