TIP Nordheide als Standort für innovative Gewerbebetriebe

Große Pläne, aber auch große Motivation: WLH-Chef Jens Wrede (links) und sein Stellvertreter und Prokurist, René Meyer, nehmen mit dem TIP Nordheide die Zukunft ins Visier. Foto: Wolfgang Becker

Jens Wrede und René Meyer über angewandte Entwicklung und Forschung, Mehrwertmanagement und die Vorteile des Innovationsparks in Buchholz

Unternehmen verbinden mit Innovation vor allem neue, marktfähige Produkte und Dienstleistungen oder optimierte Prozesse, die sich kostensenkend bemerkbar machen. Und wenn die Unternehmen mittelständisch geprägt sind, heißt der Treiber nicht „R&D-Department“ (Research & Development), meist nicht einmal Forschungs- und Entwicklungsabteilung, sondern finden sich in der Geschäftsleitung oder bei den Fachkräften, die sich tagtäglich mit dem Alltagsgeschäft befassen.

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Weniger hochtrabende Bezeichnungen schmälern nicht den Charakter der Innovation. Die Umsetzung neuer Erkenntnisse in verbesserte Leistungen und damit in die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ist die Stärke, die den Mittelstand ausmacht. Und längst sind die Fachkräfte in den meisten Unternehmen, ob studiert oder gut ausgebildet, Spezialisten mit umfangreichem Wissen, die selbst in traditionellen Berufen im Handwerk nicht ohne IT-Kenntnisse oder fortgeschrittenes Technologieverständnis auskommen.

Unterstützung durch Wissenschaft

Die Kooperation mit den umliegenden Hochschulen und Universitäten in Harburg, Lüneburg, Buxtehude und Wolfenbüttel ermöglicht einen breiten Wissenstransfer in die Unternehmen. Davon profitieren beide Seiten: Die Hochschulen können ihre Ideen auf Praxistauglichkeit prüfen oder bekommen konkrete Entwicklungsaufträge, die Unternehmen haben Zugang zur aktuellen Technologieentwicklung und können diese einsetzen. Im Idealfall ergeben sich sogar Kontakte zu zukünftigen Mitarbeitern.

Mehrwert-Management

Konkret heißt das: Aus dem Kreis des WLH-Teams werden sich Mitarbeiter aktiv an die Unternehmen wenden und flankiert durch die Hochschul-Kooperationen nach Synergiemöglichkeiten Ausschau halten. So bekommen beispielsweise die Partner aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen die Gelegenheit, ihre Schwerpunkte bei der WLH-Reihe „Treffpunkt Innovation“ vorzustellen und damit auch Interessenten für weitergehende Entwicklungsvorhaben kennenzulernen. Die Teilnehmer, denen ein besonderes Interesse, eine besondere Begeisterung für ein Thema anzumerken ist, werden zu vertiefenden Workshops eingeladen. Idealerweise stehen am Ende dieses Prozesses Forschungs- und Entwicklungsprojekte aus einer Hochschule oder Forschungseinrichtung und ein oder mehrere Unternehmen.

Die Aufgabe der Mehrwert-Manager der WLH: Den Impuls setzen, „das Leuchten erkennen“, Querverbindungen knüpfen, Bedarfe in den Unternehmen orten, Menschen zusammenbringen. Auch hier zeigt sich: Frontalvortrag war gestern, heute geht es um Innovationsnetzwerke und moderierende Begleitung.

TIP-Entwicklung geht voran

„Der TIP Innovationspark Nordheide soll zu einem Zentrum werden, an dem angewandte Wissenschaft und betriebliche Innovation zusammenkommen“, sagt Jens Wrede, Geschäftsführer der WLH Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg GmbH. „Wir verstehen uns in alle Richtungen als Impulsgeber. Die Innovationen machen aber nicht wir – sie entstehen in den Unternehmen.“ Dabei setzt die WLH darauf, die oftmals unauffälligen Entwicklungen sehr viel stärker sichtbar zu machen. Im TIP finden Unternehmen ihren Standort, die wissensbasierte Arbeitsplätze anbieten, sich kontinuierlich mit der Weiterentwicklung ihrer Produkte und Prozesse befassen und dabei auch gern auf die Unterstützung von Wissenschaft und Netzwerken zurückgreifen. Jens Wrede: „Unsere Aufgabe ist es, die innovativen Akteure zusammenzubringen und zu vernetzen. Die WLH plant deshalb die Implementierung eines innovativen Mehrwert-Managements. So nennen wir das.“

Zunächst sind jetzt die Erschließungsleistungen ausgeschrieben worden. Erste Baumaßnahmen werden im Spätherbst erwartet. Genau das stellt die Planer jedoch vor Herausforderungen, wie Jens Wrede im Gespräch mit B&P einräumt: „Wenn wir über Infrastruktur von morgen sprechen, ist nicht klar, welche Technologien sich eigentlich durchsetzen.“ Die Wunschliste ist lang, die Realisierung aber von technischer Entwicklung, Fördermitteln, Investoren und anderen Geldquellen abhängig. So geht es darum, die Voraussetzungen für die „Smarte Infrastruktur“ zu schaffen, sei es intelligente Straßenbeleuchtung mit Umweltsensorik und Parkraumüberwachung, Platz für induktives Laden, mögliche autonome Buslinien oder die Vorbereitung für die Einführung neuer Mobilitätskonzepte. „Das Gebiet ist groß genug, beispielsweise einen autonomen Bus fahren zu lassen. Wir wollen uns als Pilotregion bewerben und alle Fördermöglichkeiten prüfen“, sagt Wrede. Dass der TIP neue Maßstäbe im Landkreis Harburg setzen soll, steht für ihn jedoch außer Frage: „Buchholz hat alle Voraussetzungen für eine moderne und attraktive Gewerbeentwicklung.“

Dass der Innovationspark auf entsprechenden Bedarf in der heimischen Wirtschaft trifft, da sind sich Wrede und WLH-Prokurist René Meyer sicher. Letzterer sagt: „Wenn es darum ginge, Flächen zu verkaufen, wäre bereits morgen alles weg. Aber als öffentliche Entwicklungsgesellschaft haben wir die Aufgabe, qualifizierte Jobs in nennenswerter Zahl anzusiedeln. Das ist unsere oberste Priorität.“ Wrede: „Deshalb nehmen wir uns die Zeit und schauen genau hin, wen wir im TIP ansiedeln. Im Fokus sind innovative Unternehmen. Deshalb ist der TIP als Wissensstandort konzipiert.“

Am Ende wird der TIP mehr sein als nur eine Ansammlung von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ziel ist es, der Zukunft ein Gesicht zu geben. Das heißt: ein modernes Wirtschaftsgebiet mit wissensbasierten Arbeitsplätzen und hoher Aufenthaltsqualität, das wohnortnahes Arbeiten ermöglicht und damit auch für benachbarte Kommunen ein gutes Beispiel sein kann.

„Mittelständisch sein“

Bei allen zukunftsgetriebenen Plänen will die WLH sich in einem treu bleiben, wie Jens Wrede betont: „Wir möchten auch als Innovationspark mittelständisch sein. Kleine und mittlere Betriebe sowie Startups sind unsere Zielgruppe. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass nicht jeder hinter verschlossenen Türen vor sich hinarbeitet, sondern die Synergien des Miteinanders nutzt. Wie dies zu moderieren ist, kennen wir aus dem benachbarten ISI-Zentrum für Gründung, Business und Innovation. Vierteljährlich treffen sich hier die ansässigen Startups, um sich über aktuelle Themen und ihre Arbeit auszutauschen.“ Diese Formate will die WLH in den neuen TIP Innovationspark Nordheide übertragen.

Web: https://wlh.eu/wirtschaftsfoerderung.html