Personal 4 you – Darum sind Festanstellungen der bessere Weg

CORINNA HOREIS, Diplom-Kauffrau und PersonalberaterinCORINNA HOREIS, Diplom-Kauffrau und Personalberaterin

KOLUMNE

Von CORINNA HOREIS, Diplom-Kauffrau und Personalberaterin

Das ganze Land jammert über fehlende Fachkräfte, doch fast jeder zweite neue Mitarbeiter wurde im vergangenen Jahr nur befristet eingestellt – ein Trend mit fatalen Folgen und Ausdruck von mangelndem Vertrauen in Menschen und Entwicklungen. Ganz besonders auffällig ist die Befristung von Arbeitsverträgen ausgerechnet bei der jungen Generation von Arbeitnehmern, für die Sicherheit und Zukunft sehr wichtig ist. Die in den Medien kursierenden Schlagworte wie Fachkräftemangel, Talentmanagement und Arbeitgebermarke scheinen nicht im Einklang mit der Zunahme befristeter Anstellungsverhältnisse zu stehen. Dazu ein, zwei Kernfragen, die sich Arbeitgeber und Unternehmer stellen sollten: Wie können sich Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen identifizieren oder gar Loyalität entwickeln, wenn sie in regelmäßigen Abständen um ihren Job bangen müssen? Warum sollten sie sich engagiert einbringen und nachhaltige Beziehungen zu Vorgesetzten, Kollegen sowie Kunden und Lieferanten aufbauen, wenn das Verhältnis sowieso nur auf Zeit ist? Jede Befristung ist ein klares Signal an den Arbeitnehmer, dass eine Trennung unkompliziert und die langfristige Verbundenheit nicht erwünscht ist. In der Praxis stelle ich immer wieder fest, dass Unternehmen um Fachkräfte aus dem Handwerk „kämpfen“. Ich stelle nicht fest, dass es Handwerker am Markt nicht mehr gibt. Ganz im Gegenteil: Handwerker stehen dem Arbeitsmarkt in regelmäßigen Abständen immer wieder zur Verfügung. Warum ist das so? Weil insbesondere größere Firmen dazu tendieren, diese doch begehrten Fachkräfte nur auf Zeit einzustellen. Und wenn ich diese Fachkräfte frage, welches Kriterium bei einem neuen Arbeitgeber möglichst erfüllt sein sollte, erhalte ich als Antwort: eine langfristige Festanstellung.

Ist Zeitarbeit noch zeitgemäß?

Wenn Menschen in dem Alter der Familiengründung sind, suchen sie verstärkt nach Sicherheit, um längerfristiger planen zu können. Doch wenn 50 Prozent der Angestellten im Alter von 30 bis 39 Jahren nur in einem kurzfristigen Zeitrahmen planen können, könnte diese Entwicklung fatale Folgen für die Familienplanung und auch die Investition in langfristige Güter wie beispielsweise eine Wohnung oder ein Haus haben. Arbeitsverträge mit Verfallsdatum sind in dieser Generation nicht gefragt. Und: Sie wirken sich unter dem Strich negativ auf die Konsumfähigkeit und damit die Wirtschaft insgesamt aus.

Wünschen sich Arbeitgeber nicht auch Planungssicherheit und wollen Schlüsselpositionen langfristig besetzen? Es ist doch gleichermaßen anstrengend für Arbeitnehmer einen neuen Job und für Arbeitgeber den passenden Mitarbeiter zu finden. Die Energie, die in Bewerbungsprozessen verloren geht, könnte viel besser direkt in den Geschäftsprozess investiert werden. Wer also Mitarbeiter an sein Unternehmen binden möchten, sollte in Zutrauen und Vertrauen investieren, anstatt mit Befristungen Misstrauen zu demonstrieren.

Fragen an die Autorin? corinna@horeis-consult.de