Und plötzlich wird der Herrenabend zur Ladies Night . . .

Viel Prominenz beim Herrenabend: Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (von links), Gastrednerin Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesverteidigungsministerin und CDU-Bundesvorsitzende, Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann, Franziska Wedemann, Vorsitzende des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden, Senator a. D. Frank Horch und der Beiratsvorsitzende des Wirtschaftsvereins, Jochen Winand. Foto: Wolfgang Becker

Gastrednerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor 350 Gästen bei Lindtner in Harburg: „Wir müssen dynamischer, schneller und agiler werden!“

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Von Wolfgang Becker

Der Herrenabend 2019 dürfte zweifelsohne in die Geschichte dieser Harburger Traditionsveranstaltung eingehen, zu der der Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden jeweils zum Jahresende ausgesprochen prominente Gäste einlädt. Dieses Mal am Rednerpult: Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesverteidigungsministerin und Bundesvorsitzende der CDU. Eine Steilvorlage für Franziska Wedemann, die als erste weibliche Vorsitzende des Wirtschaftsvereins, mit diesem Satz in die Annalen einziehen dürfte: „Wir haben eine Vorsitzende, eine Geschäftsführerin, eine Gastrednerin und Hauptsponsorinnen – so wird der Herrenabend zur Ladies Night.“

Franziska Wedemann bestand ihre Premiere am Rednerpult mit Bravour und warb vor allem für zwei wichtige anstehende Wahlen in Hamburg: die des Handelskammer- und die der Bürgerschaftswahl. Der Appell dürfte Wasser auf die Mühlen der zahlreichen Wirtschaftsvertreter gerade auch aus dem Hamburger Raum gewesen sein, als die Vorsitzende sagte, die Handelskammer, über lange Strecken die wichtigste Hamburger Wirtschaftsinstitution, sei derzeit nicht mehr handlungsfähig: „Gehen Sie wählen!“ Auch einen politischen Rat hatte sie im Gepäck, allerdings ohne Parteien zu nennen: „Schauen Sie genau hin, was zu den Themen Mobilität und Klimawandel gesagt wird, und fragen Sie sich, ob sie mit Verboten leben wollen.“ Und mit Blick auf den Handlungsbedarf gerade auch beim Thema Klimaschutz: „Verlieren Sie nie den Glauben an die Innovationskraft der Wirtschaft.“

Was Made in Germany auch heißen sollte

AKK machte kein Hehl daraus, dass sie nach der Einladung zu einem „Herrenabend“ zunächst einmal „dezent Erkundigungen eingeholt“ habe, dann aber durchaus zu dem Schluss gekommen sei, dass es sich „um eine seriöse Veranstaltung handeln müsse“. Sie lieferte einen Rundumschlag von Mali über Afghanistan, die internationale Stabilität, die aggressive Territorial-Politik Chinas und den Beitrag der Deutschen zu den Rüstungsausgaben der Nato: „Made in Germany heißt für mich auch: Unsere Partner müssen sich auf die Zusagen Deutschlands verlassen können.“

Insgesamt bescheinigte sie den Deutschen eine zu hohe Selbstzufriedenheit: „Wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit wiegen.“ Die beiden Haupttrends hießen Klimawandel und Digitalisierung. Kramp-Karrenbauer: „Es ist noch nicht ausgemacht, das Made in Germany die Antwort auf die drängenden Fragen unserer Zeit liefert.“ Das sei keine Frage von Geld, sondern eine Frage der Haltung. Ihre Botschaft: „Wir müssen schneller werden, dynamischer und agiler!“ Die SPD verstehe sich als Betriebsrat des digitalen Deutschlands. Die CDU-Vorsitzende: „Es kluger Betriebsrat hat auch das Wohl des Betriebes im Sinn.“

Web: www.derwirtschaftsverein.de