Vom Ort der Arbeit zum Ort der Gemeinschaft

Emily Weede, die Vorsitzende des Mühlenvereins, freut sich mit Politikern und Förderern über das besondere Jubiläum der Karoxbosteler Wassermühle. Ihr Verein hat mittlerweile mehr als 1000 Mitglieder und ist deutschlandweit der größte seiner Art.

200 Jahre Karoxbosteler Wassermühle Die Geschichte eines Industriedenkmals.

Das Reetdach erstrahlt in neuem Glanz, und im frisch sanierten Schweinestall werden erstmals Kunstwerke präsentiert: Bei strahlendem Sonnenschein haben Mitglieder des vor fünf Jahren gegründeten Mühlenvereins und zahlreiche Gäste die offizielle Einweihung des sanierten Denkmal-Ensembles der Karoxbosteler Wassermühle gefeiert. 200 Jahre alt ist die Mühle, die für den zaghaften Beginn der Industrialisierung in der Nordheide steht, denn hier wurde damals mit Wasserkraft ein „Automationsprozess“ in Gang gesetzt.

Die Einweihungs- und 200-Jahr-Feier bildet sozusagen den Abschluss einer langen Geschichte, denn die Mühle ist über Jahre von Freiwilligen in Schwung gebracht worden. Im Jahr 2012 hatte der Verein Wassermühle Karoxbostel das Hofensemble gekauft, auf dem die denkmalgeschützte Mühle steht. Damals waren die Gebäude kaum mehr als Ruinen. Doch die Mitglieder des Mühlenvereins – mit mehr als 1000 Mit­gliedern mittlerweile der größte in Deutschland – packten unter Führung ihrer Vorsitzenden Emily Weede kräftig an und brachten die Mühle, das 
200 Jahre alte reetgedeckte Haupthaus, die benachbarte Sägerei, das Backhaus und zuletzt den ehemaligen Schweinestall wieder auf Vordermann.

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„Die Karoxbosteler Mühlenretter haben es geschafft, innerhalb von wenigen Jahren aus einem total heruntergekommenen Denkmal-Ensemble einen lebendigen Ort der Begegnung zu machen“, würdigte der Oberkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege Dr. Klaus Püttmann in seinem Festvortrag die Leistung der Mühlenretter. Die Nutzung eines denkmalgeschützten Gebäudes sei oftmals ein Problem. In Karoxbostel gebe es hingegen einen „ganzen Strauß“ von unterschiedlichen Nutzungen: Auf dem Mühlengelände finden Bildungsprojekte für Schüler, Kulturveranstaltungen, Führungen, Vorträge, Feiern und auch stan desamtliche Trauungen statt. „Was würde es die Gemeinde wohl kosten, wenn Sie für diese vielfältigen Aktivitäten ein neues Zentrum bauen müsste?“, fragte Dr. Püttmann die anwesenden Politiker und Vereinsmitglieder.

Seevetals Bürgermeisterin und Mühlenfreundin Martina Oertzen würdigte in ihrem Grußwort die vielen tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit der Mühlenaktiven bei der Sanierung des Denkmal-Ensembles: „Wenn der Verein vor fünf Jahren nicht den Mut gehabt hätte, diese Aufgabe anzupacken, ständen jetzt hier wahrscheinlich Reihenhäuser.“ Unterstützt wurde die beispielhafte Sanierungsaktion unter anderem durch Zuwendungen der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Bingo-Umweltstiftung.

Rechtzeitig zur offiziellen Einweihung ist auch die 240 Seiten starke Festschrift des Vereins Wassermühle Karoxbostel erschienen. In vielen Artikeln und auf fast 1000 Fotos wird darin die Sanierung der Wassermühle und der angrenzenden Gebäude dokumentiert.