Und mittendrin wird gelebt . . .

channel hamburg: Vom Business-Standort zum lebendigen Stadtquartier

D er channel hamburg, begründet vom Harburger Bauunternehmer Arne Weber, verändert sein Gesicht: Das einst als postindustrielles Business-Quartier mit Wasserlage konzipierte Harburger Areal nördlich der Bahnlinie wird derzeit zum Quartier, wie Melanie-Gitte Lansmann, Geschäftsführerin von channel hamburg e.V., die Entwicklung auf einen Satz zusammenfasst. Ein Grund für den Paradigmenwechsel: Der Wirtschaftsstandort wird immer stärker zum Wohnstandort. Plötzlich „kommt Leben in die Bude“, wie es umgangssprachlich so schön heißt.

Anzeige

Lebendig war der Channel schon in den vergangenen Jahren, das steht außer Zweifel. Während sich der Verein vornehmlich um die Vermarktung des Standortes und die Ansiedlung von Firmen kümmerte, wuchs eine agile Community heran – die oft jungen Firmen, von denen einige mittlerweile auch schon zwei Jahrzehnte und mehr am Markt sind, brachten junge Menschen nach Harburg, die häufig aus dem ganzen Bundesgebiet stammten und folglich Kontakte suchten. Der Verein channel hamburg war da eine Möglichkeit, sich zu engagieren. Weitere Chancen boten die umliegenden Wassersportvereine und die Kulturwerkstatt.

Die größte Kraft entfachte jedoch channel hamburg, denn mit rund 100 Mitgliedern und einer „richtigen“ Geschäftsführung konnten hier gemeinschaftsfördernde Formate entwickelt und umgesetzt werden. Das leuchtende Beispiel dafür ist die „Nacht der Lichter“, die mittlerweile abwechselnd im Channel und in der Harburger Innenstadt für eine bunte Kulisse und ein ebenso buntes Programm sorgt. Für Melanie-Gitte Lansmann ist das gelebte Synergie, denn sie ist zugleich auch Citymanagerin in Harburg und damit auf beiden Seiten der Bahn aktiv am Ball.Dennoch: Erst seitdem immer mehr Wohnungen im Channel bezogen worden sind, nimmt der nächste Level der Quartiersentwicklung Form an. Das war auch Tenor auf der jüngsten Mitgliederversammlung, bei der TUHH-Präsident und Beiratsmitglied Ed Brinksma das Wachstumskonzept der Technischen Universität präsentierte. Der Channel spielt darin eine tragende Rolle und stärkt seine Position als innovativer Wissensstandort. Eine Säule ist – mal wieder – das Engagement von Arne Weber, der mit dem Bau des Hamburg Innovation Ports an der Blohmstraße die Richtung vorgibt. Mit dem Fraunhofer-Institut für Maritime Logistik wird eine zweite Forschungssäule aufgebaut.

Das neue Harburg

Und mittendrin wird gelebt. Melanie-Gitte Lansmann: „Früher herrschte hier das Prinzip nine2five – ab 9 Uhr war Leben im Channel und nach 17 Uhr wurde es wieder ruhig. Das ist heute anders, denn jetzt sind hier plötzlich auch am Abend Leute unterwegs.“ Und noch etwas entwickelt sich: Kultur. Mit dem KulturSpeicher ist bereits ein etabliertes Angebot an der Blohmstraße vorhanden. Nur 100 Meter Luftlinie entfernt sorgt nun zusätzlich die Fischhalle von Werner Pfeiffer für Attraktion. Hier geht es musikalisch eher geerdet zu – und das mit großem Zuspruch. Selbst der Graue Esel am Karnapp ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Das einstige Weinlokal wird jetzt von Jo Riehle betrieben – als „Coaching-Café“, wie Melanie-Gitte Lansmann sagt. Hier finden regelmäßig kleine, aber feine Veranstaltungen statt. Hier trifft der Besucher auf das neue Harburg.

Der Vorstand von channel hamburg e. V. weiß um den Wechsel-Prozess, in dem sich der Channel befindet. Martin Mahn (Vorsitzender), Dr. Ralf Grote, Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss und Christian Weber befeuern den neuen Spirit, der aus dem Business-Quartier nun einen neuen und vor allem lebendigen Stadtteil werden lässt. wb

>> Web: http://channel-hamburg.de/