Smarte Initiative: Eine Region macht gemeinsame Sache

Fotos: Wolfgang BeckerAuftakt für den „Marktplatz der Innovationen“: Im Veranstaltungszentrum Hittfeld haben sich etwa 130 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Bildung und Verwaltung versammelt. Fotos: Wolfgang Becker

„Marktplatz der Innovationen“ in Hittfeld – Innovative Projektideen für die „Smart Region“ vorgestellt – Blick auf das sozioökonomische Netz

So einen Findungsprozess hat es im Süden Hamburgs noch nie gegeben: Mit Blick auf die neue EU-Förderperiode und die dafür geltenden Richtlinien hat die Süderelbe AG gemeinsam mit fünf Landkreisen und der Hansestadt Lüneburg einen Diskussionsprozess in Gang gesetzt, an dessen Ende Mitte des Jahren sechs bis acht förderfähige Projekte samt Businessplan stehen sollen – in der Hoffnung, dass die Entscheider dafür Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung bereitstellen. Unter dem Titel „Smart Region“ wurden entsprechende Projekte in sechs unterschiedlichen Themenbereichen diskutiert und jetzt im Veranstaltungszentrum Hittfeld Unternehmern und Politikern, Verwaltungsvertretern und weiteren Akteuren vorgestellt. Der „Marktplatz der Innovationen“ hielt etwa 30 Ideen bereit – und die Chance für die Gäste, ihren Kommentar hinzuzufügen.

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Bewusstseinswandel

Für den Rundgang durch die Ausstellung hatte Volker Krause, Geschäftsführender Gesellschafter der Bohlsener Mühle (bei Uelzen) und Präsidiumsmitglied im Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachen, ein paar grundsätzliche Denkanstöße gegeben. Titel seines Impulsvortrags: „Die Verantwortung von Unternehmen für die Regionalentwicklung – Zeit für einen Bewusstseinswandel“. Er fand durchaus kritische Worte zum früheren Procedere der Fördermittelvergabe: „Immer wenn es um Fördermittel geht, kommen viele Leute zusammen, jedoch in der Regel zumeist nur wenige Unternehmer.“ Kurze Spontanumfrage: Auch in der „Burg Seevetal“ war die Zahl der Unternehmer eher niedrig.

Auch das jetzt gewählte Verfahren empfindet Krause eher als von oben verordnet: „Wer hat sich das ausgedacht? Und was ist eigentlich die Definition von Innovationen?“ Ziel aller Überlegungen müsse es doch sein, eine vitale und wirtschaftlich in sich funktionierende Region zu schaffen. Das zumindest wäre smart. Seine Lösung: Die Regionalentwicklung gehört nicht auf die EU-Ebene, sondern zurück in die Regionen, in die Institutionen und Landkreise vor Ort und letztlich in die Unternehmen. Krause: „Wer eine Region entwickeln will, muss sie gut kennen.“ Und wenn gefördert werde, dann über einen langen Zeitraum und mit Evaluierung.

Foto: Wolfgang Becker

Im Gespräch: Impulsgeber Volker Krause (von links), Geschäftsführender Gesellschafter der Bohlsener Mühle, Dr. Olaf Krüger, Vorstand der Süderelbe AG, und Dr. Rupert Seuthe, Projektmanager der Süderelbe AG. Foto: Wolfgang Becker

Die Initiatorengemeinschaft von Smart Region hatte bewusst einen „Buttom-up“-Ansatz mit vielen offenen Workshops und Expertengesprächen gewählt. Süderelbe AG-Vorstand Dr. Olaf Krüger: „Wir stellen uns diesem Wettbewerb in einer neuen Form der Landkreise übergreifenden Zusammenarbeit von regionalen Organisationen, denn die Mittel, die für die gezielte Förderung etwa der Entwicklung von innovativen Produkten und Dienstleistungen vorgesehen sind, befördern insbesondere regionales Wirtschaftswachstum und Lebensqualität.“

Kollateralnutzen schaffen

Auch für die Unternehmer hatte Volker Krause eine Botschaft: „Unternehmerisches Handeln ist keine Privatangelegenheit! Das sollten wir uns mal bewusst machen. Das Gesicht der Welt, alles, was Sie hier sehen, ist von Unternehmen gemacht worden. Unsere Geschäfte sollen keinen Kollateralschaden, sondern einen Kollateralnutzen schaffen.“ Deshalb müsse Förderung am Ende einen sozialökonomischen Multiplikatoreffekt auslösen. Es sei wichtig, die Auswirkungen auf das sozioökonomische Netz zu betrachten. Und: „Es sollte peinlichst auf die Effizienz von Fördermitteln geachtet werden – verschwendet haben wir schon genug.“

Prozess der Öffnung

Rainer Rempe, Landrat des Landkreises Harburg, sprach als Gastgeber in seiner Begrüßung von „Gestaltung der regionalen Ebene über die Kreisgrenzen hinweg“. Die Kooperation zwischen den beteiligten Kreisen Harburg, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Stade und Uelzen sowie der Hansestadt Lüneburg solle ausgebaut werden. Ziel sei es, anhand der Projektideen einen Masterplan für die regionale Handlungsstrategie in der Region Lüneburg zu entwickeln. Es gelte, jetzt den Prozess der Öffnung zu starten.

Von den 30 Projektideen aus den sechs vorab definierten Kompetenzfeldern (zum Beispiel Energiewirtschaft, Land- und Ernährungswirtschaft, Digitale Wirtschaft/Kreativwirtschaft und Neue Materialien/Produktionstechnik), die im Rahmen der „Smart Region“-Workshops gefunden wurden, werden jetzt rund ein halbes Dutzend näher betrachtet. Die Projektsteckbriefe wurden an den Ständen ausgelegt. Im Juni sollen die abschließenden Ergebnisse präsentiert werden. Die Dokumentationen der Workshops und alle Projektsteckbriefe sind online abrufbar.

Web: www.smart-region.de