Jetzt müssen Häfen der Wissenschaft gebaut werden

Martin Mahn, Geschäftsführer der Tutech Innovation GmbH und der Hamburg Innovation GmbH, sagt in B&P seine Meinung - pointiert und mit Hintersinn . . .

Von Martin Mahn, Geschäftsführer
der Tutech Innovation GmbH und der
Hamburg Innovation GmbH

Wissen ist Macht, sagt der Volksmund. Nichts wissen macht auch nichts, sagt der Satiriker. Ob er damit mal nicht falsch liegt. Denn der Jurist weiß: Unwissen schützt vor Strafe nicht. Wissen ist für Fortschritt und Wohlstand verantwortlich, hilft beim Miteinander und bei unserer Kommunikation, sorgt für Gesundheit und ein längeres Leben. Und Wissen entscheidet. Zum Beispiel Wahlen. Gerade da konnte man in einem nicht näher genannten Land plakativ sehen, was Strafe bedeuten kann. Vier Jahre lang. Aua. Wir wissen im Grunde auch, wie man ein Corona-Virus besiegen kann. Theoretisch. Die Anwendung dieses Wissens, also seine praktische Umsetzung, dauert aber eben leider nur zu lange. Das kann – je nach Fall – unvermeidlich sein, muss aber nicht. Denn wenn wir wissend sind, müssen wir auch früher handeln. Und nicht immer erst auf eine Krise warten.

Hamburg war und ist eine Handelsstadt. Will sie ihren Wohlstand beibehalten, muss auch sie rasch handeln – im doppelten Sinne. Sie muss neue, nachgefragte Ware handeln und sich aufmachen, die Quellen dieser Ware zu erschließen. Früher wurden Kaffee, Tee, Salz oder Teppiche gehandelt. Die Ware des 21. Jahrhunderts aber ist das Wissen. Mit seiner wachsenden Wissenschaftslandschaft hat die Hansestadt davon reichlich zu bieten. Aber nutzen muss sie das Wissen eben auch – und mithin anwenden. Dazu muss man vom Wissen, das man hat, aber auch wissen – also: Augen auf! Sowie dem Wissenden dann Glauben schenken.

Handelt Wissen(d)!

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Die Geschichte lehrt: Das kann dauern. Wie die Reise von der Scheibe zum Erdball und vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild einst gezeigt hat. Das Egozentrische – heute in Teilen leider immer noch die Welt prägend – wollen wir mal überspringen. Für die Elbmetropole aber gilt: Sie muss weg vom marizentrischen Weltbild, in dem sich alles nur um ihren Hafen dreht. Vielmehr müssen jetzt die Häfen der Wissenschaft ausgebaut werden. Dringend, zügig und massiv. An ihren Kaimauern wird die Ware der Zukunft gehandelt. In ihren Werften entstehen die Schiffe von Morgen. Und ihre Crews gleich mit. Dem Hamburger Hafen als Sondernutzungszone käme eine neue Rolle zu: Er kann als riesengroßes Testfeld dienen – und das neue Wissen gleich in alle Welt exportieren. Also: Ob Hamburg oder Hanseat – handelt Wissen und handelt wissend! Denn nur das wird die Perle an der Elbe in eine erfolgreiche, nachhaltige Zukunft führen.

>> Fragen an den Autor? mahn@tutech.de