Auf dem Großrechner wirft die A26 Ost bereits einen echten Schatten

Das ganze Projekt ist wie eine Operation am offenen Herzen – eine Verbindung zwischen den Hauptschlagadern A7 und A1. Wir reden über dieses Vorhaben seit vielen Jahren . . .

Die Hafenquerspange, so habe ich mir sagen lassen, stammt als Idee schon aus den 40er-Jahren.

Damals war auch die A26 auf dem Papier schon fertig. Trotzdem die Frage: Wie lange dauert so etwas?

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Dazu lassen sich keine konkreten Aussagen machen. Jahrhundertprojekte dauern nicht ein Jahrhundert, aber sie prägen Jahrhunderte und man braucht von der Planung bis zur Fertigstellung erfahrungsgemäß ca. 20 Jahre.

Rechnen Sie damit, dass diese Planung so realisierbar ist?

Noch ist die A26 Ost nicht im vordringlichen Bedarf des Bundes. Aber wir rechnen sehr damit, dass das passieren wird.

Was ist die größte Herausforderung dieser Strecke?

Die Querung der Hohe-Schaar-Insel, weil dort so wenig Platz ist, dass sich die Autobahn aus der Brückensituation nicht wegbewegen kann. Wir müssen die Insel mit einer Hochstraße queren. Darunter sind die Hafenstraßen und die Gleise. Teilweise muss die vierspurige Autobahn auf nur einer Pfeilerreihe stehen.

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Was wird die A26 Ost nach derzeitigem Stand kosten?

Wir haben die Kosten für die Beantragung zum Bundesverkehrswegeplan mit rund 900 Millionen Euro angegeben.

Plus Kostensteigerung?

Kostenentwicklungen sind aufgrund Baupreiserhöhungen in den nächsten Jahren nicht völlig auszuschließen.

Das Projekt wird aus meiner Sicht erstaunlich offen kommuniziert. Ist Transparenz das Gebot der Stunde?

Auf jeden Fall. Wir haben erste Veranstaltungen dazu ja schon vor zwei, drei Jahren durchgeführt. Was wir jetzt machen, ist eine weitere Detailierung der Planung und die Vorbereitung des nächsten Planfeststellungsverfahrens.

Wann werden die beginnen?

Seit 2012 befindet sich der Teil westlich der A7 im Planfeststellungsverfahren. Wir wollen mit dem östlichen Teil Anfang 2016 beginnen, wahrscheinlich Ende des ersten Quartals.

So ein Verfahren dauert dann wieder drei Jahre . . .

. . . nein, wir sind da optimistischer und setzen 20 Monate an. Und hoffen, dass das klappt. Aber auch hier ist es nicht üblich, zeitliche Risiken einzuplanen. Wenn es zu Klagen kommt, folgen weitere Verzögerungen.

Worin besteht aus Ihrer Sicht die größte Hürde für die A26 Ost?

Das sind immer die Planfeststellungsverfahren.

Parallel planen Sie an einem umfangreichen 3-D-Modell. Könnte ich da visuell schon mal auf der A26 Ost entlang fahren?

Ja. Wir planen das in zwei Stufen an dem Großrechner einer Firma in Trier. Es gibt eine Prä-Visualisierung mit eher rudimentären Daten und im Weiteren eine maßstabsgerechte hochauflösende Fassung, die georeferenziert ist. Das heißt: Die Sonne geht an der richtigen Stelle auf und wirft den echten Schatten – was ja wichtig ist bei so hohen Bauwerken. Wir bekommen dann ein runtergerechnetes sogenanntes Echtzeitmodell, das auf speziellen Notebooks laufen kann. In diesen Echtzeitmodellen können wir uns bewegen. Per Konsole oder mit den Pfeil-Tasten. Wir hatten schon Besprechungen, wo wir uns im Modell bewegt haben, um Konfliktpunkte zu identifizieren. Zum Beispiel auf der Hohen Schaar. Da ging es um die Rohrleitungen der Shell-Raffinerie.

Wie detailliert ist denn das – kann ich da jeden Stromkasten sehen?

Das ist sehr detailliert. Das Modell basiert auf Luftbildern mit einer Auflösung von fünf Zentimetern. Wir können Full-HD-Videos erzeugen.

Klingt sehr teuer . . .

Das kostet einen niedrigen sechsstelligen Betrag, lohnt sich aber.

Wie viele Menschen sind an der A26-Planung beteiligt?

In meiner Abteilung sind wir fünf Leute im Kernteam. Dazu kommen selbstverständlich weitere Mitarbeiter der DEGES für die unterschiedlichsten Aufgaben und darüber hinaus deutschlandweit sehr viele Ingenieure und Mitarbeiter bei externen Ingenieurbüros und Dienstleistern.

Seit wann sind Sie Planer?

Nach der Wiedervereinigung habe ich mich entschlossen, in den Osten zu ge-hen. Bei der DEGES bin ich seit 1994.